Eine Stimme für Afrika


Heiligendamm oder nicht doch besser Scheinheiligendamm? Besser Scheinheiligendamm, kommt diese Wortspielerei der Wahrheit doch erheblich näher, als das was sich im Vorfeld an Zielen beim G8-Treffen in Heiligendamm abzeichnet. Denn wollen tun sie ein Wochenende alle, nur machen tun sie das ganze Jahr über nichts – und das schon seit Jahren. Sowohl hüben auf der politischen Seite, als auch drüben, der Seite der Globalisierungsgegner. Es interessiert die wenigsten, was im Mittelpunkt steht – Afrika.
Von diesem Wochenende einmal abgesehen.

Und schaut man sich die Gesichter jener an, die sich da in Deutschland treffen, um globale Ziele zu definieren, so weiß man: „The Show must go on.“ Ein Georg W. Bush interessiert Afrika nicht, von den Ölfeldern in der arabischen Welt einmal abgesehen. Wladimir Putin ist gerade dabei die UdSSR wieder aufleben zu lassen, Nicolas Sarkozy hat verkündet, wer nicht mit Frankreich ist, ist gegen Frankreich, sein Machtapparat in der Wirtschaft und der Medienwelt mal ausgeklammert. Shinizo Abe aus Japan… Japan respektiert nicht einmal die Kultur seiner letzten Ureinwohner. Dann Afrika, wo doch um die Ecke das japanische Reich von allen Seiten bedroht wird? Tony Blair läuft mit Georg W. Bush, gegen Europa. Bleibt noch Angela Merkel, Stephan Harper und Romano Prodi. Deutschland, Kanada und Italien.

Romano Prodi stand jahrelang an der Spitze Europas, jenes Europa das sich gegenüber dem afrikanischen Markt abschottet und den afrikanischen Markt mit europäischen Produkten überschwemmt. Wie schon anderswo erzählt – solange europäisches Fleisch billiger als das von heimischer Bauern angeboten wird, solange wird Afrika nicht auf die Füße kommen. An Perversion ist diese Politik schon nicht mehr zu überbieten. Und das passiert tagtäglich, liebe G8-Gipfelgegner. Solange deutsche Firmen den afrikanischen Wald abholzen dürfen, weil mit einem korrupten Regime gemeinsame Sache gemacht wird, der heimische Afrikaner dagegen erschossen wird, weil er sich einen Baum für ein kleines Kanu holen will, damit er fischen kann, solange sind Bekundungen für Afrika Sprechblasen einer verlogenen Gesellschaft. Auch unsere Bundeskanzlerin mit dem Regierungsapparat hinter sich interessiert Afrika recht wenig. Nicht einmal die Entwicklungshilfe wurde an die bisherigen G8-Gipfelempfehlungen aufgestockt.

Beim Supermarkt frische Tomaten, lockend rot und billig. Doch diese Tomaten werden auf Kosten von Afrika in hiesige Supermarktregale gebracht. Europäische Firmen verseuchen afrikanische Erde, so daß nicht mal mehr ein Fisch genießbar ist, und in ihrer Not wandern die Väter und Söhne der afrikanischen Familien aus – nach Europa, um ihre Familien ernähren zu können. Und was erwartet sie in Europa? Sie werden in die Illegalität getrieben, arbeiten unter versklavten, menschenunwürdigen Bedingungen für einen Hungerlohn 12 Stunden am Tag. Leben und schlafen in Baracken, die hierzulande als Abrißobjekt geführt werden, vielleicht noch einem Obdachlosen für eine trockene Nachte reichen. Gesundes Trinkwasser müssen sie sich stehlen, ihnen wird erlaubt aus einer verseuchten Kloake sich das nötige Wasser zu nehmen. Gelbsucht und andere Krankheiten sind die Folge, doch kein Arzt weit und breit… sie haben keine Kultur, so ihre europäischen Arbeitgeber, sind Menschen die weggeworfen werden, können sie nicht 12 Std. am Tag für europäische Tomaten buckeln. Interessiert das wen in den politischen Führungsetagen Europas? Bei den G8-Gegnern? Und erhebt sich jemand, prangert dies an, dann wird gedroht, sich aufgebauscht, denn schließlich steht das Wohl eines Landes auf dem Spiel. Das ist das wahre Gesicht Europas, nur ein kleiner Auszug was wirklich ist.

