
Viele Mitbewerber
(Geschäftsführer der WAZ Mediengruppe, Bodo Hombach)
Diesen Satz von Bodo Hombach gab es am Mittwoch in Dortmund auf dem Kongress über die Zukunft des Lokaljournalismus im Internet-Zeitalter. Vielleicht sitzt wer von der Frankfurter Rundschau auch dort, bringt dann einiges mit was in Sachsenhausen ernsthaft erörtert wird. Ob wer von den anderen beiden Frankfurter Zeitungen ebenfalls dort ist, soll nun keine Rolle spielen. Ich möchte nun auch nicht die Geschichte der FR-Lokalredaktion wieder aufwärmen, in der Matthias Arning und Petra Mies die Hauptrolle spielen. Das es auch anders geht, zeigt die Berichterstattung in Sachen “Steuerfahnderaffäre” in der FR auf, die nicht nur Roland Koch bitter aufstößt. Diese Qualität auf 40 Seiten + Lokalteil… das wär’s.
Vor allem gilt für die FRankfurter Rundschau:
Schuster bleib bei deinen Leisten.
Man muß nicht auf jeden Zug springen, jeden Deckel mitnehmen, hoffen, irgendwie dadurch vorne dabei zu sein. Das geht sich nicht aus, im Gegenteil. Firefox 3.0 im Wirtschaftsteil auf Seite 1 und dann anfangen: Wer oder was ist Firefox? Wenn es in DE keine PC-Portale oder PC-Zeitschriften gäben würde, könnte man darüber hinwegsehen. Die Fachleute in Sachen Internet schlagen sowieso die Hände über den Kopf zusammen, aber zumindest die Frau Müller aus der Heisterstraße in Sachsenhausen weiß dann: “Das ist was für das Internet” und blättert gelangweilt weiter zu den Aktienkursen. Die Glaubwürdigkeit ist mit dieser Art Journalismus den Bach runter gegangen. Es springt einem regelrecht an, daß dort der Versuch gestartet wurde, auf irgendeinen Zug aufzuspringen, ohne vorher nachzudenken. Die Folge: Das Trittbrett wurde verfehlt.
Gleiches mit ihrem Web 2.0-Auftritt. Hauptsache ein Bildchen mit facebook und twitter in eine Ecke kleben, derweil das eigene lokale Portal vor die Hunde gegangen ist. Da aktivieren sie irgendwelche Schreiberlinge, die powern bis zum 31.12., Lokalredakteur Arning lädt zur Diskussion ein… die Monate kommen und gehen, mehr als ein Jahr vorbei, nicht eine Diskussionsantwort von Arning. Der hat sich dann wieder ausgeklinkt, abgemeldet, ohne ein Wort an die FR-Leser/Mitblogger zu richten…. und nun Feierabend. Der kann im Lokalteil nun erzählen wie er will, mit seinem Verhalten im lokalen FR-Portal hat er gezeigt, was von ihm als Leiter der Lokalredaktion zu halten ist. Das ist ein typischer Tischbabbler und das färbt auf die Redaktion natürlich ab. Seine Forderung bezüglich des linken Bürgervertreter im Römer hat den Vogel abgeschossen. Wenn Arning nun erzählt… laß’n babbeln, wenn’s dunkelt babbelt der nix mehr. Die Dichtungen bezüglich der weltweiten Beachtungen des Frankfurter FR-Forums, lasse ich wegen Bedeutungslosigkeit mal weg, denn schon in Darmstadt hat diesbezüglich keiner mehr aufgeschaut. Oder nur der Heiner. Man weiß so wenig.
