Leicht hat man es nicht, aber leicht hat’s einen. Zu dieser Erkenntnis komme ich meistens dann, wenn’s zu dolle in den Fingerspitzen kribbelt, meine Wenigkeit über Beiträge – überwiegend in den Foren des Internets, manchmal auch in Blogs – einfach nicht hinwegkommt. Dies ist mein Ur-Problem, verursacht durch einen Gen-Kurzschluß. Man kann auch sagen, ich gehöre zu einer aussterbenden Spezies an, da ein solch Verhalten in das heutige Gesellschaftsbild, welches durch das Internet geprägt wird und sich über das Meinungswissen fortpflanzt, einfach nicht paßt. Ich stelle einen sogenannten Außenseiter dar, der noch in der griechischen Episteme-Ära lebt. Antiquierter Kram, gleichbedeutend mit Querulantentum und so gesehen; es hat sich nichts geändert. Meine Mutter daran schon verzweifelt ist.
In einer Ecke des Internets schielt man gerne auf Browserstatistiken. Nicht die persönliche Seite da ausschlaggebend ist, nein, jene Statistiken, die einen wissen lassen – ist mein Lieblingsbrowser im gesamten Internet des deutschsprachigen Raumes um 0,8 Prozent gefallen oder gar um 1% gestiegen? Und wenn es augenscheinlich bergab geht… der Internetexplorer 7.0 zunimmt… dann liegt es an der möglichen Umstellung auf Ajax, ein Scheuerpulver das monatlich auf Webseiten aufgetragen wird. Sollte man nicht monatlich anwenden, schon wg. der Statistiken. Das sind schon harte Schlachten, die da ausgefochten werden. Das Meinungswissen schlägt da unerbittlich zu. Keine Chance, oder doch? Man muß nur ein paar Epistemeexkremente ihnen in den Weg legen, dann löst sich alles in Wohlgefallen auf, da das Meinungswissen keine tiefe Wurzeln aufzuweisen hat und morgen neue Meinungen einhergehen, die wiederum den Stand der Dinge deklarieren. „Was schert mich mein Geschwätz von gestern…“
Ähnliche Schlachten werden im Musikbereich geschlagen. Oberflächlichkeit – das Meinungswissen – ist Trumpf. Da ist es völlig unerheblich was war, da wird alles nach eigenem Gutdüngen zurechtgebogen; notfalls in den „Kotzeimer“ entsorgt.
„…wenn ich was von Dr.Motte/Pulse usw usf, gehört habe… nur ein müdes kotzen übrig dafür habe.“
Selbst Wikipedia – die Datenbank der Meinungswissenschaft schlechthin – ist vor Angriffen der „Ideotae“ nicht gefeilt.
„Der Artikel in dem Link hier über Heinz Schenk ist ziemlich sagen wir es mal milde schleimig und pro Heinz Schenk geschrieben.“
Sollte es morgen anders in Wikipedia zu Heinz Schenk vermerkt sein, als man es heute noch vorfindet, wissen wir, die Datenbank der Meinungswissenschaftler hat ein Update bekommen – Web 2.0.0.1. Jenes Gebaren der Autoren ging auch neulich durch die Presse, als ein Artikel zig Mal verändert wurde. „Objektiv, fehlerfrei und aktuell“, die Maxime des Gründers von Wikipedia, Jimmy Wales, schon längst überholt ist. Und will man den Statistiken glauben schenken: 95% der Gymnasiasten bauen ihr Wissen auf Wikipedia auf. Eine übergreifende Volksbildungsheimkatastrophe? Vielleicht, wenn man in’s Detail geht. Oberflächlich gesehen ist „Halbwissen“ auch ein Wissen und dieses ist mehr, als man es noch 1990 in den Kinderstuben vorfand. Sinnigerweise speichert die Wikipedia jeden Klick, jedes Komma was wer setzt auf Jahre hinaus. Irgendwann wird wer schuldig gesprochen und öffentlich an den Pranger gestellt.
„Die Weisheit der Massen kann viel zu leicht in den Wahnsinn der Massen umschlagen”, so Web-2.0-Vordenker O’Reilly.
Die bodenständigere Seite der Meinungswissenden zeichnet sich vielleicht dadurch aus, daß kollektives Wissen im Sinne des Gründers der Wikipedia entsteht. Aber wie heißt es auch so schön: Trau schau wem… S.i.T.
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