I love my Style

i love my style
Wer was auf sich hält, legt selbst Hand an seinem Auftritt an

Geht man durch die Innenstädte, so ist eine Botschaft nicht zu übersehen: I love my Style.

Ich finde das ja toll, denn ich weiß wie deprimierend das Sein unter dem Diktat der Vorgängergenerationen sein kann. Diese Botschaft erinnert einen doch auch jeden Moment an: Ich bin ich. Und deswegen gehen alle zu Primark, kaufen alle die gleichen Jeans mit den Löchern. Ganz ausgefeilt wird es, wenn „Kleine Muck“-Pumphosen des Betrachters Auge streifen. Unsre südländischen Freunde haben da regelrecht einen Narren an diesen Hosen gefressen. Aber es gilt

I love my Style

Auch im Internet. Und deswegen rennen alle zu facebook. Gestern wurde mir drei Mal per Twitter von einem Museum mitgeteilt, daß sie nun auch bei facebook eine Seite haben. „Werdet unsere Freunde…“ so die Aufforderung. Ja leck mich doch, warum sollte ich? Folgt mir das Museum auf Twitter? Nein, natürlich nicht. Und warum sollte man alles fünf Mal abonnieren? Der DLF konnte nicht mal Google+ bedienen, weil alle Energie auf facebook konzentriert wurde. Aber verkünden: Auch auf g+ sind wir. In manchen Fällen wird so laut auf dem Marktplatz auf die Töpfe eingeschlagen, daß man in seiner Idylle regelrecht zusammenzuckt. Dann eilt man hin… Der Gähnfaktor steigt dann proportional mit den Beiträgen. Aber wichtig ist, wir haben eine facebook-Seite.

Na und?

Die haben eine Milliarde anderer Menschen auch.

Und wie das so mit Personalausweisseiten ist, die sehen alle gleich aus. facebook ist der Primark im Internet. Und obwohl es von den Kreativen gebetsmühlenartig gepredigt wird, man raus aus der Gefangenschaft des gesellschaftlichen Format soll, da die eigene Identität in der Masse zerquetscht wird, juckt es niemanden. Sehendes Auge geht es in die psychische Katastrophe. Dabei ist es so einfach, um das Unheil abzuwenden.

I love my Style
Massen-WG oder nicht doch lieber das eigene Häuschen am Waldrand?

Und ein dolles Dorf ist facebook gewiß nicht. Dort tummeln sich hauptsächlich Wiederholungstäter. Die, die so und so nix auf die Reihe bekommen, kriegen dort auch nichts gebacken. Und die, die da laut die Töpfe schlagen, werden bezahlt und wiederholen das, was anderswo auch zu lesen ist. So verlinkt man oft auf Beiträge des eigenen Hauses. Das gilt auch für sogenannte retweets auf Twitter, das Weiterverlinken eines Statements von wem anderes. Selten mal, daß es woanders hingeht. Nennt sich: Zirkeltraining. Hier und da hört man es winseln, man möge doch bitte retweeten… Das sind die schon hier im Blog erwähnten Abhängigkeiten. Zahlenspiele um: Sein oder Nichtsein. Aber ist man wer mit dalancey-street.facebook.com? Natürlich nicht. Das ist nur eine weitere Episode aus: Wolle und net könne. Besser: dalencey-street.com oder wie hier vault-13.com statt vault-13.facebook.com. Der Vorteil u.a. ist: Mir können die amerikanischen (Doppel-)Moralvorstellungen am Allerwertesten vorbeigehen. Mein Po gehört mir und den zeig ich der Welt. :-P

Vor kurzem war ich in der Ausstellung von Tobias Rehberger in der Schirn. Keine einfache Kost und Neuland für mich… Letzte Woche kam mir eine Frau entgegen, die in der Art ein schwarz-weißes (Rehberger-)Kleid trug. Das war in zweierlei Hinsicht ein Hingucker. Zum einen hat der Style der Frau nicht sehr gutgetan, aber sie ging stolz mit dem virtuellen Rehberger durch die Halle. Zum anderen war die Frau im Gespräch: „Wie kann man sich so anziehen…“ Also guckt man nochmal hin. Seit ich das Elternhaus mit 15 Jahren verlassen habe, hat sich da aber nichts verändert. Von den Punks bis hin zu den Emos, immer der gleiche Kommentar, die gleiche Einstellung der uniformierten Umherstehenden.

Emo, das (lat.: heulus rummus langus) bezeichnet eine leider viel zu häufig anzutreffende Randgruppe heruntergekommener Teenager in schwarz-weiß. Diese verhaltensgestörten und realitätsfremden Geschöpfe schließen sich selbst von allem aus, da niemand Emos mag. (Stupidedia)

Dabei müßte es umgekehrt sein. Jedem noch ein Knutscher auf die Backe – für den Heimweg und weil’s so schön zum gugge war.

I love your Style

… auch wenn er Made by Primark ist