Der Herr gibt, der Herr nimmt
Der zivilisierte Mensch hat schon eine sehr abenteuerliche Vorstellungskraft über das was zwischen ihm und dem was er nicht verstehen kann, steht. Und was außerhalb seines kleinen Horizints anzutreffen ist, wird auf den kleinsten menschlichen Nenner zusammengestrichen und als gegeben hingestellt. Und je nach Lage seines Befinden, wird dann das, was er stets als zivilisierte Moral, als religiöses Weltvermächtnis Gottes zu erklären versucht, mal so und mal so ausgelegt. Als Spitzenvertreter dieser Praxis sind hierzulande die Christen bestens bekannt. Der Herr gibt, der Herr nimmt.
Das durfte man diese Tage im Jahre 2008 nach dem ersten Schrei des Herrn wieder erleben. Ein homosexuelles Paar bekam nach der standesamtliches Eheschließung vom Wetzlarer Bezirksdekan Peter Kollas den Segen Gottes. Der Segen war noch nicht bis in den letzen Zipfel der Seele der beiden glücklichen Menschen angekommen, da war er schon wieder nichtig, schlug hohe Wellen der Empörung. Der Bezirksdekan wurde seines Amtes von Bischofs Tebartz-van Elst (Limburg/Lahn) enthoben. Offizielle Stelungnahme seitens des hohen katholischen Hauses: Es soll nicht der Eindruck erweckt werden, die kath. Kirche tolleriert solche Gemeinschaften, setzt sie mit der Ehe gleich. Das Vertrauensverhältnis ist nun zutiefst erschüttert. Der Bezirksdekan mußte zum Rapport und verkündete hernach, daß es ihm sehr leid tut, er nicht wußte, daß dies solche Wellen verursacht. Wahrscheinlich versprach er dem Bischhof in die Hand unter 1000 Bücklingen, daß er dies nie wieder tun werde. Und der Bischhof schrieb ihm wahrscheinlich ganz vorne in sein Gebetsbuch/Gesangsbuch:
Du darfst Panzer segnen, Steine, Hunde, Katzen, eine Rakete - aber keine homusexuellen Lebensgemeinschaften.
Nun frage ich mich ja immer, wie Mensch so blöd sein kann, sich einzubilden, daß so ein hergelaufenes Irgendwas ermächtig ist, nach seinem Weltbild was nach Gutdüng zusammengezimmert wurde, Gottes Segen zu erteilen. Gottes Segen gibt es unter jedem Baum, für jeden, dazu braucht es niemanden auf zwei Beinen. Warum überhaupt noch diesem Verein als Mitglied zugehörend? Wer mich tritt, den fütter ich doch nicht. Und selbst Gottes Sohn - Jesus - wandte sich der Randzone der damaligen Gesellschaft zu und sprach zu seinen Jüngern: Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein. Auch das sind Gottes Kinder.
So sprach er, steht in jedem Buch der Christen. Nur gilt das ja nach Auslegung der Gelehrten jener Glaubensrichtung nur in bestimmten Fällen. In diesem Fall der komosexuellen Lebensgemeinschaft auf keinen Fall. Bei der evangelischen Glaubensrichtung ist man da geteilter Meinung. In Hessen-Nassau darf der Segen von den Berufenen an eine homosexuelle Lebensgemeinschaft übergegeben werden. In anderen Landstrichen im Reiche der Deutschen nicht.
Dann gibt es die Geschichte, wo das Oberhaupt der katholischen Kirche über 10 Jahre brauchte, sich bei den Opfern und deren Eltern für das Verhalten der pädophilen Glaubensvertreter jener Glaubensrichtung - es waren nicht wenige - zu entschuldigen. Es gibt auch die Geschichte jenes Glaubenshauses, wo ein pädophiler Glaubensvertreter wieder in Amt und Würde kam, den Segen Gottes erhielt, die Lehre der Christen, gemäß der eigenen Auslegung wieder zu verbreiten. “Sah ein Knab’ ein Röslein steh’n” - Der Herr gibt, der Herr nimmt.
Daß diese krankhafte Lehre des Christentums nicht ohne Spuren bleibt, kann man in Frankfurt-Hausen erleben. Wenn es nach den Verfassern einiger E-Mails geht, nach nicht wenigen christlichen Glaubenshüter vor Ort, ist dort bald Bürgerkrieg. Der Bau der Moschee treibt die Islamisierung Deutschlands voran, weswegen nun Schluß mit lustig und dem Islam ist. Daß die Leute schon in der dritten Generation hier sind, wird ausgeklammert. Sie dürfen im Kellerloch ihren Teppich ausbreiten, aber keine Moschee bauen - wg. der Islamisierung.
