Rolls-Royce aus Bangladesh
Ich muß wieder weiter ausholen…
Nach Taras Versteck hatten wir, Peter und ich, noch den Quest „Hängender Grenzstein – Münzencache“ gemacht. Und dort steht als Einleitung:
Traut euch jetzt auf der Grenze ca. 65 Meter in die wahrscheinlichste Richtung zu gehen. (Keine Angst, es gibt weder Grenzer, Selbstschußanlagen noch einen Schießbefehl, höchsten Hundekacke - das aber nicht zu knapp).
Von wegen… „es gibt keine Grenzer“… Das halte ich ja für ein Gerücht. Ein Pole mit Schrottlastwägelchen aus Frankfurt bestimmt auch, falls er auch auf Schatzsuche geht, Geocaching betreibt und von diesem Quest Wind bekommen sollte. Ist ja verlockend, so ein Kistchen Kleingeld. Aber ohne Kompaß keine Kartoffeln.
Jedenfalls Stadtgrenze Frankfurt – Offenbach. Schrottlastwägelchen setzt Blinker nach rechts, Richtung Isenburgring. Das war so ein Schrottlastwägelchen, wo auf der Autobahn – Beispiel Kasseler Berge - jeder LKW-Fahrer ins Lenkrad beißt, wenn er an einem Überholverbotsschild vorbeifährt und er sieht da am Berg vor sich ein kleines qualmendes Irgendwas rumschleichen.
Sehr weit ist er nicht gekommen, das Schrottlastwägelchen, da durfte er wieder Blinker setzen und rechts ranfahren. Die Grenzer aus Offenbach wollten doch mal sich das Gefährt aus Frankfurt anschauen, was da sehr abenteuerlich seine Ladung (Schrott) verstaut hatte und auch sonst so nicht gerade vertrauenswürdig wirkte. Pole stieg aus, wild gestikulierend… Vielleicht war er von der Deutsche Annington, die schicken ja auch Gärtner von Leipzig aus mit polnischem Akzent plus Wägelchen nach Frankfurt Rasen mähen… Ich bin dann weiter, weil ich ein Fahrrad dabei hatte, was so einen Grenzer aus Offenbach bestimmt auch nicht so dolle gefällt. Ist ja auch schon über 2 Jahrzehnte alt. Auf dem hat Vater mal seinen Absturz an Vatertag erlebt – Schlüsselbeinbruch.
Und mit diesem Rad bin ich letzte Woche Donnerstag über 40 Kilometer gefahren. Ein Bekannter mit mir, besser gesagt, ich mit ihm. Er hatte so eine moderne Tretmaschine, zig Gänge und all so ‘ne Späße daran. Als „Rolls-Royce aus Bangladesh“ bezeichnete er mein Vehikel, da es drei Gänge vorzuweißen hatte. Um 10 Uhr die Nacht sind wir heimgekommen, ich war fix und fertig und habe ihm gesteckt, mit mir nicht mehr. Der „Rolls-Royce aus Bangladesh“ ist etwas für den Grüngürtel oder das Mainufer, aber nicht für so eine Tour quer durch den Wald, über Schotter, Wurzel, Stämme… Hat er gemeint, er bringt mir ein Rad mit, schenkt er mir, hat noch zwei Räder zu hause. Dachte ja, babbel mal und fahr’ alleine… nee, heute hat er es gebracht. Schickes Teil, auch zig Gänge, gescheite Reifen, Rücklauf… Dann sind wir wieder losgefahren… und ich habe ihn platt gemacht mit meinem Bangladesh-Tritt. Bei so einem ollen Rad muß man schon treten um Land zu sehen. Und dann das moderne Rad… der hat kein Land mehr geseh’n
Ging nur noch klack… klack… grrrrrrr… klack…
Der war nur am Schalten, Gänge suchen. Am Isenburger Bahnhof, Unterführung, wieder hoch, habe ich ihn in der Kurve überholt, gemeint, ob er absteigen will.
Wir waren dann hinter Walldorf, da war er fix und alle. Diabolisch würde ich fahren. Sag ich, nee, das ist Mann aus Bangladesh. Berghoch war immer das Highlight, so über Brücken und so, war ich schon oben, er weit hinten…
klack… klack… grrrrrrr… klack…
Und ich fühle mich noch recht gut, gegenüber Donnerstag, als es die Tour mit dem Rolls-Royce aus Bangladesh gab. Bei dieser Mühle, das Licht, das war irgendwie… Bangladesh. War ja mehr ein wirres, unverständliches Lichtsignal, als denn eine Wegausleuchtung im dunkeln – Vater kommt heim, setz’ den Reis auf. Und bei dem Rad ist der Dynamo eingebaut. Nicht mehr außen am Rad, nagt den Reifen ab, was ich schon immer bemängelte. Muß man erst weit nach 2007 stampfen, um das zu erleben.
Jedenfalls war mein Bekannter vorhin froh, als sich unsere Wege trennten, er heim fahren konnte.
klack… klack… grrrrrrr… klack…
Langsam ist er davon gefahren. Tja, gegen so einen Tritt aus Bangladesh ist so schnell kein Kraut gewachsen.
[Link: Karte Frankfurt/Offenbach und südl. Umgebung)
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