20 Sekunden Abenteuer
… verschenkt Pro7. Quasi eine Gute-Nacht-Geschichte, denn wenn die Leute zu Bett gehen, fängt ProSieben an zu erzählen. Schöner Groove, Frau im Weichzeichner und nun weiß ich nicht weiter. Weiß nun echt nicht, ob man da nun eine Teletextseite aufrufen soll oder wie ARD und ZDF schon gebetsmühleartig hinter jeder Nachricht vermerken: Weitere Indormationen finden Sie auf unserer Internetseite. Dabei soll ja die Information im Radio/Fernsehen erfolgen, nicht im Internet. Muttern hat kein Internet, bekommt statt dessen 90 Minuten Hansi Hinterseer serviert, und dadurch werden ihr wertvolle Informationen für gewisse Lebensaspekte vorenthalten, was sie gar nicht toll findet.
Mir schenkt hingegen ProSieben 20 Sekunden. Ich habe ja erst gedacht, als ich das zum ersten Mal wahr nahm, es kommt nun schöne Musik, aber waren nur 20 Sekunden. Die Zielgruppe sind einsame Männerherzen. Und davon muß es eine ganze Menge geben und zwar nicht so alte Knacker, sondern junge Grashüpfer, eben die Zielgruppe von ProSieben. Dazu paßt auch heute die Meldung der Frankfurter Rundschau: “Setzen! 6!” (Titel) und “Selbstbefriedigung vor der WebCam” (Seite 5). Was dann folgt ist so das Who’s’Who im Internet, das 20 Sekunden Abenteuer nach der Barbie-Puppe - mit 13. Ich weiger mich ja immer noch irgendwie zu glauben, daß solche Studien ein Spiegelbild der Jugend sind, obwohl hinten an die Zweifler meinen: Täusch’ dich mal nicht.
Das ist wie mit den Mangas. Zwei Filme rechtfertigen “Save the Manga”, aber mit diesen zwei Filmen kommen 98 Schmuddelmangas, wo z.B. in den letzten 20 Sekunden aus dem fünfjährigen Mädchen, die so allerlei Zeichnerphantasien ausleben darf, ein Roboterspielzeug der Aliens wird. Nimmt man in Kauf, da zwei Filme wirklich gute Manga-Zeichenkunst sind. Leider gibt es zu wenige davon. Hinzu kommt, daß, anhand dieses Beispieles, Jugend ja selten von den wirklich vernünfigen Filmen etwas erzählt bekommt. Muß man schon ganz gezielt fragen und es gibt auch Leute, die dann ganz viel erzählen, wie im Firefox-Land, somit das Bild ein wenig revidieren. Für die Masse bleibt eine fragwürdige Mangakultur zw. dicken Dingern und Omas letzten Zuckungen - mit und ohne Handy.
Anhand der Studie und den brutalstmöglichen Umgangsformen unterienander ist da auch kaum noch Platz für Ästhetik. Die 20 Sekunden Abenteuer von ProSieben locken wohl niemand aus den Büschen raus. Dazu braucht es nur einen Blick nach rechts und links in die einschlägigen Videoportale, wo es kostenlos den Offenbarungseid jeder Generation gibt. Billiger und trashiger geht’s nimmer. Eher was zum wegschauen, als denn als Einladung, als Appetizer wirkend. Phantasielose 20 Sekunden - Gigabyteweise.
Früher waren es die Neckarwiesen und anstatt die Zigartte danach, “tötet Becker” an der Hauswand mit anschließender Bücherverbrennung (Heidelberg). Die heute mit verklärten Blick gereichten 68er, die uns heute in den gesellschaftlichen Abgrund schubsen, stehen dafür. Und was die Geschichte mit den 13jährigen in der Studie angeht… früher wurde darüber eisern geschwiegen, aber das klimpernde Kleingeld in der Hosentasche des 68er vor dem Zaun der Schulen, hat etwas anderes erzählt.
Ich glaube nicht, daß die Jugend generell auf so einem billigen Trip ist, obwohl die andere Stimme nicht leiser werden will. Randerscheinungen gibt es immer, mal mehr, mal weniger. Und das Internet erzählt nun mal die Summe eines Teiles. Wenn man nicht woanders hingeht und dort schaut, oder es erzählt bekommt, bleiben Magas schmuddelige Andeutungen zw. billige Kunst und Kinderpornographie.
Der Jugend kann ich nur raten - wenn, dann mit Nivau vor der Kamera und je anspruchsvoller das Niveau, desto besser das Endprodukt. Ihr seid es euch doch wert, oder nicht?
Link: Selbstbefriedigung vor der Webcam von Jana Schulze (FR)
Link: Hessens Frust von Pitt von Bebenburg (FR)
Verfaßt unter…
Getränke: Tee (schwarz)
Verzehr: Wurst-/Käsebrötchen mit Gurken aus Berlin
Musik: nix
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