Der Montag hat es an den Tag gebracht – mit einem Bild von Michael Jackson. Selbst seriöse Tageszeitungen sind auf den Zug aufgesprungen, das letzte Quentchen Leben des Popstars den Lesern zu zeigen. Das dieses Bild schon etwas betagt war, haben einige Zeitungen einen Tag später ihren Lesern gebeichtet, sich dafür entschuldigt – auch die Frankfurter Rundschau. Die Frankfurter Rundschau selbst reiht reihenweise Meldungen des Twitterdienstes im Falle des Iran auf, nicht ohne darauf hinzuweisen, daß dies inoffizielle Meldungen sind. Doch warum dann diese in den Mittelpunkt eines Berichtes stellen? Die Rundschau, wie andere auch, werden getrieben von etwas, was man so recht noch nicht erfassen kann. Ein Umbruch findet statt. Die Gefahr von Manipulationen in Wort und Bild ist nie größer gewesen als jetzt und der unabhängige Journalismus steht vor der Frage mit der Meute zu heulen oder darauf hoffen, daß sich die verschiedenen Medien einander ergänzen. Wo der unabhängige Journalismus der Zeitungen und Sendeanstalten aufhört, fängt das Medium Internet mit dem Bürger-”Journalismus” erst an.

Bevor man gar kein Bild hat, nimmt man das, was es um die Ecke im Internet gibt. Bilder sind leicht zu manipulieren, Filme dagegen schwerer, erfordern auch ein besseres Equipment, was nicht gerade billig ist, soll die Fälschung nicht gleich aufliegen. Twittermeldungen zu überprüfen ist nur sehr schwer und vor allem zeitraubend. Was Bronski (FR-Blog) seinen Netzdetektiven mitgab, hat die Rundschau im Fall Iran (Twitter) selbst nicht beherzigt – Meldungen anhand mehrerer Quellen zu überprüfen. Es stellt sich ja auch die Frage, wer die Welt aus dem Iran versorgt? Eine technisch versierte Gruppe im Iran (in den Städten), die zur Mittelschicht gehört, hat es geschafft, mittels amerikanischer Portale/westlicher Technologien die Deutungshoheit im Iran zu erlangen. Es sind nicht die Bauern, die Wüstensöhne, die twittern, Filtertechniken umgehen, ihre Spuren im Netz verwischen. Dabei spielt es analytisch keine Rolle ob sie nun die Wahl als Anlaß genommen haben, ihre Unzufriedenheit über ihre wirtschaftliche Situation zu äußern, ob sie Opfer eines Wahlbetrugs sind oder ob sie eine Minderheit darstellen, die mit dem Wahlergebnis unzufrieden ist. Inzwischen ist aber bekannt, daß viele Twitter-Meldungen gar nicht aus dem Iran selbst kamen. Niemand weiß, wer hinter den Meldungen steckt. Die Community von Twitter, YouTube und Faceboook selbst sind zwar bemüht dunkle Gesellen rauszufiltern, sie zu outen, aber wer weiß dann, ob die Reinemachefrau nicht von der Gegenseite ist?

Es braucht aber nicht den Iran, um aufzuzeigen, wie manipulativ der Bürger-”Journalist” zu Werke gehen kann, wenn seine Wille der für ihn einzige Weg ist. Bronski ist im Urlaub, der FR-Blog geschlossen (Kommentarbereich) – aus Erfahrung klug geworden. Versetzen wir die damaligen beteiligten Personen mit gleicher Gesinnung in den Iran, würde einer nun im Knast auf immer und ewig sitzen, nicht in einem Frankfurter Blog bloggen, die anderen würde weiter über Volkes Worte wachen und ausmisten. In DE selbst hat es nicht mal zur Anklageschrift gereicht, auch weil der unabhängige Journalismus, in diesem Fall der der Frankfurter Rundschau, darauf ein Auge hatte und klar Position bezog.

Beim Bürger-”Journalismus” ist eine Unabhängigkeit in Form der Neutralität selten bis gar nicht gegeben. Zusammenhänge werden nicht erläutert, gar recherchiert. Eine Momentaufnahme wird bebildert, kommentiert. Der Bürger-”Journalismus” kann aber wichtige, ergänzende Informationen für den unabhängigen Journalismus liefern, wie im Fall Iran geschehen. Aber, ein unabhängiger Journalist braucht oft Wochen, um ein Thema wasserdicht zu publizieren, der Bürger-”Journalismus” reist oftmals schon am nächsten Tag weiter. Dennoch sieht er sich schon als die Speerspitze einer weltweiten demokratischen Bewegung. Vielleicht legen sie morgen schon in Afghanistan an, entdecken aber dann, daß da niemand ein Handy hat, die Satellitenschüsseln als Reisschale dienen, die Talibans mit Allah ein noch blutigeres Schwert schwingen. Freedom for Afghanistan im Blog auf Twitter und YouTube?

Angenehme Traumreise durch die Nacht.

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