Stoßzeiten


Stoßzeiten gibt es auch im Rotlichtviertel. Mittagszeit = Pausenzeit = Stoßzeit. Und die Überbrückungszeit ist auch eine Stoßzeit. 16′00h ist Feierabend, 16′28h fährt der Zug; reicht noch um noch einmal Treppen zu steigen, weil am Ziel angekommen, der heimische Garten wartet. Der will besprenkelt werden, die Kinder wollen den Zuspruch am Abend; eine andere Stoßzeit ist dann angesagt - bis 22′30h. Aber die Stoßzeiten im Regionalverkehr haben einen Nachteil: Mann und Frau wird zum Tier, der Kampf um die Sitzplätze im öffentlichen Nahverkehr entbrennt täglich auf’s Neue. Und begehrt sind die Plätze mind. drei Reihen vom Bambler entfernt; denn der sägt ganze Wälder ab; mit Knopf im Ohr.

Und weil das alles sowieso(so) kaum bis wenig Spaß macht, die Motivation schon in der Früh gen Keller sinkt, hat der RMV beschlossen, die Preise für den Nahverkehr in den Stoßzeiten zu erhöhen und das nicht wenig. Der Grund ist, wie schon angedeutet, die Entzerrung der geballten Frustreise zur Arbeit. Statt sich um die Sitzplätze zu prügeln, weil der RMV und die beiteiligte Bahn, statt sechs nur vier Wagen losschickt, einfach drei Stunden später zur Arbeit fahren. Da fährt die E-Lok der Baureihe 111 auch mit vier Wägelchen in Fulda ab, aber bis Frankfurt ist der Zug nur zu 30% besetzt, gleiches bei der Linie 16. Und das muß umgeschichtet werden, deswegen wird der Berufspendler bzw. jene die zum Frühschoppen unterwegs sind, durch einen geschickten Geldbeutelschachzug umerzogen, die 9′00h Reisemöglichkeiten zu benutzen. Dies ist billiger und vor allem - RMV-Sitzplatzgarantie.

“Wir müssen versuchen, unsere Busse und Bahnen gleichmäßiger auszulasten, denn in der Hauptverkehrszeit sei der Aufwand, die erforderlichen Busse und Bahnen sowie das Personal bereitzustellen, besonders hoch - und damit auch die entstehenden Kosten.” (Sparmann/ RMV)

Also liebe Gewerkschaften, mal moderate Arbeitsbeginnzeiten aushandeln. Der Herr Sparmann (jeder findet seine 1822) scheint irgendwie nicht mitbekommen zu haben, daß nicht überall Gleitzeit ist. Also, wenn der halbe Regionalexpress, der um 6′00h in Fulda abfährt, unterwegs nicht zusteigt, weil um 9′00h auch ein Zug fährt und die Kosten obendrein günstiger sind, dann hat die AG Ffm ein Problem, um den eh schon geschundenen reibungslosen Betriebsablauf aufrecht zu erhalten. Sprechzeiten von 8´00h an sind dann nicht mehr. Die Einwohnerzahl Frankfurts läuft in Frankfurt ein um zu arbeiten, nicht um zu schoppen, und dank des Sparmanns Stoßzeitenregelung, frißt die ausgeklügelte RMV-Logik die gerade ausgehandelte Lohnerhöung wieder auf. Und im Nachbarhaus die Mainova scharrt schon ungeduldig mit den Hufen. Da ist auch noch was vom Januar offen.

Das paßt zu dem Bild, daß Frankfurts Ausgliederungsmaßnahmen in Sachen ehemalige städtische Betriebe hergibt. Ob ehemalige städtiche Busfahrer oder Küchenpersonal, so kanpp über Hartz IV ist mehr als genug. Wundert es dann, daß nicht mal polnische Erntearbeiter hierzulande bei den Bauernhöfen vorsprechen, da die Gutsherren zu wenig Lohn bezahlen? Also, wenn die Polen schon nicht mal mehr kommen…

Vielleicht sollte mal eine Woche ganz Hessen sich anderswertig umschauen und nach gutdüngen zur Arbeit gehen. So in Wiesbaden den Herrn Koch verhungern lassen, schon in Eschborn muß ihm der Schweiß aus den Poren treten. Alle in Sippenhaft nehmen und zw. 12′30h und 14′00h heimgehen, wie jeder will und nach Blick in den Geldbeutel/die Lohntüte kann - oder Treppensteigen im Bahnhofsviertel. Um 14′00h kommt da nämlich die Spätschicht - Stoßzeit bis Mitternacht auf VB.

Tags: RMV, Rotlichtviertel, Stoßzeiten

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