Zugegeben, der Islam, zumindest deren Glaubensverbreiter die das Wort Mohameds verkünden, drehen sich auch alles zurecht wie sie es brauchen. Und wer hat im “Bündnis gegen Rechts” gefehlt, als die Nazis in Hausen aufmarschierten, dem Islam die braune Brust zeigte? Die islamischen Glaubensbrüder. Dabei ging es um ihr Gotteshaus, nicht um ein Christliches. Und auch die Muslime haben eine ausgeprägte Doppelmoral. Es gilt die Ehre der Familie, es gilt das Wort Mohameds, Homosexualität als Sünde. Und wo findet man den Muslime zwischen Moscheegang und dem Sein als Verfechter der Familienwerte? In einer Klappe am Guckloch stehend, in einem Gay-Portal verkündend: Auf der Suche nach normalen Menschen.
Die Normalität findet man wahrscheinlich nur sitzend unter einem Baum - außerhalb einer Glaubensgemeinschaft, wo Geschichten um Geschichten entstehen, die ferne Betrachtung um den Tanz der Lemminge der Alltag ist. Und wenn die ersten Häuser in Hausen brennen, die ersten Toten beweint werden, der erste Pfarrer für sein Vergehen blutüberströmt unter des Knaben Bettes aufgefunden wird, das Kreuz hinter ihm ins selbige gefallen ist, kann man dann ins Blattwerk aufschauen und murmeln:
Der Herr gibt, der Herr nimmt.
Link: Der Wetzlarer Sündenfall (Süddeutsche)
Verfaßt unter…
Zeit: 40 Min.
Getränke: Kaffee mit viel Milch
Verzehr: Honigpops
Musik: Pete Namlook & Klaus Schulze - Dark Side of the Moog III
Lust zu stöbern?







Freitag, 22.August 2008 19:06Ein weiterer Beweis, dass Vertreter der Amtskirche nicht immer Christen sind! (Kein Smiley hier, dafür ist das Thema zu Ernst.)
Samstag, 23.August 2008 00:04Dieses Thema ist eines der am meisten diskutiertesten in der Kirche! Und ich spreche von beiden christlichen Kirchen.
Wenn man sich die Geschichte in der Bibel anschaut stellt man bei manchen Sachen fest, das es eine ewige Gegenhaltung gegen Homosexualität besteht.
Man beruft sich unter anderem auf ein Gesetze das im Levitikus zu lesen ist:
Und von dem christlichem Gott her ist halt die Gemeinschaft nur zwischen Mann und Frau angedacht.
Und hier steht nichts von wegen Mann und Mann / Frau und Frau.
Aber letztendlich ist es eine persönliche Entscheidung eines jeden Würdeträgers wie er es handhabt. Hier ums Eck gibt es eine katholische Gemeinde die einen Queergottesdienst, feiert. Was mich ziemlich verwundert hat, das ausgerechnet in einer katholischen Kirche sowas statt findet.
In diesem Fall antworte ich so wie es der Rü gechrieben hat:
Aber in diesem Kontext ergänze ich immer mit dem hier:
Jetzt kann man sich aussuchen ob die Homosexualität eine Sünde ist und man sie einfach nicht mehr ausleben darf. Schweres Thema. Aber wenn Jesus einen Menschen nicht verdammt, dann will ich das auch nicht machen!!!
EOF
Samstag, 23.August 2008 10:38Ich muß nun vorausschicken, daß ich kein bibelfestes Wesen bin. Was bei mir so kleben geblieben ist, ist aus Kindheitstagen, die in einem streng katholischen Umfeld abliefen. Hat ihnen aber nicht geholfen - Revolution
Das mit den Geschichten ist ja immer so eine Sache. Die Verfasser der Texte schreiben nicht unbedingt das nieder, was als Wort gereicht wurde bzw. was die Wirklichkeit war. Keiner der Hauptdarsteller schrieb zeitnah die Worte Gottes für die Nachwelt nieder. Und es wurde nie als Gesamtwerk verfaßt, einzelne „Seiten“ wurden aus dem Griechischen übersetzt.
