Do not track (war gestern)…

Do not track
Die pure Tracking-Lust: Das macht doch nichts, das merkt doch keiner… kuckuck. (nach Hans Scheibner)

Do not track war gestern

… Optimized CPM ist heute

Manche haben es ja kommen sehen. Schon im Vorfeld, als die ersten Gedanken zu „do not track“ aufkamen, haben sie müde abgewunken. Aber es gilt ja generell: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Nun liegt sie darnieder, zertrampelt von Google, Yahoo, Facebook und Co.

Datenschutz? Kümmere dich selbst darum

Aber man muß ja den Social Network-Größen keinen großen Vorwurf machen, denn selbst die Blogger, also jene, die sich durch Fachwissen um selbige Netzwerke hervorgetan haben, verwenden jeden Brotkrumen aus den Werkstätten von Google, Facebook und Co, nur um vorne dabei zu sein. Und die ganz große Masse nimmt alles desinteressiert in Kauf. Man kann es ihnen auch nicht verdenken, denn schon mit den Funktionen/Einstellungen des Browsers sind sie hoffnungslos überfordert. Vier Leute sitzen in einem Büro in Offenbach vor ihrem Rechner und bekommen es nicht auf die Reihe den „Cache“ ihres Browsers zu leeren, damit die Seite neu aufgebaut werden kann um Neuerungen zu sehen. Beim Kaffeekränzchen war keiner der Anwesenden in der Lage, das Profilbild eines Kontakts in WhatsApp sich anzuschauen, abzuspeichern und mir dann zu zeigen. Gerade das offiziell Vorgekaute können sie runterschlucken und das war es dann. Nicht nur aus diesem Grund hat die Werbeindustrie leichtes Spiel, um an die begehrten Daten der Nutzer ranzukommen, denn der nächste Satz von jenen ist: „Ich habe doch nichts zu verbergen.“ Insofern könnte man nun alles laufenlassen, denn jeder ist seines Glückes Schmied, wenn es da nicht die kleine Minderheit geben würde, die für andere mitdenken, die sich auch für technisch Unbedarfte einsetzen, die den Wunsch haben, ihr Recht auf Privatsphäre nicht ohne Klick abzugeben.

Fingerprinting – Nicht nur über Cookies gibt es ein Wiedersehen

Das Grundübel sind am Anfang die Browser selbst. Solange die Browser mehr erzählen als nötig, damit eine Webseite anständig läuft, solange ist der Nutzer am Ende der gläserne Surfer – ganz ohne Cookies.

„Your browser fingerprint appears to be unique among the 179,460 tested so far.“
Panoptiklick“ setzt die EFF ein, um Informationen zu sammeln… (Zeit)

Eine andere Variante ist das patentierte Verfahren von Mindlab, das Produktmanager Alexander Schreiber von Mindlab erklärt:

„Wir schalten eine Software-Komponente vor den Webserver, der den Content bereit stellt. Dabei schreibt die Software den gesamten eingehenden und ausgehenden Datenstrom mit und wertet ihn aus, ohne daß IP-Adressen gespeichert oder Cookies gesetzt werden. Die sogenannte Reverse-Proxy-Technologie und das „URL-Rewriting“ kommt hier zum tragen, bei der die Session eines einzelnen Nutzers direkt in den URL eingeschrieben wird.“

„Optimized CPM“ nennt sich die unscheinbare Tracking-Technik von Facebook. Nutzer werden dabei anhand ihrer Facebook-ID eindeutig identifiziert, besser als es mit Tracking-Cookies möglich ist. Einen Browser kann man wechseln, die geliebte Facebook-Identität nur schwer, weswegen nun kleine Codeschnipsel für alles und jeden bereitgestellt werden (einfach ausgedrückt).

„Wir sammeln Informationen, wenn du Webseiten und Apps Dritter besuchst, die unsere Dienste nutzen (z.B. wenn sie unsere „Gefällt mir“-Schaltfläche oder die Facebook-Anmeldung anbieten oder unsere Bewertungs- und Werbedienste nutzen). Dazu zählen auch Informationen über die von dir besuchten Webseiten und Apps und über deine Nutzung unserer Dienste auf solchen Webseiten und Apps sowie Informationen, die der Entwickler oder Herausgeber der App oder Webseite dir bzw. uns zur Verfügung stellt.“

Mittlerweile ist einiges seit der Ankündigung zusammengekommen und auch eine Studie erzählt: Facebook schert sich einen Dreck um Datenschutz und Privatsphäre. Von diesem Tracking sind alle Internetnutzer betroffen, unabhängig davon, ob sie nun über ein Facebook-Profil verfügen oder nicht. Daß dies nicht mit geltendem EU-Recht konform ist, liegt auf der Hand. Und nun? Auch Google hat die Apple-Klippen umschifft, um an Daten ranzukommen. Nun dürfen britische Safari-Nutzer Google verklagen (MacTechNews). Yahoo kündigt die „do no track“-Koalition auf:

„Wir glauben grundsätzlich, daß das beste Web ein persönlich zugeschnittenes ist“, so das „Yahoo Privacy Team“ auf tumblr.

Es liegt auf der Hand: Weder Google, noch Apple, noch Yahoo oder Twitter werden das Feld Facebook freiwillig überlassen. Insofern werden diese früher oder später nachziehen: Tracking auch ohne Einwilligung.

do not track…

Nun schließt sich der Kreis im heutigen Artikel.

do not track
Piwik signalisiert bei aktivierten „do not track“-Schalter nichts aufzuzeichnen

…eingeschaltet?

Sehen Sie, wer Sie im Internet verfolgt

Was ist zu tun? Entweder laufen lassen, oder aber anfangen sich für sein ureigenstes Recht schlau zu lesen. Für den Anfang reicht es in der Browsereinstellung das Setzen von Cookies der Drittanbieter zu unterbinden bzw. diese erst vor einem Besuch zuzulassen, regelmäßig den Browserverlauf/die Cookies zu löschen und den Schalter „do no track“ betätigen. Darüber hinaus sind wiederum viele weiterführende Verweise zu Artikel hinter den jeweiligen Links anzutreffen. Und sollte wer ankommen, etwas von Zukunftstechnik etc. erzählen, gar auf die viele Arbeit verweisen, weswegen Werbung doch legitim sei, dann geb‘ zu besten:

„Das beste Web für mich ist ein auf meine Bedürfnisse zugeschnittenes Web.“

In diesen Sinne, rü