iTunes und die LP


Ach ja, die Musikwelt. Wenn die Branche nicht klagen kann, liegt sie wirklich darnieder. Auf einen legal erworbenen Song kommen immerhin noch 14 illegale Downloads - hierzulande. Ich frage mich ja immer, wie die das auswerten. Aber egal. Die Petersilie in einer Meldung: Apple schwingt sich zum Retter der LP auf. Ui, Apple verkloppt Langspielplatten. Das wäre doch ein Grund iTunes upzudaten, denn da ist diese neue Funktion untergebracht. Nur, wie kommt dieses Prachtstück aus der kleinen PC-Lade heraus, oder ist Apple eine Kooperation mit UPS eingegangen? Juchuu, ich bekomme wieder große Päckchen. Ei, da wird man ja ganz meschugge - Save the Vinyl, Vinyl über iTunes.

Aber zu früh gefreut. Die Funktion die Apple iTunes spendiert hat, nennt sich “Album vervollständigen”. Also, wenn LP = Longplayer sein soll, dann stimmt etwas nicht mit der Landessprache. Aber LP steht für Langspielplatte, aber so etwas kennen die Redakteure der Netzzeitung wahrscheinlich nicht. Es gibt ja auch DLP oder 2LP Set, ist ja nicht wie bei armen Leuten. Siehe z.B. Brain 0080.045 (Jane - Rock on Brain). Naja, jedenfalls gibt es über iTunes keine Langspielplatten, sondern man kann ein Album erwerben ohne den schon daraus erthaltenen Song noch einmal zu bezahlen. 180 Tage geben sie einem dazu Zeit, um sich des Künsters Geschichte komplett zuzulegen. Und die Musikindustrie hofft nun die Albenverkäufe dadurch anzukurbeln, weil durch iTunes und andere Plattformen diese durch den “Einzelhandel” stark zurückgegangen sind. Recht kann man es denen nicht machen. Dabei sind die Konzerte DIE Einnahmequelle für Musiker. Von so einem Album sehen sie nicht viel, aber von Konzerte. Und deswegen wollen ja die Plattenfirmen so komische Klausel in den Vertrag einbauen, was aber auf taube Ohren stößt. Und deswegen rennen hierzulande auch so viele Oldies herum, mit und ohne Uschi. Hierzulande sind die alten Herren/Damen immer noch angesagt, ein Konzert = Hängematte auf den Bahamas.

Ein Album hat auch längst nicht mehr den Stellenwert wie noch vor 20 Jahren. Heute zahlt man für 40 Minuten CD vom Künstler das Doppelte. Auf einer LP geht genausoviel drauf - ausgenommen ist hier Klaus Schulze. Der haut 74 Minuten auf eine CD, eben bis nix mehr geht. Und dann sagt er noch: “Ei, isch bin doch noch gar net fertisch.” Und oftmals sind Alben des Mainstreams ohne roten Faden und da muß man schon tief in den Keller hinabsteigen um diesen zu entdecken. Gut, ich gehöre noch zur alten Schule und bei E2-E4 muß alles kommen, kein Stückwerk. Aber in diesem Falle hat Manuel Göttsching auch etwas zu erzählen… Oder ein anderer Berliner aus einer anderen Epoche: TV Victor. 70 Minuten “Agai”, auf drei Picture-CDs eine Message, da ist doch was vorhanden - gib alles. Da wird nicht lange rumgemacht und gezaudert. Und heute… Nur Kartoffeln im Angebot. Kein Bärlauch, wenigstens für’s Auge. Und iTunes liefert mir kein schönes Cover mit hoher Auflösung für die CD-Hülle, oder gar ein Booklet. Ich muß alles selber tippen, Druckerpatronen kaufen, teures Papier, für den Rohling-Drucker muß ich auch bezahlen, sogar Abgaben, dann werde ich noch dumm angemacht, über Zeitschriften beschimpft, zu den Verbrechern gezählt, weil ich 50 CD-Rohlinge von Sony im Sonderangebot gekauft habe…

Das waren noch Zeiten, wo man die LP aufklappte, man fand 16 Seiten Informationen oder Bilder vor, oder das Cover war in allen vier Himmelsrichtungen aufklappbar. Alles für die Hälfte dessen was man heute zahlt. Und heute kriegst nix, außer Bits und Bytes. Dann muß man es schnell sichern, den DRM-Kram ausklicken, denn Würmer und anderes Krabbelzeug warten nur darauf, das Album zu zerbröseln. Aber vielleicht wissen Würmer mehr und es geschieht alles nur zu unserem Wohle.

Man weiß so wenig.

Tags: Apple, CD, Cover, Hängematte, iTunes, Petersilie, Vinyl. LP

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