Hier schreibt eine Rarität. Eine absolute Rarität, die aber dem Staat das Genick mal bricht und anders betrachtet gar nicht hier herumlaufen darf. Weil ich bin schon tot, weiß es aber nur noch nicht. Aber der Reihe nach.
Vor etwa zwei Wochen titelte die FR (Frankfurter Rundschau) Deutschland XXL (oder so ähnlich). Die Deutschen sind zu dick, ernähren sich ungesund, was in Berlin Stirnrunzeln auslöste, weswegen es bald Speisekarten mit Risikogruppenzuschlag gibt. Ein Gericht mit Pommes + Fritz 3 €uro Fettzulage. Die drei €uronen bekommt Frau Schmidt und die verteilt sie dann unter ihren Schäfchen auf. Nur jeder dritte Mann ist laut dieser Studie so geformt, daß der Stempel “gesund” auf eine Pobacke die Unbedenklichkeitsbescheinigung hinterläßt. Mit anderen Worten: Ein Dürrrappelgestell – holt sich Mann/Frau nur blaue Flecken.
Ich bekomme so ein Stempel, gehöre somit zu den 30% deutscher Männlichkeit, die sich nicht Pomme Fritz ergeben, dort das Jahr über abhängen. Ob ich zu den 30% gehöre, die nicht eindeutig zuzuordnen sind, was die sexuelle Ausrichtung angeht, weiß ich nicht. Laut einer anderen Studie sagt der Bauch mit einer 70%tigen Trefferquote beim Blick auf sein Gegenüber – mit dem Mann kann man, mit dem nicht. Ob das mit der Dürre zusammenhängt, sagt die Studie allerdings nicht. Dabei ist alles anders.
Am Mittwoch vermeldete Amsterdam: Weil ich ein Dürrrappelgestell bin, koste ich dem Staat eine Unsumme. Raucher und vor allem McDrive-Mieter sind viel billiger für den Staat, die Kassen in der Endsumme. Nur die Zeit gerechnet die ich jene überlebe… obwohl ich schon tot bin, ich weiß es nur noch nicht.
Jerry Yang ist 239 Jahre alt. Ein Jungspunt. Zur Grundlage liegt die Rechnung: ein Internetjahr sind sieben Menschenjahre und der gute Jerry fing 1994 an, das Internet zu sortieren, was heute Microsoft 44 Milliarden Dollar wert ist, Tendenz steigend. Und nach dieser 7er-Regelung, weil ja alles sehr schnellebig ist, hat Jerry Yang 239 Jahre auf dem Buckel – so die FR gestern. Ein Jungspunt. 1994 war ich nämlich schon im Internet. Somit bin ich Minimum sieben Jahre älter als Jerry. Ach, das sind viel mehr.
Und gäbe es die Raubkopierer nicht, wäre ich heute irgendwo auf einer Insel, meine CDs in mp3-Dateien umwandeln. Nicht hier, wo Flieger einem auf den Kopf fallen.
Und weil sich das alles so unglaublich liest, gegen alle Erhebungen spricht – ich entdecke laut einer Studie gerade das Internet, bekomme also Nachhilfe -, denkt junge Welt, sie könnte was erzählen. Also die coolen Surfer, das junge Volk. Älter sein ist nämlich gleichzusetzen mit: behindert, dem muß ich die PC-Bedienung beibringen, entdeckt das Internet und überhaupt, wenn wir Jungen nicht wären… wo wäre der Alte da? Und die jungen coolen Surfer, die rechnen ganz anders. Die sind aus der Gebärmutter mit Modemanschluß gekommen, haben den ultimativen 12,5er-Hack in der Hand gehabt. Das ist wie bei den “68er”. Am Fenster gesessen, geschimpft, Windel ausgewechselt bekommen, Spinat verweigert und heute waren sie dabei. Die haben so viel erzählt bekommen, darüber gelesen, daß sie dabei waren – wie die Internetkinder mit dem Modemanschluß.
Jetzt habe ich gestern überlegt, in der S-Bahn gesessen und gerechnet, wegen meinem Alter und Jerry… – ich habe es aufgegeben hinter das Geheimnis der FR-Rechnerei zu kommen -, daß so viel aufsehenerregendes es in diesen Jahrhunderten nicht gab. Einzig fest verankert ist: Der Bauer. Das war so die boooah-Seite in den über 240 Jahren, die hängen geblieben ist, wo man heute noch schwärmt. Klaus Schulze würde sagen: “Alter, die ist ja mörder.”
Ich habe dann wieder mal geschaut und in der Nacht Web 2.0 besucht, bin von einem Pfadfinderlager zum nächsten gepilgert, überall eine schicke Jugendherberge vorgefunden, wollte Paßbild abgeben, wo man wohnt und so angeben, weil man dann einer weltoffenen Gemeinschaft angehört, aber mich haben sie abgelehnt, da keine 25 und zu alt – ohne 7er-Regelung. Bis 25 Jahre… Alternative: Bei der Ü30-Party anmelden. Ob die mich mit meinen 300 Jährchen wollen?
Euch ein schönes Wochenende. Gruß und Kuß von einem Filius.
Verfaßt unter…
Zeit: 65 min.
Getränke: Kaffee
Verzehr: —
Musik: V.A.: Plastic City – The Age Of Search And Destruction
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