Die Frage ist auch: Warum gehen sie keine inhaltlichen Kooperationen ein? Alles was mit Internet zu tun hat, statt ein (wischwasch) dpa-Text zu nehmen, mit heise kooperieren (als Beispiel). Statt mit Radio Bob rumschwänzeln – bis heute noch nix bei rumgekommen – das unabhängige Frankfurter Stadtradio benutzen, den Lokal-/Regionalteil dadurch stärken. Es geht über diese Schiene, wobei man hier genau schauen muß. Die FR will mit den großen mitspielen, hat aber auch einen Regionalteil. Der unterscheidet sich. Für die Frankfurter gibt es die F-Ausgabe, für Hessen drumherum die R-Ausgabe. Die R-Ausgabe konkurriert mit den eigentlichen Heimatblättern der Regionen. Zwei Seiten Darmstadt in der R-Ausgabe der FR können nicht mit dem Darmstädter Echo mithalten. Das bißchen Offenbach in der R-Ausgabe wird auch nicht die Offenbach Post in Bedrängnis bringen. Sowohl das Darmstädter Echo als auch die Offenbach Post wollen nicht Marktführer in Deutschland werden, tanzen deswegen auf vielen Hochzeiten. Der Schwerpunkt liegt auf dem Regionalteil, der für die Region wichtig ist, wo die genannten Zeitungen dominieren, wo auch ganz andere Einstellungen in der Bevölkerung anzutreffen sind, als in einer Stadt wie Frankfurt. In Frankfurt selbst hat die FR die FAZ und die FNP als Konkurrenten, letztere wiederum ebenfalls verschiedene Regionen abdeckt. Die FAZ führt weit vor der FR in den Abonnentenzahlen, Verkaufszahlen, auch im Internet steht die FAZ vor der FR.
Auch heute gab es in der FR wieder die Überschrift: Deutsche Musikmagazine suchen nach Konzepten für die Zukunft.
Es wird auch allerhöchste Zeit, denn das große Sterben begann im letzten Jahrtausend. Vor 15 Jahren hatte ein Promoter mindestens 20 Musikmagazine vor sich liegen. Dann ging es bergab. Das hat nur damals kaum einer mitbekommen. Auch die FR ist da verträumt und blauäugig in die neue Welt eingestiegen. Aber da lag schon alles auf dem Tisch, was nun kommen wird, was aber auch eine logische Konsequenz ist. Ich brauche nicht die FR um über “Air” etwas zu erfahren. Ich brauche nicht die FR um “sowiesoso” auf den Bildschirm zu bekommen, trotz des Hinweises bei der FR: “mit Video”, der Link dann zu YouTube führt. Strunzen mit fremden Inhalten – ganz großes FR-Medienmarkenkino. Ich brauche auch nicht den Musikexpress um über “Fall Out Boys” etwas in Erfahrung zu bringen. Das war früher anders. Da hat man seine drei Zeitungen gehabt, heute hat man das Internet. Der ganze Medienkomplex muß überdacht werden. Noch rettet Dieter Bohlen die letzte Seite der FR, irgendwann ist aber der Tratsch und Klatsch durch. Dann fragt sich der eine oder andere gewisse Dinge, rechnet sich die FR-Geschichte durch. Und wenn dann nix mehr bleibt… Stichwort: Investigativer Journalismus, von der FR ins Spiel gebracht.
Bill Gates hat zwar diesbezüglich gestern geklagt, daß nur noch eine Handvoll Leute kommen, wenn er einlädt, aber es müssen auch keine 100 Leute durch die Welt jetten, wenn dann überall das Gleiche steht. dpa reicht doch in dem angesprochenen Fall. An die Umwelt sollte man auch ein bißchen denken.
Die FR hat ihre Stärken und die muß sie konsequent durchziehen, von Seite 1 bis zur letzten Seite. Meine Mutter amüsiert sich immer, wenn ich meine FR zerpflücke – die gute Abteilung dahin zum lesen, der Rest weg…
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) sprach sich auf dieser Konferenz allerdings gegen eine Staatsfinanzierung von Tageszeitungen aus. “Journalismus muss unabhängig bleiben”, sagte er. (heise).
Das wäre es noch, die Schlafwandler mit Steuergelder betten. Soweit kommt es noch.
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