Quickie


callboyDie Geschichte ist ja noch nicht fertig, mit dem Bekannten, dem Fahrrad und wipEout 2097.
Zwischendurch frage ich ja immer so beiläufig nach, was er so mit dem Fahrrad anstellt, weil mir das alles schon sehr suspekt ist. Dann erzählt er mir etwas von Kugellagern, Rohloff und was weiß ich alles. Und weil ich davon ja nun absolut keine Ahnung habe, hat er mir einen Katalog mitgebracht. Da kann ich dann nachschlagen um nachvollziehen zu können, von was die Rede ist. Aber so dolle interessiert mich das ja nicht, einzig bei den Klamotten ich immer hängen bleibe. Die interessieren ihn aber nicht, trotz meines Hinweis, daß man nicht mit “wipEout 2097″ rumfahren kann und dabei Schrebergartenklamotten zum Besten geben. Das wäre noch schlimmer als DE auf dem Campingplatz mit Sandalen, Socken und adidas-Hosen am Leib. Am Sonntag wieder mal angeklopft, hat er gemeint, “wipEout 2097″ wird besser, als das, was ich in den Schaufenstern von Fahrradgeschäften sehe. Ich soll mir die mal anschauen, auch mein Augenmerk auf die Reifen, die Tretlager, Federn und anderes legen. Gut, wenn er meint, dann ist nun ein Schaufensterbummel angesagt.

Wenn ich ja so ein Technik-Fetischist wäre, wäre das mit dem Schaufensterbummel gestern bestimmt eine tolle Geschichte gewesen. Rote Zahnräder, Federn finde ich cool, neongrüne Pedale auch, aber ob die was taugen… Rohloff-Nabenschaltung mit Scheibenbremse, tolle Sache, aber irgendwie weit weg… nicht mal im Schaufenster gesichtet. Nicht mal Klamotten hatten sie ausgestellt. Was will ich dann da großartig gucken?

Bin dann ins Grüne, Taunusanlage, Rundschau ausgepackt… hat sich ein junger Mann, um die 20, zu mir gesetzt. Denke ich so zu mir, was will der dann beim Altersheim? Seit die Rundschau das Augenmerk auf das Web 2.0 bis 35-jährige gelegt, da großes Drumbamborium um jenes Portal veranstaltet hat, weiß ich, ich bin schon tot, weiß es nur noch nicht. Zumindest über 300 Jahre alt und für junge Welt keines Blickes mehr wert. Und weil ich mich ja kenne, ich renne auch an Leute vorbei, die ich schon ewig kenne, ohne sie zu erkennen, habe ich ihn gefragt, ob wir uns kennen.

“Nein” so sein Antwort.
Hm…. “Hätte mich auch gewundert, aber gut…”
“Willst du mit mir kommen?”
“Wohin? Zu Starbucks Kaffee trinken?”
“Nein, ich bin Callboy. Ich verkaufe Liebe.”
Aha. (habe ich ihn mir mal genauer angeschaut… kein Luxus-Callboy, aber dennoch appetitlich) “Nee du, weißt, wenn mal gar nix mehr geht, für ein letzten Fun.”
“Ich bin eben nur ein Callboy.”
“Na und? Ist das was besonderes? Die gab es schon bei den ollen Römern.” (hat er gelächelt) “Was soll es dann kosten, muß ja wissen, ob ich das Sparschein plündern muß.”
“100″
Aha. (kurzes Schweigen) “Und wie lange?”
“Bis wir beide gekommen sind.”
“Jo, ist ok.” (ihn angegrinst)

Kurzes Schweigen.

“Aber maximal eine Stunde” fügte er an.
“Wie? Nur eine Stunde? Das ist ja ‘ne Quickie. Das ist ja wie bei den Hasen.” (hat er gelacht) “Nee, also, unter drei Stunden läuft da nix. Ich brauche ja schon eine Stunde um warmzuwerden und dann wäre ja schon wieder bei dir Feierabend. Bei aller Liebe und Achtung für deine Berufung, eine Stunde nur…”
“Dann ein andermal.” … und weg war er.

100 €uro, gut, aber max. nur eine Stunde. Wahrscheinlich sind seine Kunden schon früher fertig - dünne Nummer beim Türklinken putzen. Männer, das ist wieder mal typisch für die. Nach 10 Minuten sind die schon in der Reaktivierungszone. Also neee neee… wie die Hasen, aber nur eine Runde lang, ein Quickie eben.
Und wenn wir das Thema schon haben, also nee… minimum zwei Stunden. Untendrunter braucht mir keine/r zu kommen. Bin eben ein Nachkomme von Klaus. Unter 30 Minuten läuft bei Klaus nix. Wo er mit Snap zusammen war, hat er immer gesagt, wenn es darum ging für Radio, VIVA oder MTV etwas zu machen, das sollen die Jungs machen, die können so eine kurze Kiste. Wenn ich langsam warm werde, sind die schon fertig… Und schaut man bei der jüngsten Produktion mit Schiller, wo Klaus ist schlagen 30 Minuten zu Buche. Schiller alleine, 5-6 Minuten. Quickies eben. Jetzt kann man natürlich oberflächlich erzählen, Klaus zieht alles unnötig in die Länge. Stimmt nicht, denn das machen die, die ohne Worte was erzählen wollen, aber nur eine Strophe hinbekommen. Die pappen diese dann mehrmals hintereinander und dann sind es 12 Minuten. Klaus’ Electronengesang ist eine Welle die sich immer neu erfindet, nennt sich modulieren. Wie am Strand, eine Welle kommt mit mehr Krauseln, die nächste Welle mit keinen oder weniger Krauseln u.s.w., quasi modulierte Phasenverschiebungen auf höchstem Niveau. Das können die heute gar nicht mehr, viel zu kompliziert, böhmische Dörfer sind es obendrein, deswegen coole Quickies allerorten.

Da lacht doch das Altersheim das hüpfende Volk im Gras aus. Und wenn die Grashüpfer so weiter machen, wird das ein lustiger und unterhaltsamer Lebensabend. Nur eine Stunde… wie gut, daß wer den Klaus für einen Atemzug in die Welt gesetzt hat und ich diesen mitbekommen habe. :-)


Verfaßt unter…
Zeit: ca. 60 Min.
Getränke: Cola / Amaretto
Verzehr: nix
Musik: Klaus Schulze - Picasso geht spazieren - First Movement (78:39)

Tags: Callboy, Erotik, Fahrrad, Lifestyle, Quickie, schwul, Sex, Unterschicht

Verwandte Artikel

2 Kommentare zu “Quickie”

  1. Amsterdammer


    Dienstag, 15.April 2008 22:21
    Gravatar of Amsterdammer 1

    Tja Alter, der Frühling kommt, hé ? *gg*


  2. Dienstag, 15.April 2008 23:11
    Gravatar of rü 2

    Daran bist nur du schuld. Du hast gesät… :P