Ein Sommer mit dem RMV

Am 03.08.2015 stand ich mit einem Freund im Rodgau an einer Bushaltestelle und wollte am späten Abend, braungebrannt vom Rodgaustrand, wieder in Richtung Heimat, in das idyllische Offenbach.

Warten auf den RMV

Bushaltestelle
Hier wartet man vergebens auf die Buslinien OF-41/99

So steht man da herum, aber es kommt kein Bus (OF-99). Nach aufmerksamen Studium des Fahrplans entdeckte man eine Rufnummer, die des RMV. Angerufen, aber diese Nummer war nicht mehr gültig, per Ansage gab es eine andere Telefonnummer. Diese wiederum hatte einen Zahlendreher, weswegen man bei einer Firma landete, die wiederum per Band erzählte, daß die Nummer die es vom RMV gab, falsch ist , man möge doch folgende Nummer anrufen… Dort gab es dann den RMV: „Es liegen derzeit keine Störungen vor“, dennoch wurde der Vorgang freundlicherweise aufgenommen (Beschwerde). Nun gab es eine Ausweichmöglichkeit mit einem anderen Bus, den mit der Nummer OF-41, der anders fuhr, man selbst dennoch irgendwann eine S-Bahnstation zu sehen bekommt. Vorab 20 Minuten warten, laut Fahrplan. Der Bus kam auch. Allerdings als Leerfahrt. In der Kurve, während der Fahrt, hat der das Schild verändert, „Leerfahrt“ eingegeben und ist durchgefahren, an uns vorbei, hat nur blöd zu uns geschaut. Wieder den RMV angerufen und laut diesem hätte der Bus halten müssen. Neue Ausweichmöglichkeit: In einer halben Stunde würde der Taxi-Bus fahren… Ich habe dankend abgelehnt, darauf hingewiesen, daß wir in der Zeit auch in Dudenhofen sind, dort die Bundesbahn ihre S-Bahn einsetzt. Störungen lägen ja nicht vor, oder doch?

Am 10. August wurden beide Beschwerdegänge aktenkundig von der kvgOF (Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach mbH) bestätigt. Falls es dringend wäre, könnte man auch anrufen, was aber in Anbetracht der verflossenen Zeit nicht nötig war, eine interne Sitzung zu dem Ergebnis kam, daß man gleich vom Rodgaustrand nach Dudenhofen laufen sollte, sich auf keine Experiment mehr einlassen. Am 16.09., über einen Monat später, kam die Stellungnahme, auch mit Entschuldigung, weil die Antwort auf sich warten ließ:

Nach Rücksprache mit dem zuständigen Unternehmen erhielten wir die Information, daß der Fahrer der Linie OF-41 versehentlich die falsche Taste gedrückt hat, so daß der Text „Leerfahrt“ im Display erschien. Warum der Fahrer die Bushaltestelle nicht anfuhr, konnte abschließend nicht geklärt werden.

Zum Fahrtausfall der Buslinie OF-99 wurde mitgeteilt, daß es im August aufgrund zahlreicher nicht auffangbarer Krankmeldungen zu Fahrtausfällen gekommen sei. Das Busunternehmen sei stets bestrebt gewesen… Und die Lage hat sich wieder normalisiert.

Zum Fall der Linie OF-41 kann nur der Rat dem Unternehmen gegeben werden, dem Busfahrer einen Reisigbesen in die Hand zu drücken und kehrend die Linie abzugehen. Der fährt nie mehr gasgebend in Wohnvierteln mit 30er-Zone an wartenden Fahrgästen an einer Haltestelle vorbei.

Zum Fall der Linie OF-99 kann man nur Mutmaßungen anstellen: Der Ausfall ist wahrscheinlich dem Kostendruck geschuldet, vielleicht auch der Order „Dienst nach Vorschrift“ zu leisten, weil der Lohn zu gering ist. Wer fährt schon gerne den ganzen Tag für ’n Appel und ’n Ei Bus… Es nutzt mir aber an der Bushaltestelle nichts, schon gar nicht wenn ich älter, gar mit Rollator unterwegs bin. Vertrauen in den Busverkehr des Kreises Offenbach bekommt man so nicht.

Es kommt aber noch besser…



Die Linie für heiße Tage! OF-65

Keine Lust zum Rodgaustrand? Alternative: Das Strandbad Langener Waldsee mit den 1970er Jahre-Duschen, über die Grenzen weit hinaus bekannt, nicht nur durch die Staumeldungen an Wochenenden. Es gibt sogar einen kleinen Fahrplan für die Hemd-, Badehose- oder Bikinitasche, herausgegeben von der kvgOF

Von Anfang Mai bis in den September hinein ist der Waldseebus unterwegs. An Wochenenden und in den Sommerferien sogar täglich bringt er – Badewetter vorausgesetzt (25°C) die Sonnenhungrigen der Region vom S-Bahnhof Dreieich-Buchschlag zum Langener Waldsee und wieder zurück.

