Vive le Tram
Frankfurt ist die kleinste Metropole Europas oder der Welt, laut den Stadtoberen und der Oberbürgermeisterin, weswegen ja der Flughafen, koste es was es wolle, auf Weltniveau erhalten werden muß. Ich pflege ja gerne zu sagen: Frankfurt ist ein Dorf mit Straßenbahn. Dies weiß man auch gerne über Kassel zu berichten, aber auf Frankfurt trifft dies eher zu, wenn man unser Städtchen in einem Atemzug mit Paris, London und New York aufzählt. Und Paris holt nun auf.
Die haben nämlich nun auch eine Straßenbahn. 60 Jahre ohne Trambahn und nun, nun bimmelt sie durch die Straßen von Paris, damit Paris dem Verkehsinfarkt entgeht. Obendrein sind diese oberirdischen Elektrischen voll im Trend. Und was macht Frankfurt? Frankfurt dünnt das Tramnetz aus. Noch gar nicht so lange her, da wollten die Stadtoberen komplette Linien streichen. Sind aber die Frankfurter böse geworden. Jetzt versuchen sie es durch das Hintertürchen, so lange ausdünnen bis niemand mehr fährt und dann streichen. Neulich haben sie die Linien 21 und 11 umgeleitet für zwei Wochen. Da wo sonst nur morgens und abends in jeweils eine Richtung etwas fuhr, also Arbeitsbeginn Richtung Griesheim/Höchst, Arbeitsende Richtung Innenstadt, war plötzlich Ganztagsbetrieb und die Tram beförderte die Menschen rund um die Adlerwerke. Dann war wieder Regelbetrieb, also wieder nur morgens/abends jeweils eine Richtung, und ein langes „Schade“ war zu hören. Die Leute fahren gerne Tram. Ist ja auch viel schöner als unterirdisch durch Röhren befördert zu werden oder mit Bussen.
Das die Offenbacher ewige Provinz bleiben, sich nicht mal mehr mit der Frankfurter Straßenbahn schmücken können, haben sie sich selber zuzuschreiben. Die wollten nämlich nicht mehr die Linie 16 haben, die bis in die Offenbacher Innenstadt fuhr. Die Linie 16 endet nun an der Stadtgrenze, die Straßenbahnschienen sind mit Oberleitung mittlerweile entfernt und ab da beginnt die tiefste Provinz. Wie auf’m Land steht man dann im Regen, wenn man auf den Offenbacher Bus an der Stadtgrenze wartet. So etwas tut sich ja kein Frankfurter freiwillig an, weswegen nur noch verwirrte Köpfe bis zur Stadtgrenze fahren und auf den Bus warten. Dem Offenbacher Einzelhandel entgeht nun so mancher Frankfurter Euro der nun brav nach Sachsenhausen mit der Tram befördert wird. Getreu dem Motto: Bleibe im Städtchen und verteile redlich.
Mittlerweile tuckern aber in Frankfurt drei Straßenbahnmodelle. Von einer einheitlichen Straßenbahnflotte kann da nicht die Rede sein. Die Linie 14 z.B. die hat immer noch den „Sport ist Mord“-Einstieg für alte Leute, Mütter mit Kinder. Weil aber die Linie 14 nicht durch touristisch erschlossenes Gebiet fährt, müssen die alten Leute wahrscheinlich noch paar Jährchen Klimmzüge veranstalten, Rollstuhlfahrer weiterhin ihre Oberarme trainieren, um von Louisa zum Schweizer Platz zu kommen. Bei der Linie 16 war das nie das Problem. Die fährt am Hauptbahnhof vorbei Richtung Messe, was touristisch einer Prestigelinie gleichkommt. Würde Frankfurt so einen schicken Zug aus Paris geschenkt bekommen, der würde bestimmt die Zahl 16 tragen. Die Linie 16 steht aber in harter Konkurrenz mit der Linie 11, die am Hauptbahnhof und am Römer, dem Sitz der Frankfurter Oberbürgermeisterin, vorbeifährt. Jedenfalls würden die Stadtoberen schön gucken, wenn da so eine Pariser Tram fahren würde. Das ist doch ein Prachtstück von Straßenbahn, was da nun in Paris fährt. Die Frankfurter Straßenbahnen sind da mehr so der Nintendo-Mario-Kiste entsprungen. Vom futuristischen Design kann man da nicht reden. Eher von einem knubbeligen Kaugummiautomaten. Da hat der alte Äppelwoi-Express (ganz alte Straßenbahn aus den 60ern) aber noch mehr Charme, obendrein auch für alte Leute leicht zugänglich gegenüber der Linie 14, die dann beim Äppler gemütlich/genüßlich in alten Zeiten schwelgen können. Naja, hauptsache wir haben noch ne Tram. Man kann sich ja mal ein Frühstück in Paris bei Michelle leisten und ‘ne Runde mit der neuen Tram fahren. Und vielleicht singen die Pariser auch mal, wie die Leut’ in München:
„Im Wagen von der Linie 8 …“
„Bitte in die Mitte geh’n …
„Weiß-blau gestreift fährt durch die Stadt…“
[Nachtrag 20.12.07] Mittlerweile fahren auch Niederflurbahnen Richtung Louisa. Behinderte und alte Leute können nun auch Straßenbahn fahren, ohne Klimmzüge und anderes zu veranstalten.
Tags: Design, Offenbach, Paris, Römer, Stadtgrenze, Straßenbahn






