Der Sound von Volendam

Volendam
Volendam y Marken (Holanda) by Juan Enrique Gilardi

Volendam und Musik ist eine gute Kombination. Es begann alles mit „The Cats“ (1965-1994), und was ist eigentlich der “Palingsound“

„Paling“ ist das niederländische Wort für die schmalen, fingerdicken Aale, ursprünglich aus dem Ijsselmeer kommend, die geräuchert werden. Der Begriff entstand, als Jan Buys, Manager der Cats, geräucherten Paling mit zu den DJ’s des damaligen Piratensenders Radio Veronika nahm, um die Musik der Cats zu pushen (das sollte heute mal einer wagen, mit toten Fisch anzukommen…). Einer dieser DJ’s kündigte dann die Cats mit „Palingsound from Volendam“ an.

Der Journalist und Popkritiker Jip Golsteijn erstellte 1999 eine Definition des Palingsound im Buch „One Way Wind, de geschiedenis van de palingsound“ (1999): The Cats haben auf wundersame Weise und unbewusst den Rythm & Blues der Coasters und der Drifters, also den Atlantic Blues, mit Volendammer katholischen Chorgesang gemischt.

Ach ja, mein Volendam. Seit einigen Jahren unterrichte ich 12-16 jährige Berufsschüler/innen aus Volendam in Deutsch und PC-Unterricht. Volendam am Ijsselmeer, 25 km nordöstlich von Amsterdam gelegen, ist streng römisch katholisch in einer überwiegend protestantischen Umgebung; die 22.000 Einwohner leben in einer kulturellen „Insel“ mit eigenem Dialekt, einer Art Singsprache, die den Reiz des Gesangs von den Cats, BZN und Jan(tje) Smit ausmacht, hörbar beinah nur für Niederländer oder Linguisten: es sind die härteren Vokale und die Vibratos in ihrem Dialekt, die den Sound ihrer Lieder unique macht.

Volendammer lieben pralles Leben, nach Jahrhunderten harten Kampfes gegen die Armut als Fischer, Bauern und Handwerker. Ihr Durchsetzungsvermögen ist eine Quelle des Erfolgs in Musik und im Geschäftsleben. Volendammer halten zusammen wie Pech und Schwefel, das Telefonbuch der geschlossenen Gesellschaft mit viel Namensgleichheit ist nur durch Einheimische lesbar. „Piet Veerman“ z.B., Leadsänger der Cats, kommt z.Zt. 46 mal vor. Jeder ist über die Jahrhunderte irgendwie mit jedem verwandt, und das hat Folgen: Volendammer haben die geringste Lebenserwartung in den Niederlanden…

Meinen Volendammer Schülern ist der Knopf im Ohr ihrer iPods angewachsen, den ganzen Tag Musik, auf ihren Bits tummelt sich alles vom Hardrock der Moderne bis hin zu den Großen der Musikgeschichte, Pink Floyd, Oasis, U2, Queen, Doors usw…

Aus Volendam kamen bislang fünfzehn der Nr.1-Hits der NL-Charts, keine andere Stadt der Niederlande erreicht das. International bekannter geworden sind „One Way Wind“ (Cats), „Mon Amour“ (BZN), „Ik hou van jouw“ (Maribelle, European Songfestival 1984), „Like a Locomotion“ (Left Side ), „Sailin‘ Home“ (Piet Veerman), und einiges des heute 22-jährigen ehemaligen Kinderstars Jan(tje)Smit vor und nach dem Stimmbruch.

Zurück zum Palingsound: The Cats haben musikalisch Wasser und Öl gemischt, scheinbar mit Erfolg, andere wie BZN und Jan Smit haben es imitiert. Palingsound ist streng genommen die Musik von The Cats. Die Niederländer verwenden den Begriff mittlerweile als Handelsmarke für alle Musik, die aus Volendam kommt. Mit BZN ist dieses Jahr die vorläufig letzte große Band aus Volendam abgetreten, Jan Smit beherrscht nun den Palingsound. Und neue Sterne am Horizont, das Duo Nick & Simon und die Sängerin Martine Bond , wollen (sollen?) wieder, so wie damals in den 60-igern Piet Veermann von den Cats oder Jan Tuip von BZN, die Jugend ihrer Zeit ansprechen.

Quellen: Dutch Rock & Pop institute, Palingsound.com, KRO (Fernsehanstalt), Volendammer Tratsch.

Ich wünsche allen Freunden von S.i.T.’s Blog ein erfülltes 2008. Amsterdammer

reloaded 26.07.2015 / rü