Mein Reich, der Schultheisweiher
Jedem sein kleines Reich.
Alles wird ausgegliedert, Fremdfirmen übernehmen städtische Aufgaben, da diese kostengünstiger sind und was dabei herauskommen kann, durfte ich gestern erleben. Tatort Schultheisweiher in Offenbach Bürgel.
Dieses Jahr darf dort nicht gebadet werden, weswegen die Stadt Offenbach dort einer Sicherheitsfirma den Auftrag gab, dort nach dem Rechten zu sehen. Bis in die frühe Nacht hinein sind dort 2-3 Angestellte der Firma auf Posten, schieben ihre Runden. Vor etwa drei Wochen fragte ich eine Mitarbeiterin der Firma für was sie hier zuständig sind, kam mir ein wenig seltsam vor. Darauf hin sie: “Wir müssen darauf hinweisen, daß hier nicht gebadet werden darf, wenn einer anstallten macht, sich ins Wasser zu begeben.” “Und wenn jene doch gehen?” Da hat sie mit den Schultern gezuckt. Habe ich ihr gesagt, daß wir nichts ins Wasser gehen, sie muß nicht nach uns schauen (war mit wem zusammen dort, Birthday-Apfelwein gepütschelt).
Gestern am Spätnachmittag, bin ich vom Mainufer aus kommend wieder dort mit dem Rad vorgefahren und erlebte dort, wie ein Mitarbeiter der Firma zwei Frauen des Feldes mit den Worten verwies: “Ich bestimme hier, wer hier sein darf. Wenn ich sage du gehst, dann gehst du. Hau ab.” Ich weiß nun nicht, warum diese Worte fielen, jedenfalls bin ich stehen geblieben. Dieser Mitarbeiter sprach in gebrochenen Deutsch und würde ich von der Herkunft Indien, Pakistan, diese Richtung. einordnen. Die Frau sprach besseres Deutsch, in einem Akzent den ich Osteuropa zuordnen würde. Ich habe noch gedacht, fahr’ weiter, gibt wieder nur Ärger, aber die Bremsen lockerten sich nicht, und so blieb ich mit dem Rad bei der kleinen Gruppe stehen. Die Frau widersprach ihm und ihm das Recht ab, daß er bestimme wer hier am See sein darf und wer nicht und meinte zum Abschluß ihrer Ausführung: “Wir sind hier nicht in der Türkei.” Der Stachel hat gesessen. Der Mann tickte aus, beschimpfte die Frau auf’s übelste, er sei kein Türke und sie soll nach Polen gehen, von hier abhauen, dabei wurde er ihr gegenüber handgreiflich. Ich versuche ja dann immer nett und auf flapsige Art der Situation eine humorvolle Variante mitzugeben. “Hallooo, ich bin auch da, ich habe ein ganz großes Problem nun.” Dreht sich der Mann zu mir herum: “Was willst du, geh weg, das geht dich nichts an.”
“Oh doch, das geht mich sehr wohl was an, du trittst unsere Verfassung mit Füßen. Dir gehört hier gar nix, nur das schwarze unter deinen Fingernägel, das darfst entsorgen, die Frauen nicht.”
Inzwischen kam eine Frau der Firma hinzu, um zu schlichten. Fing der Mann an die Tatsachen herumzudrehen, worauf ich meinte, das stimmt so nicht. Drauf hin wurde der Mann mir gegenüber handgreiflich, schob mich mit samt Fahrrad und den Worten “Hau ab” 10 Meter weiter - lasse ihn gewähren, kennen wir ja von zahlreichen Demos. Dann ging er wieder zurück. Ich stieg vom Rad ab, begab mich zu ihrem kleinen Häuschen (früher waren dort die DLRG-Leute, Bademeister, heute der Stützpunkt der Sicherheitsfirma). Nach 10 Minuten etwa kam der Mann mit der Frau zurück, und fragte was ich hier wolle. Ich wendete mich an die Frau, die gut deutsch sprach, und sagte zu ihr: “Eure Kompetenzen habt ihr heute weit überschritten. Ihr Mitarbeiter ist dieser Aufgabe nicht gewachsen, für nächtlichen Gebäudeschutz ohne Personenberührung bestenfalls geeignet. Der Vorfall geht nach Offenbach an die Stadt.” Der Mann meinte, ihm passiert nix. Er hat hier das Recht zu entscheiden. Die Frau wollte noch etwas sagen, schnitt ich ihr das Wort ab: “Sparen Sie sich Ihre Ausführungen und wenn ihr Mitarbeiter mit einem Leistenbruch vor ihnen liegt, erklären sie ihm dann, er sei selber schuld, da er doch keine polizeilichen Aufgaben wahrnehmen darf, sie hätten nachgelesen, obwohl er mit Eifer dabei ist. Das ist eine Warnung.”
Ich habe mich dann auf’s Rad gesetzt, sie stehen gelassen und mein Plätzchen auf der Wiese gesucht.
Ich muß auch dazu sagen, dieser Mann scheint das schwarze Schaf der Truppe zu sein. Ich bin ja öfters dort und was ich bisher gesehen habe von den Mitarbeitern der Sicherheitsfirma, ist völlig in Ordnung. Sie sind nett zu den Leuten, schieben fleißig ihre Runden - man kennt sich eben.
Nun ist ein Brief an die Stadt Offenbach unterwegs, mit der Bitte, auf die Sicherheitsfirma einzuwirken, daß Mitarbeiter der Firma ihr kleines Reich anderswo aufbauen sollen. Bürgel gehört, obwohl zu Offenbach zählend, auch zur Bundesrepublik. Der Aufgabenbereich mit Publikumsverkehr sollte verantwortungsvolle Mitarbeiter anvertraut werden, nicht kleinen Diktatoren die ein kleines Reich errichten wollen - für eine Nacht, einen Abend.
Verfaßt unter…
Zeit: 50 Min.
Getränke: Kaffee
Verzehr: Butterkekse
Musik: Philip Glass: Symphony No.5 || Dead Can Dance - Into The Labyrinth
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Nachtrag 18:00 Uhr: Mein Schreiben an die Stadt Offenbach hat ein AZ.-Zeichen bekommen und wurde an das zuständige Amt weitergeleitet.