So gesehen ist das was auf allen Seiten aufgefahren wird, viel Rauch um etwas, was man nicht wirklich will, nämlich ein Afrika zu wissen, was selbstbewußt als eine Stimme in der Weltgemeinschaft auftreten kann. Afrika kann aber nicht, weil Europa es ausbluten wird, damit rote Tomaten ganz billig, auch im Winter, in deutsche Supermarktregale kommen können. Sinngemäß. Und es interessiert auch nicht jene, die nun aufbrechen um gegen den G8-Gipfel zu demonstrieren. Gestern gegen Studiengebühren, heute gegen G8 und die restlichen 360 Tage im Jahr? Wie in Paris Autos anzünden wollen, aber nicht einen Schritt für ein gerechtes funktionierendes Schulsystem laufen (z.B.). Dabei zahlt jeder Lehrling für seine Ausbildung, dies nicht wenig und das sei nur mal am Rande erwähnt.
Und dabei wissen wir doch auch alle, daß die Globalisierung nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Es geht einzig darum, daß es Chancengleichheit im Wettbewerb untereinander gibt. Hierzulande wissen wir doch wie es ausgeht. Ostdeutsche „Wanderarbeiter“ haben im Westen die Löhne kaputt gemacht. Es rechnet sich für eine ausländische Wohnungsbaugesellschaft in ihren subventionierten Zweigstellen im Osten, einen Kastenwagen auf vier Rädern mit Kennzeichen „L“ nach Frankfurt zu schicken, um die Grünanlagen ihre Mieteinheiten in Frankfurt „pflegen“ zu lassen. Und letztens waren es sogar Polen, sind somit die ostdeutschen Wanderarbeiter aus Kostenersparnisgründen gestrichen worden. Und diese Praxis ist hierzulande gang und gäbe – gebilligt von den Regierungen hierzulande. Jemand von den G8-Gegnern gesichtet worden? Aus der linken autonomen Szene irgendwie ein Rundschreiben zum Aufruf einer Demonstration aufgetaucht? Wenn es daheim in Europa nicht klappt, wie soll es dann mit Afrika funktionieren, wo dann die Auswirkungen für uns in Europa doch um einiges „gravierender“ wären?

Aber es gibt ja auch jene, die wirklich etwas verbessern wollen, die aufzeigen, Leute, da läuft etwas falsch. Kleine Gemeinschaften, Gruppen die dann auch vor Ort sind, um Verbesserungen zu erreichen. Sowohl hier, als auch in Afrika. Und das nicht erst seit Herbert Grönemeyer und Bono sich dafür einsetzen. Mr. Virgin (Richard Branson) ist in Afrika vor Ort, um die 0%-Tolleranz in Sachen Aids in den relevanten Stellen durchzusetzen, der Knoblauchheilung das Wasser abzugraben. Und selbst dort vor Ort, bei den Firmen, hat er es schwer den Leuten begreiflich zu machen: Aids ist nicht tolerierbar. 0% Toleranz. Wir können etwas tun, haben die Möglichkeiten, tun wir es.

Leute wie Richard Branson, Herbert Grönemeyer und auch Bono sind wichtig, um Afrika hierzulande ein Stimme zu geben, die wir auch verstehen. Keine politischen Phrasen, ausgelutschte Statements, sondern den afrikanischen Finger auf die weiße europäische Weste legen.

Aber um ein Herz für diesen Kontinent schlagen zu lassen, muß man nicht immer ausgemergelte Kinderbäuche zeigen. Solche Aktionen dienen vielleicht dazu, um für heute oder den morgigen Sonntag das vielleicht aufkommende schlechte Gewissen zu beruhigen, um dann im kirchlichen Klingelbeutel etwas zu hinterlassen, ohne zu hinterfragen, was die eigene Kirche eigentlich für Afrika tut.

Beschäftigt man sich mit Afrika, entdeckt man auch sich selbst. Diese Erfahrung durfte ich machen als Paul Simon mit dem Album „Graceland“ aufwartete (1986). Die Serengeti mit Prof. Dr. Bernhard Grzimek habe ich da verlassen und geschaut: Was ist Afrika, außer einer Giraffenshiolette mit Sonnenuntergang?

Für Euch habe ich einen kleinen musikalischen Auszug aus „Hommage á Noir“ mitgebracht. Ein Film von Ralf Schmerberg, mit der Musik von Ralf Hildenbeutel. Premiere war 1996 in Bornheim und ist eine Liebeserklärung an Afrika aus Frankfurt. Dies ist leider der FR damals entgangen, die gestern Afrika eine große Stimme gab. Will nicht meckern und der FR an dieser Stelle ein „Danke“ sagen.

  Komplett gibt es „Hommage á Noir“ in „FFM.live“ am kommenden Mittwoch ab ca. 23’00h, ohne Eingriffe meinerseits. ;) Afrika aus Frankfurt pur, quasi als Einstimmung zum „Tanz der Kulturen” (mehr dazu am WE im Kalender).

Euch ein schönes Wochenende.

Tags: Afrika, Baum, Europa, Tomaten

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