Wachsjungfrau
Heute schon gewachst?
Es gibt ja Dinge, die gibt es schon gar nicht mehr. So kann es in Zukunft durchaus sein, daß man spazieren geht und auf einmal steht man vor einer Gedenkstätte. Eine schöne große Marmortafel, wo viele Wörter darauf verzeichnet sind, wie Bandsalat, Hupfdohle, Bückeisen oder Tamagotchi zum Beispiel. Bleiben wir beim Bandsalat.
Dieses Wörtchen wird sterben und dann auf der Tafel zu sehen sein. Nun ist das kein ostasiatischer Nudelsalat, sondern eine Bezeichnung für ein großes Unglück, als es noch Kassettenrecorder gab. Wenn das Kassettenband in diesem Abspielgerät auflief, quasi das Band aus der Kassette heraus fein säuberlich von den Gummirädern ins Innere des Gerätes aufgewickelt wurde, letztendlich keine Musik mehr zu hören war, dann nannte man dies „Bandsalat“. Wenn man Glück hatte, ging das Kassettenfach noch auf und man konnte dann drei Kilometer Band in die Kassette hinein aufwickeln – mit dem Bleistift. 120 Minuten-Kassetten standen im Ruf besonders gerne diese Eigenschaften aufzuweisen, weshalb man sie nur ungern nahm, schließlich wurden darauf musikalische Schätze verewigt. Diese Schätze gibt es heute gar nicht mehr, nicht mal bei Amazon oder den Eselstreibern. Und weil heute die Kassettenrecorder nur noch hier und da auf Floh- oder Rumpelmärkten zu sehen sind, nur noch die älteren Generationen mit Kassetten und deren Abspielgeräte aufwuchs, stirbt das Wörtchen „Bandsalat“ aus, weil die Generation von heute nur mp3-Player kennt. Und so wird das Wörtchen dann auf die Gedenktafel für alle verewigt. Und irgendwann schreibt wer ein Buch, wo dann „Bandsalat“ erklärt wird; für den Fall, falls wer doch noch das Wörtchen mit sich herumschleppt. (Quelle)
Aber so wie sie sterben, die Worte in der deutschen Sprache, so werden auch neue geboren. Und nun kommen wir zu [intim] Kosmetik (3), was ja ein eigenes Kapitel wert wäre. Ganz frisch aus dem deutschen Wortschatz ist das Wörtchen „Wachs-Jungfrau“ geschlüpft. Gelle, da staunt mann/frau - it’s Veet
Mir glaubt ja nie jemand. Hohn und Spott ernte ich, wenn ich am Rande erwähne: Mann/Frau soll sich die Beine rasieren, um der Eindimensionalität des Alltags zu entfleuchen, damit sich ein bißchen das Erfolgserlebnis einstellt – außerhalb des ideotaeschen Meinungswissen und ohne dabei in der Nase zu bohren. Beine enthaaren ist in, und nicht nur da (Tip), obwohl das ja auch schon über 25 Jahre im Underground üblich ist. Wir gähnen ja da nur müde mit Joachim Witts Lied auf den Lippen darüber.
Kaltwachs, Warmwachs – noch Wachsjungfrau?
Dann aber mal ran. In der Domstraße in Offenbach gibt es sogar einen speziellen Friseur – alles für den Intimbereich. Und dort schießen sie mit Laser alles kurz und klein. Hält ein Leben lang. Das „Wachsen“ ja nur etwa vier Wochen anhält; wie das “Bohnern”. Wenn Muttern früher im Treppenhaus die Treppen wachste/bohnerte, konnte man dann im Eiltempo vom vierten Stock Richtung Erdgeschoß sich hinabbewegen. Vorsicht - frisch gebohnert, mit Bohnerwachs. It’s Lifestyle 2007.
Darf ich mal fragen…
Heute schon gewachst? Oder noch Wachsjungfrau?
Tags: Intimrasur, Kosmetik, Lifestyle, Wachsjungfrau






