Schwulenfeindlicher Reggae-Sänger: Sizzla

Schwulenfeindlicher Reggae-Sänger: Sizzla

Hau dem Nigger auf’s Maul.”

Was würde wohl Sizzla sagen, wollte er hierzulande ein Konzert geben und stattdessen rennt er um sein bißchen Leben hilfeschreiend durch dunkle Gassen?
Was würde der Reggae-Fan wohl sagen, dem seine Brille zum Verhängnis wurde, sie der Anlaß für seinen Krankenhausaufenthalt wurde?
Was würde der Hip Hop-Konsument wohl sagen, wären seine spastischen Bewegungen der legitime Grund für eine “Säuberungsmaßnahme” anderer Art?

Musik im Jahre 2010 entartete Kunst? Kann man so bezeichnen, denn es ist nicht vereinbar mit hiesigen Grundrechten, wenn hierzulande in Texten zu Gewalt gegen Gruppen in der Gesellschaft aufgerufen wird. Ob der Hip Hop die Jugendkultur EMO ins Visier nimmt oder der Reggae die Schwulen, das ist nicht nur geistige Brandstiftung, das ist unter Umständen Beihilfe zum Mord.

In Anbetracht dieser salonfähigen Musikkultur ist es gut zu wissen, daß man anderswo – Berlin Kesselhaus – mit wachen Geist dem kranken Hirn Sizzla Einhalt gebietet, ihn an der Verbreitung seines Brandstiftertextes hindert. Da hilft auch nicht der Hinweis, daß es in Jamaika üblich ist, Schwule und Lesben den Lebenshahn abzudrehen. Es hilft auch nicht darauf hinzuweisen, daß von vielen Alben es doch nur ein paar Songs sind, die ein wenig über die Stränge schlagen. »Fliegenbeine zählen« so Volker Beck zu dem Versuch, die Vorwürfe gegen Sizzla zu entkräften. Tatsache ist, daß Sizzla nachweislich gegen das von ihm unterschriebene Reggae Compassionate Act-Abkommen (RCA) verstoßen hat. Dieses Abkommen ist eine Vereinbarung, in der er sich dazu verpflichtet hat, keine Schmähgesänge gegen Homosexuelle anzustimmen. Und deswegen ist es richtig, ihn an der Verbreitung seines Kulturverständnisses zu hindern. Er sollte sich besser umdrehen, seinen Brüdern und Schwestern in Afrika einen Blick schenken, den dort stattfindenden Mord an ihnen besingen. Vielleicht sollte man ihn und andere zu ein paar Wochen instrumentalen Musikkonsum verdonnern. Der Frühling aus “Die vier Jahreszeiten” von Antonio Vivaldi bietet sich da regelrecht an. Dies hat auch den Vorteil, daß das Ohr ganze andere Klänge zu hören bekommt, es auf einmal nie gehörte Nuancen in der Komposition wahrnimmt, was vielleicht den eigenen Horizont gewaltig erweitert, einem selbst ganz neue Möglichkeiten aufzeigt. Für fleißiges Durchhalten gibt es als Belohnung eine Gute Nacht-Geschichte von Bob Marley. Obwohl inmitten von Gewalt aufgewachsen, hat er nie zu Gewalt an irgendjemanden aufgerufen.

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