17.05. (§175)

Heute ist International Day Against Homophobia – IDAHO. Ein Tag, der an die Menschenrechte für Lesben und Schwule erinnert. In der Bundesrepublik sind diese vom Gesetzgeber auch jenen zugesichert (noch nicht sehr lange) – in der Gesellschaft sind diese aber noch lange nicht angekommen. Auch die Politik versteht es immer wieder, obwohl es in ihren Reihen reichlich schwule und lesbische Politiker gibt, jene Gruppen in unserer Gesellschaft das Leben zu erschweren – und das nicht mal leise, gar wenig.

Ich habe hier in diesem Blog hin und wieder darüber berichtet, welch schleichende Diskriminierung sich in unserer Gesellschaft gegeüber den Schwulen und Lesben ausbreitet. Auch die Frankfurter Rundschau berichtet in schöner Regelmäßigkeit, wie die Akzeptanz mehr und mehr schwindet. Die Schimpfkanonade “Du schwule Sau” steht ganz oben auf der Liste bei Jugendlichen, um den Gegenüber wissen zu lassen, auf welcher Stufe er nun steht. Jugendleichtsinn oder nicht doch mehr?

Es ist mehr, denn “schwul sein” ist abnormal, eine Krankheit und obendrein anrüchig. Ein Schaden für die Gesellschaft – heute, wie gestern. Und dennoch verlockend. Sich “outen” wird noch als mutig eingestuft, geht doch nun eine Art Spießrutenlaufen damit einher. Alte Klischees laufen im Kopf ab, denen Einhalt zu gebieten ist. Und dennoch, man kann der Versuchung nicht widerstehen. Das Web 2.0 bringt es ans Licht.
Die “Kopflosen” – auch Headless genannt – beherrschen die Sezne, nicht die Schwulen/Lesben/Transgender die eine Möglichkeit suchen, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Es ist der Nachbar, der tagsüber die Nase rümpft und am Abend sein kopfloses Abbild mit dem Hinweis: “Auf der Suche nach einem Date” oder “Gerne Live bei Dir” in ein Schwulen-/Lesben-Portal stellt. Es ist der Nachbar der tagsüber abwertend wen mustert, seiner Frau zusteckt: “Wir haben eine Tunte als Nachbar” und dann am Abend mit einem Bild aus dem Cadinot-Fundus seine Offerte der Community reicht: “Schreib mich an bin offen für alles, outdoor oder bei dir.”

Meine Besucher ezählen viel, mehr als sie erzählen wollen. Den Tag (engl.) Faker nehmen sie mit, ohne ihn zu merken, können nicht verstehen, warum das Ziel so nah, aber dennoch unerreichbar für sie ist: “Er ist doch schwul, wieso…” Sie streichen um die virtuellen Häuserblöcke der Schwulen-/Lesben-Communitys, ziehen ihre Kreise, während die Frau, die Kinder schon längst schlafen.

Nicht jeder hat die Kraft sich bewußt auf die andere Straßenseite zu begeben, wenn er weiß, was ihn dort dann von der anderen Straßenseite, wo er eben noch stand, erwartet. Die Plattformen der Schwulen & Lesben-Community im Web sollten dann auch für jene eine “Kraftquelle” sein und nicht für pseudoschwules Lustgebaren eine Spielweise abgeben. Ein/e Frankfurter/in brauchet nicht das Web um sich seeleischen Beistand (ich drücke es mal so aus, mir fällt nichts anderes ein) zu besorgen, weil es ihr/ihm nun nicht so gut geht. Für jemanden in Frohnhausen, im hessischen Hinterland, sind diese Portale die vielleicht einzige Möglichkeit aufmunternde Worte oder wen Gleichgesinntes aus seiner Region für Unternehmungen/sich bei einem Spaziergang asuzutauschen, zu finden.

Ein Nachbar ist wieder da:

“mhhhh – wiedermal stinklangweilig…”

“so? ich habe hier immer zu tun ;-)

Links:
Menschrechte für Lesben und Schwule (Weltkarte)
Vielfallt statt Gewalt
News
Lesben und Schwulenverand in Deutschland
Veröffentlichungen des Fachbereichs für gleichgeschlechtliche Lebensweisen


Verfaßt unter…
Zeit: 90 Min.
Getränke: Kaffee
Verzehr: Hefezopf
Musik: Vangelis – Blade Runner | Robin Guthrie & Harold Budd – After The Night Falls

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4 Anmerkungen zu “IDAHO”

  1. Amsterdammer sagt:

    IDAHO, wusste garnicht, dass dies ein Kürzel war, kannte Idaho nur als Kartoffelstaat der USA, in dem einmal ein heftiger Film spielte ( Trailer hier ), mit dem begnadeten River Phoenix, der mit 23 an einer Überdosis diverser Rauschgifte starb.
    *seufz* :(

  2. sagt:

    Geht es Dir so wie mir. Als die News mir ins Haus flatterte, dachte ich auch erst, was ist das dann… :head: Erster Gedanke war an den Bundesstaat in Amerika, Indianer und so, mein Tabak (American Spirit) aus dem Nachbarländle ;)

    Wobei in der News noch stand: “Inernationaler Tag gegen Homophobie” und darüber kann ich mich ja stundenlang aufregen. Jetzt gibt es schon eine Krankheits-Attest dafür, wenn du durch die Straßen gedroschen wirst. ?:{

    Psychologen, wie zum Beispiel D.A.F. Haaga, bestreiten, dass Homophobie eine wahre Phobie sei, und betonen, dass eine wahre Phobie durch Angst, Homophobie durch Wut oder Hass geprägt sei. Haaga nennt vier Unterscheidungsmerkmale zwischen Homophobie und klassische Phobien: der Phobiker erkennt seine Ängste als übertrieben, während der Homophobe seine Wut als gerechtfertigt betrachtet; das Ergebnis einer Phobie ist Vermeidung, während das Ergebnis der Homophobie Aggression sei; der Begriff Homophobie werde in einem politischen Zusammenhang verwendet, während allgemeine Phobien selten bis nie in einem politischen Zusammenhang auftauchen; diejenigen, die von klassischen Phobien betroffen sind, haben einen Leidensdruck, der den Wunsch nach Veränderung weckt, während homophobe Menschen Leidensdruck in anderen erzeugen und der Wunsch nach Veränderung somit extern geweckt wird. (Vollständiger Artikel: Wikipedia)

    Weiß gar nicht, warum man das Wort “Homophobie” für Hass und anderes, als Erklärung der Welt reichte. Da war mir die Definition 175er-Feiertag aber lieber.

  3. Amsterdammer sagt:

    Ach das ist doch alles Kacke mit den Schubladen, die uns Psychologen und Sozialwissenschaftler öffnen: Homophobie und Antisemitismus, Antihomo und Semetismusphobie,
    wie war das doch gleich nebenan… :head:

    Als ich hier zu den Käseköppen zog, war ich eine Zeit lang schwuler arbeitsloser Ausländer 8O
    da war ich gleich dreimal angeschmiert. Bin ja froh, daß ich nicht damals in der einen biblischen Stadt gelebt hab, du weisst schon, gelle :|

    Die Zustände von damals werden von ranghöchsten Christen heute noch als Beleg genutzt, daß der Herr nicht mag, was manche Männer so treiben, verbrannt hat er die damals…

  4. sagt:

    Das sagst du alles so, in Deinem jugendlichen Leichtsinn.

    Aber stimmt schon, Schubladen sind generell Kacke, obwohl ich sie auch hin und wieder kräftig benutze… erwischt.

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