Der verzweifelte Hahnenschrei des Sascha Lobo

Sascha Lobo und Vodafone
Drum prüfe was sich ewig bindet (Hessische Lebensweisheit)

Vor einigen Monden ließ Sascha Lobo – das ist der informelle Notnagel der Medien wenn es um das Internet geht – den Fernsehzuschauer wissen, daß das Internet intelligent sei. Er bemerkte an, daß wenn er bei Amazon etwas gekauft hat, er dann Vorschläge bekommt, was er noch passend dazu kaufen kann. Trotz heftigen Einspruch der damaligen Beteiligten in der Runde, blieb Sascha Lobo dabei – das Internet ist intelligent.

Ich habe mich ja seinerzeit gefragt, wo sie diesen Schlauberger aufgesammelt haben. Für ein Nachrichtenmagazin in Hamburg schreibt er eine Kolumne, und ab und zu muß er in ein Mikrofon etwas zu besten geben. Bisher habe ich es geschafft, um ihn einen großen Bogen zu machen. Aber heute ist es schief gegangen, die FAZ hat sein Konterfei hochgehalten:

Das Internet ist nicht das, wofür ich es so lange gehalten habe. Ich glaubte, es sei das perfekte Medium der Demokratie und der Selbstbefreiung. Der Spähskandal und der Kontrollwahn der Konzerne haben alles geändert. FAZ

Also… *kopfschüttelt* ich kenne das Internet schon sehr lange, mir ist noch nie in den Sinn gekommen, das Internet sei für kleine Revoluzzer DAS Medium. Spätestens als Audiogalaxie kastriert wurde, wußte ich: Wir sind nicht mehr alleine, die Spielverderber haben das Internet dank der Seelenverkäufer von Telekom & Co entdeckt. Die schöne Zeit ist nun vorbei. In jener Zeit, altes Jahrtausend, saß ich noch in der Domstadt am Rhein. Ohne NSA und Co. anzuführen, wir werden ständig ausspioniert. Fast jede Internetseite – ganz schlimm die Frankfurter Rundschau – hat nix besseres zu tun als uns Besucher, die zu Gast sind, zu verfolgen bzw. verfolgen zu lassen. Auch das Hamburger Nachrichtenmagazin ist nicht frei, umarmt Google, aber wenigstens noch im erträglichen Rahmen mit einem Drittel von dem was hier in Frankfurt angeworfen wird.

Das Internet ist zumindest in gewissen Teilen ein demokratisches Instrument. Auch wenn die Revolutionäre im arabischen Raum noch keine Früchte ernten konnten, es ist zumindest einigen Leuten klar geworden, daß nun die Welt sich ein wenig anders dreht, mit den einhergehenden Manipulation auf jeder Seite. Das ist aber auch nichts Neues. Und wenn Sascha Lobo nun wegen der NSA-Geschichte von einer gekränkten Menschheit spricht…

Hat wer wirklich gedacht, daß das Internet eine Art selbstverwaltetes Bürgerzentrum ist? Wir sind das ganze Leben abgehört worden, früher von den Russen, heute von der Welt, warum soll das Internet ein Hort der Freigeister und Demokraten, gar ein Hola sein? Zum besseren Verständnis: Das „Hola“ stammt aus meinen Kindertagen, wenn wir Kinder fangen spielten. Die letzte Rettung war ein Baum, der das Hola war, wo man nicht gefangen werden durfte. Sascha Lobo hatte anscheinend auch nie Kontakt mit den weißen/schwarzen Rittern der torrent-Szene gehabt, sie mal gefragt, wie man mit der Verteilung von Firefox 0.7 auf über zwei GByte Traffic in einer Nacht kommt, zumal schon in der FAZ Firefox 1.0 mit einer ganzseitigen Anzeige gefeiert wurde. Schade eigentlich, bestimmt wäre uns der heutige Hahnenschrei erspart geblieben.

Es kütt wie et kütt, sagen sie in Köln, und falls nicht noch ein Zwischenrufer ankommt und das Aushängeschild der Generation Sorglos bedauert, bleibt sowieso alles beim alten. Ein Sascha Lobo ist da nicht außen vor.