Und gemäß der Fall heute wäre der Herr hinabgestiegen, hätte erzählt, morgen würde geschrieben stehen: Und liegst du als Manne beim Manne, so ist es ein Greul. Davon hat der Herr aber nix erzählt, aber das ist die offizielle gesellschaftliche Politik. Und so war das früher auch. Es kann nicht etwas geben, was nicht sein darf. Also schreibt man es nieder, einfach dazu. Ob nun zeitnah oder 500 Jahre später.
Die andere Sache, wie lange ist Jesus mit seinen Jüngern da herumgelaufen? Die hatten nicht jeder ein Zelt, und die lagen auch sehr nah beieinander, die Wüste ist nachts nicht gerade ein Pullerofen. Es gibt eine Handvoll Nachterzählungen aus wievielen Jahren des gemeinsamen Wanderns?
Aber gut, es heißt auch in der Luther-Bibel:
Nun frage ich dich, kann eine homosexuelle Lebensgemeinschaft Sünde sein, wenn ein aus Fleisches Lust entstandene Greul den Segen des Stellvertreter Gottes bekommt? Ist ein Verbreiter des Wortes Gottes anderen Regeln unterworfen? Ein Knabenschänder, jene die ihn schützen, ihn segnen für seine Tat, erzählt mir von der Kanzel herab was Sünde ist, was Gottes Gebot ist?
Allen Homosexuellen Lebensgemeinschaften gehört der Segen Gottes.
Mann liegt bei Mann, Frau liegt bei Frau, und beide nicht sowohl bei Mann und Frau. Greul wäre dann der Familienvater der nach Feierabend die Klappen im Hauptbahnhof aufsucht und anschließend mit dem Zug heimfährt, der Frau ein Küßchen gibt und erzählt, wie toll sein Tag doch war. Er liegt sowohl bei Mann und Frau.
Soviel Sünde können homusexuelle Lebensgemeinschaften gar nicht anhäufen, wie jene die angeblich reines Fleisches sind.
Ein Trost ist ja, daß da geschrieben steht:
Wisset ihr nicht, daß die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden?Sie mögen auf Erden wandeln auf dem Pfad des erpreßten Goldes, aber an der Pforte ins Himmelreich werden sie vergebens klopfen.
Sollen sich mal nur nicht einbilden, sie kommen in den Himmel. Tief hinab geht’s, wo sie im Sumpf der Sünde harren und wo alle drei Minuten wer mit der Sense kommt. Dann heißt es den Kopf einziehen für sie.
Montag, 25.August 2008 00:55Ich sage mal, dass all die Würdenträger die jahrelang Kinder missbraucht und den Segen anderen Personen zugesprochen haben nicht unbedingt die idealen Vorbilde sind. Ein Perverser bleibt ein Perverser egal ob er eine Kutte trägt, ein Talar oder ein anderes Amt hat. Ebenso gehören für mich diejenigen dazu die Bomben segnen, Mafiabosse die Absolution erteilen und stillschweigend das tolerieren was sie tun UND ihre Riten unterstützen, Missionare die um ihrer Willen in fremde Länder gehen, umherziehen und im Namen Gottes wirken um Geld zu verdienen um es zu behalten, Spendeneinsammeln um ihre eigenen Konten zu füllen, und leider sehr viele andere mehr.
Ich wage es nicht ein Urteil drüber zu bilden wer in den Himmel kommt und wer nicht. Das kann ich nicht und das will ich nicht. Und ich vermute mal KEIN Mensch auf Erden kann das! Weil folgendes gilt:
Und wenn ich sexuelle Ethik bewerte wird meine ebenso bewertet und das will ich lieber nicht.
Aber Themawechsel:
Wenn es nach der Überlieferung der Bibel geht gibt es einen Freischein. Der Glaube an Jesus reicht.
Punkt. Kein Wenn und kein Aber. So der klassische Weg.
Aber da sind doch noch ein paar weitere Regeln, die man noch ansehen muss. Und ich meine nicht das man regelmäßig in die Kirche gehen soll oder andere Dinge. Weisheiten die für mich als Mensch sinnvoll sind und nach denen ich leben soll. Unter anderem dieses hier: Man soll nicht ständig den alten Trott weiter machen. Ein Beispiel hierfür (Johannes 8,3-11):
Jesus steht da und es kommen Männer die eine Frau beim Ehebruch erwischt haben. Sie soll gesteinigt werden. Jesus steht da und schreibt in die Erde. Jetzt bringt er den bekannten Satz: Wer von euch ohne Sünde ist werfe den ersten Stein. Und eigentlich dürfte Jesus nur werfen aber er macht das nicht. All die Schriftgelehrten und Pharisäer stehen da und gehen weil sie selber sündhaft sind. Ihre Sünde ist genau so schwerwiegend wie die der jungen Frau. Und hier sagt dann Jesus wieder “So verdamme ich dich auch nicht; geh hin und sündige hinfort nicht mehr.”
