Souvenirs
Wäre heute am frühen Mittag ja bald zum Hirsch geworden, hätte Schaf und Rind nachgeeifert und mich unter den Lockführer geschmissen, der das Zügelchen fuhr in dem ich drin saß. Ich pack die Rundschau aus – nur 68er-Geschreibsel. Jede Seite bald. Das war für einige wieder der innere Reichsparteitag - ei Guude wie? - konnten sie sich mal richtig austoben und nun dürfen’s im Bronski-Club hin- und herschwelgen. 100pro, daß das Thema (wieder) aufgetischt wird. Das große Fressen - Teil 178.
Da im Museum am Römerberg ist ja auch eine Ausstellung. Das muß voll der Zuschauermagnet sein, Karten müssen drei Monate im Voraus bestellt werden. So mal eben hingehen, ist nicht. Einzig erfreuliche in der FR heute, das Beste vielleicht was die 68er-Schmiede hervorgebracht hat, war ein Interview mit Daniel Cohn-Bendit. Ich hoffe ja, daß die im Bronski-Club es ebenso gelesen haben, wenn nicht sollten sie es tun und vielleicht ihre braunen Gepflogenheiten im roten Tarnanzug überdenken. Der gute Dany jagt niemanden weg, sperrt auch niemanden ein, macht alle mundtot, die nicht seine Fahne tragen. Kann man nachlesen. Sollten die Leutchen lesen, die da im Bronski-Club das linke Lager vertreten - ob mit Judenstern oder nicht. Man muß aber dazusagen, die FR und Bronski sind ihrem Geschrei, der Aufforderung die Kürzel rü mundtot zu machen, nicht nachgekommen – trotz der schweren Beweislage. Da hat irgendwer gelesen, die Nazis benutzen eine Symbolsprache und deswegen sind sogar Graffitis eine verkappte Nazibotschaft. Das große A im Kreis bedeutet „lang lebe Adolf“. So in diesem Stil. Davon ist Daniel natürlich weit entfernt, sag ja, das Beste aus dem 68er Schmelztiegel.
Und da blättert man fassungslos von einer Seite zur nächsten, da haut es einen bald aus den Sitzen – ohne Vollbremsung. Die FR geht mit dem verschnarchten hr (Hessischer Rundfunk) ein Tächtelmächtel ein. Das ist ja so der absolute FR-Gau. „Gib mir das Gefühl zurück“, die 68er mit dem Hessischen Rundfunk und der Frankfurter Rundschau. Und das Ganze mit DJ Matthias. Boahhhh. Eh Alter, du, geht voll ab. Lan, gebe korreckt, gebe hundertfuchzig. Nur dumm, daß die Konstabler gesäubert wurde.
Kennt wer den DJ? Natürlich niemand. Waren sie bestimmt in der Wetterau, haben wen von der Runkelroiweroppmaschin runtergezerrt und der muß nun auflegen bzw. Knöpfchen drücken. Unten am Mainufer in Offenbach sind se aber schon weiter – schon lange. „La Boom“ die Fete geht weiter, nun mit den 60ern. Und Uschi war auch schon in Offenbach. Gut‘n Morsche von der FR… na, besser spät als nie, gelle? Und wie man sich bettet, so liegt man.
Wenn sie ja wenigstens noch Werner Reinke oder Thomas Koschwitz genommen hätten… aber die waren nie bei hr1. Die kennt niemand da, denn die Beiden waren für die Hitparade zuständig, die aber auch nur ein Aufguß von WDR2 war. Und hr1 war Schlager, Freddy Quinn, Wenke Myhre… knallrotes Gummiboot und so… WDR2 durfte man nicht verpassen, den hr konnte und kann man ruhig verpennen, in die Stadt gehen, oder noch eine Runde bolzen – 100 Jugendliche können nicht irren.
Und das mit dem DJ erzählt ja auch, was die 68er wirklich sind. Ein lahmer, verschlafener Haufen, der gerne von früher erzählt, weil sie heute mit nix mehr klarkommen. Deswegen schreiben die auch bei Bronski viel, trauen sich nicht vor die Haustüre, weil niemand von ihnen Notiz nimmt, ihr sonnenapostolisches Geschwafel der Welt auf die Senkel geht. Welt hat andere Sorgen…
Und es ist ja nur gut, daß der heutige Tag nicht mit der FR endete. Ich habe heute Nachmittag Apfelwein für morgen geholt, und was glaubt ihr wen ich getroffen habe? Eine alte Sachsenhäuserin aus dem Rheinland, 74 Jahre alt, verkauft nebenher ein wenig Apfelwein und erzählt so nebenbei die dollsten Geschichten aus Sachsenhausen. Wenn die Touristen wüßten
. Hat die gute Frau mir ein Geripptes geschenkt, eine Stofftasche und den Stuttgartern soll ich ausrichten, des Stöffche wäre gut, des könnt ihr trinken. Ich habe ihr nämlich erzählt, wie gut der Apfelwein aus dem Kanonesteppel ist und daß ich mit dem naturtrübe Schoppepetzer eingegangen bin. Sauer Gurkenbrühe – für Stuttgart. Damit gibt es keine Pluspunkte für Frankfurt von den Stuttgartern. Und wir brauchen jeden Punkt, wenn wir schon nicht mit dem Amsterdamer Flughafen gleichziehen können. Der Frankfurter Flughafen hängt nämlich gewaltig dem Amsterdamer Airport hinterher, deswegen Fraport City entstehen soll. Als ob wer, der von Zürich nach Volendam will, in Frankfurt aussteigt, weil Fraport City so schön ist, und den Rest mit der Bahn AG zurücklegt. Auch so eine 68er Logik. Die haben alle was am Koffer…
Euch ein schönen 1. Mai, wo auch immer. Ein Beitrag kommt noch, ist aber nur ein Bildchen. Mehr ist dann nicht für heute, außer dem anderen auf anderer Wellenlänge.
PS: Und ich bleibe dabei – Oldies but Goldies nur aus Amsterdam, begleitet und kommentiert von Amstidammi. Wenn, dann richtig und mit Volendamer Zungenschlag.
Verfaßt unter…
Zeit: 60 min.
Getränke: Spezi (nur ein Schlückchen Apfelwein… probieren)
Verzehr: —
Musik: Ballistic Brothers - Rude System
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