Erlebniswelt Primark

Primark
Monatliche Einkleidung im Primark auf der Zeil

DIE Anlaufstation in Frankfurt für günstige Kleidung ist auf der Zeil Primark: die Jeans für 11 €uro, ein T-Shirt für 3 €uro, ein Pullover/das Kapuzenshirt für 15 €uro. Da lacht das Herz und der Geldbeutel freut sich.

Die Schnäppchen von Primark

Das Hauen und Stechen um die „letzten“ 3 €uro-Blusen beginnt um 10 Uhr in der Früh. Das Geschiebe, nicht nur in den Gängen, läßt das gepflegte hoch und an sich anhalten, den fragenden Blick zum Freund/zu Freundin, so nicht zu. Es ist auch nichts besonderes, was Primark seinen Kunden anbietet. Es ist nur billig und es gab darüber hinaus bestimmt 300 Tote an Nebenkosten während der letzten Kollektion in Bangladesch. Ich weiß, ein Stockwerk höher läßt H&M produzieren, und drei Hinterhöfe weiter waren es 900 Tote für kik. Laut Handelsblatt will Primark aber die Arbeiter in Bangladesch unterstützen… aber wir wissen auch, wird Bangladesch zu teuer, zieht man weiter, läßt anderswo weiter billig produzieren. Das alles interessiert die wenigsten Kunden von Primark, die mit fünf Tüten, was keine Seltenheit ist, aus der Filiale in Frankfurt kommen. Aber so sieht dann das Jungvolk auch aus, was dann in den Fußgängerzonen sich von der besten Seite zeigt. Zwei Mal den Pullover gewaschen, kannst ihn in die Kleiderspende geben, bekommen sie ihn in Bangladesch zurück. Das Argument, daß die Leut‘ wenig Geld haben, weswegen Primark boomt, laß ich nicht gelten, denn jetzt kommt’s…

Ich war mit meinem Regenbogenfreund Stef im Primark, haben mal hier, mal dort geschaut, bei den Shopping Bags Station gemacht – gruselig -, sind dann rausgeflüchtet. Das ist nicht unsere Welt, obwohl wir auch nichts zum verschenken haben. Dann sind wir zu Karstadt gegangen, ist ein paar Schritte weiter, und es war ein ganz anderes Einkaufserlebnis. Stef hat wieder nach Shopping Bags geschaut und sein Interesse galt einer Tasche mit Magnetverschluß, die von 40 €uro auf knapp 20 €uro heruntergesetzt war. Kam sofort eine nette Verkäuferin und fing an über die Tasche zu erzählen und erwähnte beiläufig, das dies eine Wendetasche ist. Stef war sofort hin und weg – kauf‘ ich. Wir gingen an die Kasse, Stef legte noch so eine goldene Karte von Karstadt hin, meinte der Mann an der Kasse, die gibt es seit sechs Jahren nicht mehr, ich gebe ihnen eine neue Karte. Fing er an und machte herum, auf einmal stand als Endbetrag 9,95 Euro für die Tasche. Voll der Hammer. Steff hat Purzelbäume vor Freude geschlagen. Da kann Primark einpacken, wo man sowieso auf sich alleine gestellt ist. Keine Verkäuferin erzählt da etwas, denn die müssen Kartons wegschieben, Primark-Einkaufstaschen einsammeln und wieder zum Eingang bringen. Selbst wenn Stefs Shopping Bag 20 €uro gekostet hätte, die Tasche ist allemal von der Qualität her besser als das was Primark anbot- auch für 20 €uro. Die Freude sollte ja schon bißchen länger halten, als bis zum nächsten Monat.

In einer anderen Zeit gab es für Jugendliche, die in ein Heim kamen, sogenanntes Einkleidungsgeld. Da wurde aufgeschrieben was man hat, verglichen mit dem Bedarf und nach der Liste dann eingekauft. Da hat dann die Jeans 70 DM aufwärts gekostet. Die hat aber gehalten. Ebenso Pullover und Parker. An der Primark-Kleidung hätten wir keine lange Freude gehabt… von wegen 120 Kilometer und mehr damit jedes Wochenende durch Hessen trampen. Und echte Löcher sind echte Löcher, kann die Industrie mit ihrem Löcherdesign einpacken und bei uns mußte niemand seine Lunge opfern, damit die Jeans für Europa und die Kinderheimkinder einen weißen Touch bekommt.

Aber so ändern sich die Zeiten.

Die asiatische Unterschicht schafft sich tot, nicht nur für Europas Unterschicht.


Nachtrag am 26.06.2014:

Eine Kundin der britischen Billigmode-Kette Primark hat in ihrer neuen Hose einen Zettel mit asiatischen Schriftzeichen gefunden – der Hilferuf einer Arbeitskraft, angeblich aus einem chinesischen Gefängnis. Es ist bereits der dritte Vorfall innerhalb weniger Tage. (Spiegel)


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