Ende vom Lied. Keine Verurteilung obwohl sie nach dem mosaischem Gesetz etwas verbrochen hat was die Steinigung gerechtfertigt hätte.
Aber gelten diese Regeln immernoch? Also muss man sich die Frage stellen ist es immernoch ein Greuel wenn ein Mann bei einem Mann liegt?
Wenn man sich den Text genau anschaut könnte man vermuten das die Pharisäer und Schriftgelehrte Wache gehalten haben und abwarteten bis die Frau den Ehebruch beging. Aber vielleicht hätte ein Wort von ihnen im Vorfeld etwas bewirkt, das es gar nicht so weit kam?
Zum Nachdenken: Ich spreche nicht nur der Frau die alleinige Schuld zu. Der Mann hat wohl genau so viel Verantwortung wie die Frau und sollte eigentlich auch mit gesteinigt werden. Aber leider ist von ihm nicht die Rede. Aber genug.
Ein Ziel eines jeden Christen ist es Jesus ähnlicher zu werden und ich weiß nicht wie Jesus heute reagieren würde, wenn er hier leben würde. Ich könnte nicht sagen wie er auf Homosexuelle oder die niemalsendenden Kriege reagieren würde, was er zur Kirche von heute sagt und was er zu uns Christen sprechen würde.
Ich will nur noch einen Schlußatz bringen. Es geht hier nicht darum die Menschen zu verurteilen, sondern die Tat. Und das ist es was seit ein paar Jahren in der Kirchengeschichte durchdiskutiert wird:
“Ist homosexualität eine Sünde?” Schlußsatz. Ende. Ergebnisse wenn ich sie gefunden habe lass ich euch zukommen.
EOF
Montag, 25.August 2008 13:07Aber hinter jeder Tat stehen Menschen. Und wenn man sich den Artikel in der SZ durchließt, so kann ich nur anfügen: Gebt ihnen allen Segen der Welt. Es ist ja kein hath. Trauung, eben der Segen Gottes, daß ihre Gemeinschaft von Übel verschont bleibt - ich schreib’s mal so. Wenn Priester Panzer segnen - ein Panzer ist ein Ding, ein lebloses Irgendwas, ein von Menschenhand geschaffenes Teufelswerk - dann doch erst Recht die Menschen, oder nicht? Ich kann so etwas nicht verstehen, ist eher pervers in meinen Augen.
Wenn die Kirche sagt, Homosexualität ist Sünde, dann gilt es erst recht unter ihnen. Ein Prister der sich an Schutzbefohlenen vergreift, mögen sie auch 16 oder 17 Jahre alt sein, die Tat mit beiderseitigem Einverständnis geschehen, müßte nach dem Sündenkatalog aus seinem Amt sofort entfernt werden. Es ist Sünde, Homosexualität ist Sünde. Das gilt für mich, wie für den Priester, für den Bischhof in Wien, den Kardinal wie für alle anderen auch (Link). Und wenn ich dann aber anfange nicht die Tat sondern den Mensch dahinter zu katalogisiere - Priester und andere aus eigenen Reihen dürfen, die zwei aus Wetzlar nicht - dann ist da aber was oberfaul an und in der Institution.
Deswegen kann man dann hergehen und ihnen den Rücken zukehren, ihnen die Freundschaft aufkündigen - was schert mich denen ihr doppelmoralisches Sündengeschwätz. Der Vorteil liegt dann auch auf der Hand, ich trage den Herrn immer noch mit mir herum, nur der Zugriff auf meine Seele ist dieser fragwürdigen Institution für alle Zeit verwehrt. Alles andere diskutiere ich dann mit dem Herrn unter seinem Baum oder später dann an der Himmelspforte, wenn diese nicht schon der Baum ist.
Nachteil dieser Vorgehensweise: Ich habe gefälligst die Klappe zu halten, wenn der Papst die Teufelsaustreibung manifestiert, die Homosexuellen verdammt. Gehöre ja nicht seinem Verein an und mir ist erlaubt, über ihn hinwegzusteigen, wenn er im Staube vor mir liegt. Er ist nicht mehr, nicht weniger wie ein anderer auch.