Kochrezepte mit Apfelwein
Fürst Roland sprach zum Volke:
„Gehet in die Welt hinaus und verkündet: Äpfel sind kein Graus.
Lobet und preistet des Apfels Wein, und gebt ihm ein modern Design.“
Der hat’s se doch net mer all an de Erbs.
Sag’ ja, der sitzt nicht hessenfest im Sattel, aber von den Migranten 100 Antworten verlangen, wo er selbst in Heimatkunde kein Fettnäpfchen ausläßt und wahrscheinlich das Eingangsjahr in der hessischen Schule mindestens eine Wahlperiode lang wiederholen müßte.
Ein neues Design für den Apfelwein MUSS her und der Apfelwein MUSS in der Welt als hessisches Nationalgetränk bekannt werden. Dazu hat er die Äppelleutchen aus Hessen aufgefordert. Also nicht die Leutchen um Steve Jobs herum, sondern die, die die aus Phallobst (Wortspielerei) einen schönen Schoppe machen. Gesehen habe ich Fürst Roland aber noch nie mit’m Geripptes (spezielles Apfelweinglas) in der Hand – weder auf dem Presseball, noch auf dem „Ball des Sports“, noch bei der Eintracht, noch während der Fußball-WM. Also wenn ich Hessens Fürst wäre, also da würde ‘ne kleine Lastwagen mitfahren, müßte ich nach Berlin zum großen Rat.
Abgesehen davon; Fürst Rolands Ansinnen scheitert allerspätestens hinter Darmstadt, da wo sich Bensheim und Heppenheim hin und wieder schief anguggen. Die werden alles andere, nur nicht Phallobst gegen ihre Weintrauben eintauschen, ihre alte Tradition incl. der damit verbundenen Weinkönigin, wegen ein paar Äpfel die am Boden liegen über Bord werfen. Dies auch noch, weil Fürst Roland meint sich wieder zu irgendwas äußern zu müssen, wovon er keinen Plan hat. Warum sie den auch zur 1. Apfelweintagung eingeladen haben…
Man weiß doch, daß des ’nen Dummbabbler ist. Nicht nur das er, es ist noch gar nicht so lange her, den gesetzlichen Schutz der Streuobstwiesen aufheben wollte, was nur dank des Einsatzes der Umweltverbände ihm mißlang, obendrein ist nun auch bekannt geworden, daß das was aus hessischen Schulen kommt, man in der Pfeife rauchen kann - die Hesse kannst vergesse.
Hessen liegt im Bundesvergleich an vorletzter Stelle. Gleiches mit den Arbeitsmarktzahlen. Sogar Thüriingen liegt noch vor uns. Das ist das Koch’sche Ergebnis vom fleißigen regieren und sinnieren. Was will man da in Sachen Apfelwein verlangen.
Aber der Flughafen wird’s scho’ richten. Und dann noch drei Startbahnen und dann hat alles Arbeit. Und wenn’s mal ganz eng wird, wird Frankfurt zu einem Flughafen ausgebaut und dann gibt es keine Arbeitslosen mehr in der Bundesrepublik dank des ausgeklügelten Management von Fraport und hessischen Verwaltungsrat, wo der Fürst und die Seinen auch viele Stühle haben. Lacht nicht, so rechnet der Fürst.
Und überhaupt „modernes Design“. Die Stadt Frankfurt plant gerade mit 100derten von Millionen Euros hinterm Römer das „Alte Frankfurt“ aufleben zu lassen und da kommt der Fürst aus Wiesbaden mit ’nem iÄppler an. Da will man ganz laut rufen:
„Habbe mer schon. Gut’n Morsche seine Durchlaucht.“
Die Firma Possmann fährt mit der Kampagne „HappyHour auf Frankforterisch“ ein modernes Apfelweinbewußtsein auf. Abgestimmt auf die jungen Leut’. Und für’s alte Frankfurt gibt’s den Sachsehäuser, naturtrüb den „Schoppepetzer“ aus Hochstadt. Und dazwischen urige Kneipen, hin und wieder noch Selbstgekelterter mit viel Handkäs und Musik. Da ist kein Platz für ‘nen iÄppler aus Wiesbaden. Und bis Marburg kommt der Apfelwein auch nicht, denn da hinten beginnt das hessische Hinterland und die brauen Schnäpse. Nur hartes Zeug trinken die Leut’, weil da sind ja auch die Berge und da geht’s Richtung Ausland nach Westfalen. Da gibt es den Grenzgang, die Burschenschaft und der Eintritt in eine solche kostet ein Fäßchen… Bier. Das ist dort uralter Brauch, ist nix mit Apfelwein.
Also Fürst Roland – merken:
Äpfel für die Rhein-Main-Ebene, da ist es flach und da kullert auch kein gefallener Apfel nach Frankreich, denn jeder Apfel ist kostbar.
Trauben für die Bergstraße. Die pflücken sie von den Reben an den Hängen ab und das machen die schon ganz lange. Hessische Spätlese von der Bergstraße ist weit über Hessen hinaus bekannt.
„HardStuff“ für das hessische Bergvolk. Dort sind die Winter, wenn sie kommen, sehr hart und die Buderus-Hütten viel Schweiß und Kraft kosten - früher. Dort gibt es auch das deftigste Bauernfrühstück, das urigste Brot und dort wird die Grenze abgelaufen. Das örtliche Backhaus wird deswegen einmal in der Woche in Betrieb gesetzt und zu solchen Brauch braucht es Bier und “Appelkorn”. Selbstgebraut, nicht vom Supermarkt. Mit Apelwein ist da nix zu wollen.
Was war noch… ich glaube wir versetzen den Fürst, solange der Fürst noch regiert, mit samt seinen Regierungssitz nach Offenbach, weil dann kann Hessen singen:
Hurra, Hurra, der Fürst ist wieder da,
Hurra, Hurra, von Offebach am Maa
den Hund den läßt er laafe,
un den Staa den bind der aa,
ei er ist net von hier,
ist von Offebach am Maa…
…somit ist Hessen der Sippenhaft entgangen.

Der Link zum Stöffche Apfelwein Bild: annA Seibel /HfG Offenbach; mod. S.i.T.






