Geläutert


Ozonwerte steigen, nachts kann man nicht schlafen und morgens fühlt man sich wie der alte Herr vom dunklen Stern. Ihr wißt schon, der, der da immer herumschlurft und so komische Blitze aus seinen Händen summseln läßt. Der ist immer geladen. Hitzestau, dicke Wolkendecke im Kopf und dann kommen Myonen zu den Tauonen und es bizzelt und knistert zwischen seinen Rippen… und irgendwann donnert und blitzt es. Meistens wenn ein leptonisch veranlagtes, eigenbrötlerisches Irgendwas, so mir nichts dir nichts unverhofft, auf einer Harfe spielende mit den Worten „Hosianna“ des Weges schreitet. Dann hat es sich aushosiannat. Dann rappelt es im Gebälk oder auf der grünen Wiese. Einer bleibt dabei meistens auf der Strecke, manchmal auch alle Beide, manchmal auch die, die sich verwundert über den Krach die Augen reiben. Jene werden dann als Kollateralschaden in den Analen der psychologischen Kriegsführung gelistet. Je mehr Kollateralschaden, desto besser, da weniger Widerstand von dort aus für die kommenden Jahrzehnte zu erwarten ist.

Anno 1996, 2001 die 68er-Generation der Grünen bestimmte wo es langgeht. Ein Vorankommen mit antiquierten Weltanschauungsbildern dann nur schwer möglich ist. Waren es nicht die vor Ort, so waren es die aus Berlin, die den Ortlern die Entscheidungsgewalt abnahmen. Das ist auch durchaus im Sinne der hessischen Verfassung. Lief wer in Frankfurt mit den hessischen Schwarzgeldköfferchen herum? Nein, die in Wiesbaden waren es. Sind die Frankfurter für das Tun in Wiesbaden verantwortlich? Sicher doch, nennt sich „in Sippenhaft nehmen“.

Daniel Cohn-Bendit hat nicht erst seit gestern dafür plädiert, daß „die Grünen“ es mal mit den „Schwarzen“ versuchen sollen. Der Herr Fischer in Berlin immer strikt dagegen war. Doch neulich die neue Farbenlehre. Des Fischers Segen dazu kam aus Berlin.
Da reibt man sich ja schon verwundert die Augen und ruft: „Des glaubt mer ja net. Brauchen wir in Frankfurt christliches Gehabe, die Weihe am Main eines Fischers? Herr Fischer, mit Verlaub, wir leben im Jahre 2006, nicht mehr im Jahre 2001 und sind nun bei der letzten Strophe in der emanzipierten Neuauflage des Märchens angekommen.”

„Nun, was will er denn?“ fragte der Fisch.
„Ach”, sagte die Frau, „er will werden wie der liebe Gott.“
„Wie der liebe Gott? Geh’ nur hin, er sitzt schon wieder im alten Topf.“

Dort sitzen der Fischer und seine Frau bis auf den heutigen Tag.

Dieser Teil steht zwar noch aus, aber so wird’s laufen, denn: Märchenmund tut Wahrheit kund. Und eine Moral in dieser Geschicht’, gibt es nicht, oder doch?

Auch neue Töne „Der Grünen“, regionale Einsichten auf regionale Aussichten, zu hören sind. Als der Herr Fischer im Visa-Untersuchungsausschuß saß, sprach er zum Ausschuß: „Schreibens hin – Der Fischer ist schuldig“. Das kam beim Volk nicht sonderlich gut an, er fiel vom Sockel. Weltfremd er geworden ist, nicht anders wie Herr Kohl, sein größtes und schwergewichtigstes Feindbild in seiner 68er-Laufbahn, der große Gedächtnislücken aufzuweisen hatte, als man ihn zu unangenehmen Dingen befragte.

Bei Frau Jutta Ebeling, ebenfalls eine 68erIn der “Grünen” und seit kurzem Vize-Oberbürgermeisterin in Frankfurt, laß sich das heute morgen so:

2005 hat Ihnen die OB noch den Bereich Straßenreinigung entzogen.

Ich finde das völlig okay. Ich hatte das in den Sand gesetzt, ich hätte den Stadtverordnetenbeschluss einfach nicht umsetzen dürfen. Das weiß ich heute. Hinterher ist man immer schlauer.

Jetzt kam der Vorwurf von der SPD, Sie hätten damals einen Millionenschaden verursacht und würden dafür mit dem Amt der Bürgermeisterin belohnt.

Natürlich quält mich, dass die ganze Umweltpolitik, die ich gemacht habe, jetzt von der Kehrsatzung weggefegt wird. So wichtige Projekte wie die Verschönerung der Mainufer, die Sanierung des Palmengarten-Gesellschaftshauses, das neue Café Siesmayer, die Sanierung der Abfallverbrennungsanlage, gehen unter. Das finde ich schade. (Quelle: FR)

Ehrlichkeit währt am längsten. Aber bitte liebe Frau Ebeling, bitte aus diesen Fehlern lernen. Und nun schreiten Sie zur Tat und bringen endlich Frankfurt incl. Schulpolitik voran. Von schicken Grünanlagen am Main kann Freund Ali nicht seine Kinder ernähren. Und diese widerum haben wenig Gefallen an diesen Grünanlagen, wenn ihre Zunkuft nicht einmal mit “grüner Tinte” geschrieben wird. Diese Farbe wird noch im Volkes Mund mit “Hoffnung” verbunden. Sie haben viel zu tun. Und nicht unterwegs unser letztes Tafelsilber verscherbeln, nicht mal daran denken, sonst knistert es heftig im kaiserlichen Gebälk, wie bei dem alten Mann, der über dunkle Flure schlurft. Und Sie wissen ja als bayerische Staatsbürgerin, wie das dann endet:

Und so wartet noch heute die ehemalige Vize-Oberbürgermeisterin aus dem Frankenland vergeblich auf die göttlichen Eingebungen.

In diesem Sinne, S.i.T.

Tags: Daniel Cohn-Bendit, Die Grünen, Jutta Ebeling, Weltanschauung

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