Das hat einmal gut funktioniert, auch ein zweites Mal und beim dritten Mal gab es den spätabendlichen Aussetzer. Den ganzen Tag fuhr der Bus. Am späten Nachmittag des 07. August zeigten sich dunkle Wolken am Horizont. Noch lange kein Grund sich anzuziehen, denn ich saß schon am Schultheisweiher und das Gewitter kam nicht über den Main, blieb in Frankfurt, tobte sich dort aus. Es wurde Abend und so langsam machte man sich doch über die zunehmende Anhäufung von Regenwolken Gedanken, zudem auch die Wetterapp nix von „Kein Regen in Langen“ erzählte. Dann kamen die ersten Regentropfen. Flugs alles zusammengepackt, aufgebrochen zum Bus. Der Regen wurde mehr und es kam die Abfahrtzeit 20 Uhr, aber kein Bus. Es wurde 15 Minuten nach 20 Uhr, immer noch kein Bus und mittlerweile war auch klar, das mit dem Regen wird eine längere Geschichte.

Der Waldsee in Langen
Die Bushaltestelle am Langener Waldsee (hier bei Regenwetter)

Am Eingang des Waldsee das Personal gefragt, ob was wegen dem Bus bekannt ist, Unfall etc. „Nein, nichts bekannt“ so die Antwort. Die waren am einpacken, hat sie nicht weiter interessiert und acht Personen standen im Regen – so und so. Es wurde 20.30 Uhr, laut Fahrplan die letzte Fahrt, aber es kam kein Bus. Dies war abzusehen, denn wenn der 20 Uhr nicht fährt, fährt der um 20.30 Uhr schon mal gar nicht, da dies der gleiche Bus ist. Auf dem Fahrplan nach einer Telenummer Ausschau gehalten und dann die klitzekleine Zeile entdeckt, die es im Handfahrplan nicht gibt und die es in sich hat:

Bei Regenwetter findet kein Busverkehr statt.

Den ganzen Tag karr’n se die Leut‘ zum See,
und am Abend lassen’s se im Regen steh’n… *singt*


Erst stehen wir mit acht Personen im Regen, warten, dann müssen wir knapp fünf Kilometer durch den Wald im strömenden Regen laufen, weil der Busfahrer paar Tropfen auf die Frontscheibe bekommen hat, dies für ihn Grund genug ist, den Bus in die Garage zu fahren, denn das gute Stück – mit Tischen zwischen den Sitzreihen – darf nicht naß werden und zwei Fahrten, die eingespart werden können, retten die Tagesbilanz der Langener Stadtwerke.

Es macht auch keinen Sinn sich irgendwo zu beschweren (siehe oben). Die klopfen sich auf die Schenkel, lachen sich halbtot: „Der will eine Busfahrt bei Regenwetter, hööhö“. Glück im Unglück war, ich kenne den Weg durch den Wald nach Buchschlag oder Neu-Isenburg um heimzukommen. Die Mitreisenden kannten ihn nicht, die standen da… Blieb nur das Taxi als Alternative. Und wann das dann kommt, wird am Ende des Textes besungen.

Natürlich wehrt sich der RMV, weißt darauf hin, daß er nur die Dachorganisation ist. Aber es gilt auch: Zum einen steht auf den Fahrplänen im Rodgau nix anderes als die Nummer des RMV, zum anderen erreicht man bei den Stadtwerken Rodgau und Langen am Abend niemand. Daß die Stadt(werke) mit ihrer Informationspolitik, gerade in Langen, eine Arroganz an den Tag legen, stößt dabei erst recht sauer auf. Wäre es ein Problem über die Lautsprecher des Badesees die Badegäste zu informieren, daß der letzte Bus wegen aufkommenden Regens um 19.30 Uhr fährt? Tut das weh? Anscheinend.

So gilt auch auch in Langen:

Wenn man sich auf andere verläßt, ist man verlassen
Hauptsache die Bahn fährt (noch).

Damit man den Humor nicht auch noch verliert, hilft in solchen Fällen auf den Wanderpfaden durch das Rodgauer Land oder den Langener Staatsforst folgendes Volkslied auf den Lippen:

DÖF und kvgOF
I steh im Reg’n und woat auf a Bus…