Stehcafé “Deutsches Eck”


Das “Deutsche Eck” findet man im Gallus (Frankfurt/Main). Nicht offiziell als Kneipe oder Café getarnt, sondern inoffiziell in einem von der Eurozone betriebenen “Stehcafé” nahe den Adlerwerken, die noch in der Hand der Deutschen Bahn AG sind. “Noch” deswegen, weil ja ein Türmchen (Campanile) am Hauptbahnhof gebaut werden soll und dann alle Eisenbahner dort ein Zimmerchen bekommen sollen - fast alle. Und seit einiger Zeit sieht man im Gallus allabendlich eine kleine Volksbewegung durch die Straßen ziehen. Besonderes Kennzeichen der Bewegung - Kopftücher und kaum ein Brocken Deutsch auf den Lippen. Der geneigte Leser weiß nun von wem die Rede ist. Im “Deutschen Eck” schaut man ihnen kopfschüttelnd hinterher. “Ihr liebe Leut’, licht - und arbeitsscheues Gesindel!”, so der O-Ton einer Bewohnerin aus dem Gallus im Stehcafé, somit die Einordnung der Beteiligten an der Bewegung in diese Gesellschaft abgeschlossen ist. “Wir Deutsche sind ja doof, lassen jeden rein der zwei Beine hat” so der Herr neben der Dame. Wer sich sucht, der findet sich auch.

Das erinnert an China, wo laut Kommentar eines Reporters auch alles gegessen wird, was vier Beine hat, von Stuhl und Tisch abgesehen. Und weil ich nun im Gallus nicht mehr täglich bin um alles gespannt verfolgen zu können - ein Stadtteil wächst mit den Worten der Oberbürgermeisterin - habe ich die Stadthalter des deutschen Ecks mal gefragt, wo die Leute hingehen. “Die beten…” Und weil ich nun weiß, daß da keine Moschee ist, nachgefragt und dann zu hören bekommen, daß dort ein Keller ist, der als Gebetsraum fungiert. Dann kam gleich der Hinweis, man sollte doch das Kellerloch, wenn alle darin versammelt sind, zumauern, und dann ist Ruh’.
So ist das im multikulturellen Frankfurt, was gerne als bestes Beispiel für ein gelungenes Zusammenleben herhalten muß. Das deckt sich ungefähr mit dem, was “Pew Global Attitudes Projectveröffentlichte. Und wenn man da ein wenig blättert, kommt auch zutage, daß man z.B. in der Türkei als Christ schon gar nichts zu lachen hat, man sogar noch 20% mehr Feindschaft in der Bevölkerung antrifft, als hierzulande den Muslimen gereicht wird. Hier sind wir bei knapp 50% - Tendenz fallend. Das ist doch erfreulich, oder nicht? Abert so unter uns gesagt, diese Woche war auf 3Sat ein 30 Jahre alter Film zu sehen, Thema: Ausländer in Deutschland. Und was dort als Fazit dem Zuschauer gereicht wurde, was passiert, wenn nicht… ist eingetroffen. Also, was seit 30 Jahren hierzulande Politik und Volk weiß, hat man 30 Jahre lang bestens ignoriert. Und heute steht das Deutsche Eck im Gallus da herum und wetzt die Messer - sinnbildlich.
Mit dem was die Türken in ihrem Land so treiben, akzeptieren, bin ich auch nicht einverstanden, aber deswegen fahre ich da auch nicht hin, mache schon gar kein Urlaub da. Und deswegen haben die ja auch in der EU nix zu suchen, Glaube hin, Glaube her, solange es dort es nur ein Recht gibt, solange sollen’s zuhause bleiben. Können ja mit Saudi-Arabien ein Bündnis machen, gibt ja auch noch andere Länder die gerne eine Gemeinschaft betreiben wollen. Aber deswegen müssen die Muslime ja hierzulande nicht im Keller beten. Laufen tun sie sowieso durch die Straßen, da können sie auch in einen für sie würdiges Gotteshaus gehen und beten. Selbst die kath. Kirche hat sich für die Religionsfreiheit mit den dazugehörenden Moscheen ausgesprochen.

Das “Deutsche Eck” im Gallus tut aber immer nur so national, obwohl schon ein bißchen Mißtrauen mitredet. Den Nachzüglerinnen, zwei Mädels mit Kopftuch, habe ich ungewollt mit meiner Fülligkeit den Weg versperrt - stand mit dem Fahrrad am Stehcafé (auf dem Bürgersteig). Und der ältere Herr alter Schule dann: “Würdest du mal den Damen Platz machen, bist nicht alleine in Frankfurt, du Stoffel.” Die Mädels haben gegrinst, ich mein Rad beiseite geschoben, mich entschuldigt. Und dann merkte der ältere Herr an, daß das aber hübsche Mädels sind, ob das nichts für mich wäre. So ist das “Deutsche Eck”. Anschließend waren die wahren Feinde ausgemacht, die Kommunisten an der Reihe, denn die haben im Gallus eine kleine Zentrale eingerichtet, singen Kommunistenlieder bis spät in die Nacht, aber haben noch nie den Kommunismus erlebt, so ein Gallusbewohner aus dem Osten der Republik (ehemalige DDR) im Stehcafé, der kein gutes Haar an den Kommunisten ließ und breite Zustimmung bekam. Das Ende habe ich dann nicht mehr mitbekommen, ob wer noch ausgemacht wurde, der so nun nicht in das Frankfurter Konzept des Stecafé paßt.
Mit der Abendsonne im Rücken bin ich dann Richtung Homebase aufgebrochen und auffallend war, daß viele Mädels gestern freundlichen Blickes einem begegnet sind. Das lag bestimmt an der Sonne, der Gewißheit, daß der Frühling noch ein Weilchen hin ist und mann/frau noch mitnehmen will, was man mitnehmen kann, denn die tristen grauen Tage sind nicht mehr weit.


Verfaßt unter…
Zeit: knapp 1 Std.
Getränke: Kaffee
Verzehr: Butterkekse
Musik: V.A. Earth Vol. 2

Tags: Ausländer, Fahrrad, Frankfurt, Gallus, Schokoladentauschbörse, Schule

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