La Boom


Ein seltsamer Hinweis steht immer noch am Straßenrand und verkündet die Zeit von Retronic - Depeche Mode und Electrica Salsa war angesagt. Die markanten Depeche Mode-Köpfe, die in Pop-Art gezeichnet sind, sind zwar irgendwie zu erkennen, aber die Buchstaben darunter sagen eindeutig: Nicht die Band, die da seit 25 Jahren am werkeln ist, war vor Ort, sondern eine Art Hommage an jene fand da statt. Genaugenommen im Club MTW, am Main, da in Offenbach. Ob die da nun eine Nacht alle Platten incl. der Remixe aufgelegt haben oder ob da nun eine Boygroup aus heimatlichen Gefilden im Retrolook sich da verkaufte, weiß ich nun nicht genau – die wunderlichen Franz Lamberts dieser Welt sterben nun mal nicht aus.


Und da fängt man beim weitergehen an zu sinnieren, weil doch jener Club erst kürzlich 10 jähriges Dancefloor-Clubbeben feierte. Man rechnet zurück, denn als die anfingen, wurde woanders das Buch zugemacht – Thema durch, die Clubszene wiederholt sich nun zum 5. Mal.
Sven Väth kam irgendwie auch paar Monde später zu dieser Erkenntnis. Da dachte man, besser spät als nie, aber er kann es nicht lassen. Liegt aber auch auf der Hand, denn das ist wie mit Hollywood - nicht im Mittelpunkt, geht die Sauferei/Kifferei los und der Sinn nach dem Leben erschließt sich einem erst während des freien Falls, manchmal auch erst nach dem Aufprall. Und was schert mich mein Geschwätz von gestern, die Floskeln vom Baum des Technos, der immer neue Blüten hervorbringt und der ehrlichsten Musik der Welt (O-Ton). Das es schon einige aus der Frankfurter Szene gibt, die nun unterhalb des Dancefloorbodens dahinbleichen, wird dann gerne ausgeklammert. Lebbe geht nun mal weiter.

Schaut man sich das weitere Programm von MTW an, gibt es zu lesen, daß das Groove Magazin aus Frankfurt im MTW sein 17jähriges Bestehen feiert. Tiefer kann man nicht mehr sinken. Früher feierte man im Omen, im Dorian Gray, selbst ein Frankfurter Magazin von der Oder feierte seinen Geburtstag im Dorian Gray in Frankfurt am Main, aber nur um Frankfurt am Main zu sagen – wir sind auch da. DJ Abyss und Anhang legten vor… alles weitere ist eine andere Geschichte. Und blättert man eine Seite weiter, gibt es über das Groove Magazin zu lesen: „Das hätte sich DJ T nicht träumen lassen…“ Das dumme ist nur, Mr. T ist schon lange nicht mehr beim Groove Magazin. Und man feiert nicht im Monza, dem Club, den Thomas Koch (DJ T) gegründet hat (Ende der 90er), oder im Cocoon Club, sondern im MTW – laut MTW, obwohl im Groove Magazin selbst bisher davon nichts zu lesen ist. Das mittlerweile das Groove-Magazin zum Sprachrohr des Cocoon Club (Frankfurt) wurde, einschließlich Sven Väths Sprechblasen, soll nicht unerwähnt bleiben. Nicht deutlicher kann zum Ausdruck gebracht werden: Die Kiste Frankfurter Clubszene/Electrica Salsa ist mausetot. Auf hören-sagen beruhen die Inhalte, ist das, was nun dem Leser gereicht wird. Kein Vergleich zu dem, was noch in den 90ern des letzten Jahrhunderts nicht wenige beschäftigt hat. Einer meiner letzten Berichte war über den Cocoon Club und Sven Väth. Damals trennte sich Sven Väth von Ralf Hildenbeutel, der bis dahin alles musikalisch umsetzte, und viele Köche ergaben dann… nun ja, eine anderes Album vom Herrn Väth. Und die Verwaltung vom Cocoon Club saß da in frisch bezogenen Räumen im Frankfurter Nordend. Alte Bekannte vom Label Eye-Q/Harthouse, das einpacken mußte.

