Hab' dich :-)

Hab' dich :-)

Die Statistik, daß Männer eher Politur für ihren fahrbaren Untersatz kaufen, als denn Unterwäsche, stimmt nun nicht mehr. Ich habe mich deswegen heute mächtig ins Zeug gelegt, gleich vier Exemplare gekauft. Keine Stings, Tangas, sondern richtige Underwear, retro modisch, und deswegen schon gar nicht grau und lang. Immer Richtung Frühling unterwegs. Und deswegen gleich noch zwei T-Shirts gekauft – auch für den Frühling. Und das trotz der Minusgrade, der Aussicht auf noch mehr Minus auf dem Thermometer. Aber niemand wußte was ich suchte oder gar wollte, als ich das Geschäft betrat. Ein freundliches “Hallo” überall, von älteren Damen ein “Kann ich ihnen helfen?”, von den jüngeren “Kommst du klar?” – “Klar doch :-)

Das ist noch eine schöne heile Einkaufswelt, mit viel gucken, auch nach den wackelnden Irgendwas.

Im Internet sieht das ja ganz anders aus. Auf GMX kamen sie wieder an, ich möge doch bitte mal schauen, ob sich bei mir was geändert hat. Ihr liebe Leut’, so schnell scheidet man sich ja nun nicht, habe doch erst vor einer Woche geheiratet. Vielleicht haben sie ein Supersonderangebot für eine noch anspruchsvollere Partnerschaft, und wissen nun nicht wohin damit. Auf wkw scheint die Statusänderung auch niemanden zu interessieren. Daß ich nun in Norwegen bin… aber ich werde nicht nach DE pilgern, Knöpfchen drücken, bin ja jetzt in Norwegen. Auf facebook selbst ist es ruhig. Keine besonderen Vorkommnisse.

Dies liegt bestimmt auch daran, daß ich nichts verknüpfe, weder auf GMX, noch Google, noch facebook, nirgends. Ich drück auch nirgends das Köpfchen “Freunde finden”, denn dann wandern die E-Mailadressen von hüben nach drüben. Damit können nun Bezugspunkte geknüpft werden. Als Dankeschön bekomme ich vielleicht Vorschläge, wo ich dann ins Grübeln komme, woher die das nun wissen. Da denke ich und es ist ganz anders. Da fängt irgendwer bei Twitter an oder sonstwo und dann steht man vor meinem Bunker. Ich habe das neulich mal spaßeshalber gemacht, Chill Out aufgelgt und beim Filius angefangen, irgendwann stand ich auf einmal bei meinem Nachbarn vorm Haus. Da habe ich aber geguckt. Und so machen das die Betreiber der Social Networks auch, nur im viel größeren Maßstab, weil ja alles miteinander verbunden wird. Selbst Leute werden erfaßt, die gar nicht Mitglied sind. Da reicht der Klick auf “Freunde finden” irgendwo, damit man nicht alleine in der Ecke sitzt. Die Freunde bekommen eine Einladung. Wenn sie diese z.B. von facebook einfach löschen, sind sie erfaßt. Der Link auf der Einladung “Nein danke, ich möchte nicht…” wurde somit nicht bedient. Aber auch wenn ich ein Foto einstellen würde, eine Person mit Namen markieren, die gar nicht auf facebook ist, facebook weiß nun… Auf dem Handy ist es FriendSync, das für Freude am anderen Ende sorgt. Der Gründer von Facebook, Mark Zuckerberg, sagte ja erst kürzlich: Privatsphäre sei nicht mehr zeitgemäß. Google will nun mit Google Buzz in diese Richtung: twitter mit facebook unterm Arm.

Auf meinen heutigen Einkauf umgemünzt, wäre das so gelaufen: Ich hätte den Laden betreten, da hätte die Verkäuferin mir gleich gesagt, wo ich Retro Underwaer finde. Und beiläufig hätte sie mir zugesteckt, daß in drei Wochen die neue Kollektion der Fallout-Shirts kommt. An der Kasse hätte ich Prospekte von Partnerfirmen mit zielgerichteten Angeboten bekommen. Nennt sich Kundenbindung. Die Welt wird dadurch vielleicht einfacher, aber bestimmt nicht prickelnder. So war ich noch in einem anderen Geschäft, zwar nicht das gefunden was ich suchte, dafür was anderes, was gar nicht auf dem “Zettel” stand. Auch was von früher, sogar aus Leder.

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