Leerlauf


Die Fahnen sind größtenteils eingerollt, nur hier und da sieht man noch was am Fenster hängen, braust ein Auto mit den Resten der größten Partymeile der Welt über die Straßen.

Was nun machen mit der noch überschüssigen Jubelenergie, die noch nicht ganz verbraucht ist?
Gut, daß etwa 180 Leutchen im Nachbarland radfahren. 400KW Leistung werden abgerufen, teilweise über 500KW die „Tachonadel“ anzeigt. 200 Kilometer am Stück und mit bummeln, mal eben verschnaufen, ist nicht. Also, von wegen an der Mittellinie stehen, Hände in der Hüfte und zuschauen was die Kollegen machen.

4-5 Stunden sind die Radfahrer unterwegs, von zwei Ruhetagen abgesehen. Das wären drei Fußballspiele und bißchen Verlängerung hinterher – täglich. Und das für vielleicht 50.000 € im Jahr. Mehr gibt’s es nicht, oder nur in wenigen Ausnahmefällen. Dann fahren sie auch noch bergauf, bei 30° und noch mehr. Ein Kollege muß immer nach ganz hinten ins Feld sich zurückfallen lassen, dann holt er ganz viele Wasserflaschen vom Mannschaftswagen und fährt wieder nach vorne, um sie den Kollegen zu geben. Von wegen mal eben am Wegrand sich ein Fläschchen holen. Das dürfen nur die, die ausreißen und keine Lust haben, im großen Feld mitzufahren, weil da immer einer umfällt und dann eine Art Dominoeffekt entsteht.

Dann gibt es auch noch Zeitfahren, wie vorgestern. 50 Kilometer Vollgas. Das wäre im Fußball eine Halbzeit richtig ranklotzen – in etwa so wie die letzten 10 Minuten gegen Polen.

Und jetzt wühlen sie da ja auch in diversen Akteneinsichten herum, wie in Italien. Und irgendwie sollte ja nun ein Urteil, wegen dieser Serie A-Manipulationsgeschichte in Italien dieser Tage gereicht werden. Man munkelt ja, es wird ein „italienisches Salomonurteil“. In etwa so: Ihr habt unser Land Ehre gegeben, mit dem WM-Titel, aber so etwas bitte nicht wieder machen – ein Jahr auf Bewährung. Die beim Radsport haben nicht lange gefackelt: 58 Radprofis wurden sofort „suspendiert“. Darunter auch Jan Ulrich. „Auf den Scheiterhaufen mit ihnen“ so Jens Vogt, als bekannt wurde, daß es eine Liste gibt. Und dann, als alles bekannt wurde, lichteten sich die Reihen im Fahrerfeld - keine Stars mehr weit und breit.

Die Tour ohne Stars – so die Überschriften in der Medienwelt.

Hoho… ein Jens Voigt immer vornweg dabei ist. Über 100 Kilometer mit anderen auf Ausreißertour. Man kann ja schon bald sagen „Jens ist dabei“, wenn es heißt: Eine Gruppe hat sich vom Feld abgesetzt. Ein Erik Zabel immer lauert, wenn die Spurts losgehen und nun tritt der deutsche Star-Nachwuchs dermaßen in die Pedale, daß man sich verwundert die Augen reibt. Darüber hinaus sind sie alle sehr sympathisch, ihre inhaltlichen Aussagen in Interviews richtig erfrischend. Warum hat man die Jungs nicht früher öfters zu Wort kommen lassen?

Die Tour de France ohne Stars?

Mitnichten.

Unsere Jungs fahren klasse, ich bin begeistert und von Leerlauf dieser Tage nicht die Rede sein kann, weil Fußball sich aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen hat. Ich habe jedenfalls noch einige KWs übrig für die Radsportler – heute geht es weiter. Die Berge rufen. Aber bis dahin ist noch ein wenig.

Tags: FR, Fußball, Nachbar, Radfahrer, Tour

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