Daß ich mit dem Herrn Väth und seinen teilweise seltsamen Praktiken über Kreuz lag, wissen einige. Viele wissen aber nicht, daß Sven immer fair war, er nie nachgekartet hat, im Gegensatz zu anderen, auch wenn es bitter für ihn war, die Konkurrenz schadenfroh die Hände darüber rieb – wie Sony Frankfurt. Das Grinsen gefror Sony Frankfurt allerdings auf den Lippen, als der Koch (Marc Spoon, ist inzwischen gestorben) mit seinem rosaroten Plattenauftritt ankam. Sony Frankfurt fand das nun nicht mehr lustig, was es zu lesen gab, ebenso war der „Ambientguru“ aus der Eulenburg in Frankfurt nicht begeistert vom dem Autor, den er einen Tag zuvor noch hochhielt, der nun meinte - „limited Edition“ ist nicht limeted und Live nicht Live“.

Limited, Unlimited… von Genesis gibt es nun ein limited Doppel-The Best Album, so im Fernsehen beworben. Auflagengröße unbekannt, eine Numerierung zu ersehen? Ein Fragezeichen. Schau’n mer mal und das Ganze wird wahrscheinlich eines Tages bei 2001 günstig zu haben sein. Nicht so schick wie meine CanBox oder Police’s „Message in a Box“, ebenfalls limitierte Geschichten und dort beim Bummel entdeckt und mitgenommen.

Liegenlassen werde ich weiterhin die Geschichten, in denen mit verklärtem Blick Neues gereicht wird, was neu nun nicht ist. Ob DJ T seine Housegrooves mit Dingen verbindet, die ihn aus dem Sandkasten krabbeln ließen… es ist thematisch alles durch und einfach nur noch langweilig. Ende der 90er war ich in Hannover, im Flur des Studios stapelweise Vinyl. Ganz oben – Barry White. Aber die Bitte - pssst. Klar doch. In Berlin wen auf das heitere Sampleraten angesprochen – pssst. Klar doch. Die Zeitzeugen werden weniger die darum wissen. Vangelis „Spiral“ läuft nun zum 10. Mal, Jarres Revolutiongeklöppel nicht weniger, wird aber als neuer Sound verkauft - und niemand bemerkt, wie durchgenudelt das alles schon ist. Die Verursacher vielleicht 18 Jahre alt, noch Jungfrauen in der Medienwelt, sind mit wachsender Begeisterung dabei.

Vielleicht ist unter ihnen der kleine Junge dabei, der damals im Plattenladen vor unseren Augen sein Sparschwein köpfte und mit vielen Pfennigen und Groschen sich eine Single-CD kaufte – von Scooter. Wir haben ihm seinen Scooter-Fanstatus verziehen, waren einfach nur über seine Handlung begeistert.

Meine Zeit in der Clubszene ist definitiv vorbei. Laß ich nun die Jungs und Mädels mit dem Zeug feiern was sie vorgesetzt bekommen, ob alt serviert oder neu verpackt - wen interessiert es. Es ist sowieso(so) nicht mehr das, um was es einmal ging. Monika Kruse hampelt immer noch in Berlin herum, Matte aus Köln wird weiterhin vermißt und Sven kann es einfach nicht lassen – was sollen sie auch sonst tun.

In der Schweiz gibt es nun Schultourneen. Künstler/Künstlerinnen brechen zu einer Schultournee auf, um ihr neues Werk vorzustellen. Der Versuch der Firmen wieder eine persönliche Bindung zw. Konsument und Musikant herzustellen, der durch das Internet verloren ging. Ein guter Ansatz und sollte das auch bei uns kommen, lunze ich da mal vorbei – wenn se mich denn neilasse. Mit MTW und Offenbach komme ich nicht weiter – trotz La Boom, die Fete geht weiter

Tags: Ampel, Club, Cocoon, Fete, MTW, Offenbach, Sven Väth, Vinyl

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