Obdachlos


Back to the Roots – mit dem Rücken zur Gemeinde predigen, neue Regelungen für die lateinischen Messen, die Pfadfinderbewegung würdigen, harsche Kritik an die geplante Gay-Parade in Rom und nun zig Millionen Menschen in die Obdachlosigkeit schicken. Wir als Papst machen nun Furore, es geht ans Eingemachte, kommt das zutage, was die Argwöhner seit dem weißen Rauch über Rom befürchteten – zurück ins Mittelalter. Benedikt XVI. nebst Untertanen spricht den evangelischen Gemeinden den “Kirchenstatus” ab, stößt Millionen Gläubigen vor den Kopf.

Dies kann einen tangieren, oder auch nicht. Mir kann es ja egal sein, denn Benedikt XVI. ist nicht anderes als ein Medizinmann eines fremden Stammes. Zugegeben, der Stamm ist nicht gerade klein, aber ansonsten trifft dies nüchtern betrachtet alles zu. Ob Glaube oder Aberglaube, den Stein der Weisen hat keiner von ihnen gefunden und mir geht es nicht schlechter oder besser, mit oder ohne ihres, den Segen Roms. Persönlich sehe ich sie lieber gehen als kommen, von den kleinen bescheidenen Dienern ihres Glaubens abgesehen. Da gibt es nette Leute und da bin ich nicht weniger Mensch, nur weil ich ihnen sage – bei Bekehrungsversuchen gibt’s Ärger. Von Scheinheiligkeit getrieben, eilen sie im Vatikan von Konferenzen zu Konferenzen, erzählen von einer Kirche, von einer Verbrüderung und dann ist wieder alles anders.

Rom ist weit weg und vor Ort sieht es, dem Herzensglauben der kleinen Leute sei dank, oftmals anders aus. Benedikt XVI. wäre der einsamste Glaubenshüter dieser Welt, würden die Christen nach katholischen Glaubenswerten die päpstliche Lehre verbreiten. Ich denke nicht, daß ein Wort von Benedikt XVI. irgendwen tangiert, der seinem Glaubensweg nicht angehört. Es wäre vielleicht anders, wären wir noch im Mittelalter, wo das Weh und Ach vom Gutwill des örtlichen Glaubensvertreters der katholischen Glaubensrichtung abhing, wo Staat und Kirche gemeinsame Sache machten, bzw. der Staat von der Kirche abhängig war. Wir sind aber nicht mehr im Mittelalter und Luther hat nicht umsonst was an die Pforte genagelt, nicht umsonst erfolgte die Abkehr von Rom und dem Vatikan.

Mag er reden, der alte Medizinmann in Rom, und mögen sie im Vatikan an den verbohrten Glaubenswerten der Antike festhalten, wo die persönliche Bereicherung der Bewahrer des alten Glaubens im Mittelpunkt stand und noch steht. Und alle guten Wünsche mögen mit ihnen sein, der Verlust der Macht noch viele Jahrhunderte andauern.

Vom zweiten Konzil, der sich zugunsten der Religionsfreiheit in der bürgerlichen Gesellschaft und für den verstärkten Dialog mit Anders- oder Nichtgläubigen entschied, ist nun endgültig nichts mehr zu sehen. Aber wie heißt es so schön – jedem sein Garten. Mögen sie darin glücklich werden. Man muß ja nicht in ihrem Garten das Zelt aufschlagen, gar dort sein Abendmahl einnehmen. Es schmeckt genauso gut unter freiem Himmel bei den Muslimen, beim evangelischen Christ oder bei den orthodoxen Vertretern dieses Glaubens.

Mein Haus, meine „Kirche“ ist da, wo ich mich niederlasse – sinngemäß. Dazu braucht es niemanden, auch nicht Benedikt XVI. mit seinem altertümlichen Aberglauben.

[Quelle: FR aktuell]

Tags: Christen, Fremde, Mittelalter, Muslime, Papst, Pfadfinder

Verwandte Artikel

Die Kommentarfunktion ist hier ausgeschaltet.