1244 Beiträge? What. The. Fuck.


Abdullah stöhnt auf. Inzwischen sind es 1442 Beiträge, die eine Meldung nach sich zieht. Der Bundestagsabgeordnete Lutz Heilmann (Die Linke) hat gegen Wikipedia.de eine einstweilige Verfügung erwirkt, weil seiner Ansicht nach es mit der Wahrheit dort nicht so genau genommen wird. Deswegen liegt wikipedia.de darnieder, während um die Ecke herum alles wie gehabt zu lesen ist. “it’s a long road” (Groove Garden 11 #12) mag man Lutz Heilmann als Knopf-im-Ohr-Musikuntermalung auflegen, denn irgendwie ist er falsch gelaufen, hat gedacht der kürzeste Weg ist der erfolgsversprechende.

Ich weiß nun nicht wie andere Welt Wikipedia aufruft, aber mein Firefox hat da so ein searchplugin und das hat die Straße Richtung de.wirkipedia.org, weswegen die einstweilige Verfügung gegen wikipedia.de nicht viel hilft. Das ändert aber generell nichts am Problem, daß Wikipedia hier und da immer wieder die Spielwiese der Definition von Wahrheit und Unwahrheit wird. Es ist natürlich auch nicht einfach für die Betreiber und sie haben auch schon einiges getan in dieser Hinsicht, damit dort nicht Hinz und Kunz sein Meinugswissen als Standardwerk für die Welt hinterläßt. Man muß sich auch nur die 1400 Kommentare anschauen um zu wissen, daß unkontrolliertes Meinungswissen eine Diktatur der anderen Art immer nach sich zieht. Das ist nicht nur bei heise so.

Das Meinungs- oder auch Stimmungsauffangbecken in der medialen Welt ist heute nicht mehr wegzudenken, und je nach Umfeld füttere ich meine Anhänger zielgerecht mit den Aufhängern. Wenn ich Platz für fünf Melungen habe und mir dann die Meldungen rausfische die meiner eigenen Ausrichtung ziemlich nahe stehen, darf ich auf regen Zuspruch hoffen. Bei der FAZ steht pro Koch immer ganz vorne, dies hatte man bei den SPD-Abweichlern schön verfolgen können. Gegenstimmen so gut wie keine. Bei der FR hielt sich das so die Waage, Tendenz anfangs mehr in Richtung gegen die vier Abweichler. Die FR ist aber allgemein zu wenig links, weswegen es dort immer wieder Stoßseufzer gibt, daß die FR versucht die bürgerliche Mitte zu bedienen, nicht mehr links außen läuft, denn ganz früher war die FR ganz links außen anzutreffen - nach Meinung der ganz linken Gelegenheitsleser. Dem widerspricht aber z.B. Bronski. Aber beide Medien verbreiten nun nicht die Unwahrheit. Es ist lediglich eine bestimmte Ausleuchtung eines Blickwinkels.

Das Bild ändert sich allerdings wenn das Volk die Tastatur bedient, sein Wertebefinden dazusteuert. Fernpsychologische Gutachten vom Wohnzimmer/Hinterzimmer aus sind dann an der Tagesordnung. In manchen Fällen wird die Meinung eines anderen als die eigene verkauft. Man zitiert eine Wortmeldung von einem Autor, der irgendwo im Bücherregal steht oder begibt sich Richtung Wikipedia, past&copy - und das ist dann die meinungsbringende Wahrheit aus eigener Feder. Die Meinungsträger - nichts anderes sind sie - haben so gesehen keine eigene Meinung, aber mit Heinrich Bölls Federkiel (Beispiel) ist es besser zu laufen, denn Kleider machen Leute - augenscheinlich. Man darf jenen aber nur nicht auf die Scherpe treten, auch nicht ausversehen, denn von nun an geht’s bergab. Und die Meinung die man trägt, ist natürlich auch noch 50 Jahre nach Veröffentlichung der Wahrheits letzter Schluß, ob sich das Umfeld in den 50 Jahren geändert hat oder nicht.

Es gibt einige meinugsbildene Plattenbauwohnungen im weiten Web. Und ich hätte keine Probleme 1400 Kommentare auf heise mit einem Klick zu löschen. Die FAZ hat lediglich nur 24 Kommentare zu der Schließung wikipedia.de aufzuweißen, die FR allerdings keinen (Artikel z.Zt. nicht erreichbar). Aber selbst die kleine Anzahl zeigt auf, es wird brutalstmöglich mit einer abgesägten Schrotflinte um sich geschossen. Nicht die Türkei wie auf heise wird herangezogen, sondern China. Der Menschheit würde man eher einen Gefallen tun diese Beiträge nach einer kurzen Zeitspanne zu löschen - es reicht ja wenn Google sie hat -, als wenn man diese für immer und ewig aufhebt.

Die Wahrheit ist dabei meißtens der Verlierer, und was ich gestern meinte, gilt heute sowieso(so) nicht mehr, begründe ich notfalls nun mit meinem Gewissen und ist generell alle Achtung wert, vor allem kein Grund von dem Befinder oder auch Gutachter, der die Meinung mit mir teilt, hinterfragt zu werden. Dies gllt natürlich dann nicht mehr, wen dem anders ist und die Meinungen auseinandergehen. Manchmal ist aber auch die Wahrheit der Sieger. Die Oberstaatsanwaltschaft Frankfurt war bis heute noch nicht bei mir vorstellig geworden, obwohl dies auf heftiges Betreiben einiger aus dem FR-Meinungsumfeld angestrebt wurde. Ihre Meinung, die nicht von der Redaktion der FR unterstützt wurde, die eine wahrheitsbringenden Meinungsdiktatur darstellt, war und ist nur ihre Meinung, nicht das was sie gerne hätten - eine neue Ordnung in der meinungsbringenden Wertewelt der Bundesrepublik Deutschland.

Euch einen schönen Sonntag, cu rü


Verfaßt unter…
Zeit: ca. 90 Min.
Getränke: Kaffee
Verzehr: — (gleich ;) )
Musik: Groove Garden 11

Tags: Beiträge, Bronski, Content, Datenschrott, FAZ, FR, Leser, Meinungswissen, plugin, Werte

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Ein Kommentar zu “1244 Beiträge? What. The. Fuck.”

  1. Nemoflow


    Freitag, 21.November 2008 13:28
    Gravatar of Nemoflow 1

    …muß das Moosmutzelchen doch mal schmulen, ob mein delphischer Lieblings-Herold hier noch “con tutto il cuore” und sentenziös am rummümmeln ist. Ahh, Licht brennt noch - gut so.

    Staubige Grüße, Rudi Ment

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