Wenn der hr (Hessischer Rundfunk) etwas abfeiert, MUSS man mindestens 20 Schritte zurückweichen, damit die Sprechblase einen nicht auf irgendeine Art und Weise beschädigt. Man kommt sich mittlerweile vor wie auf einer drittklassigen Plattenbörse, wo alles neu, sensationell und obergeil ist. Der Staatsrundfunk glänzt schon lange nicht mehr durch fachkundiges Wissen sondern zieht eher das Standardrepertoire einer Marketingabteilung ab, die jeden Krümel aufbauscht und feiert, sich selbst dabei am meißten bedenkt. Das mag man alles rund um die Bertramstraße 8 anders sehen, aber meinereiner ist nicht gestern erst auf die Welt gekommen. Und ein Paul van Dyk hat noch nie Elektro gemacht. Der Stolperstein in der Meldung, weswegen nun ein bißchen Text folgt.
Das Sensationelle ist nun das Aufeinandertreffen zweier Welten: Elektronik meets Klassik, oder umgekehrt, wie will – wahrscheinlich ist irgendwem beim hr gekommen, daß Elektro ja doch was anderes im Zusammenhang mit Paul van Dyk, ist.
Guten Morgen ihr da vom Hessischen Rundfunk.
Euch habe ich hier im Lichtermeer nett wen aus der elektronischen Musik gezeigt, ihr hätten nur mal nachschauen müssen…
Jean Michel Jarre in Houston
Der gute Paul war noch in der Schule, da hat Jarre das alles schon der Welt vorgeführt – schaut nach Houston, nach Lyon, nach China. Und wäre die Challenger nicht damals nach dem Start explodiert, wäre mit der Musik von Ronald McNair aus dem All, Jarre unten auf der Erde im Konzert zu erleben gewesen, daß alles gesprengt hätte. Nicht vor 40.000, sondern vor nindestens 1.000.000 Zuschauern/Hörern (eine Millionen) vor Ort. Und klickt euch da auf YouTube durch, da kommt ihr zum Orchester, zu Sängern, zu Jazzer. Und alles im Verbund mit der Elektronik. Nun gut, Jarre backt heute auch kleinere Brötchen, aber er hat es live vorgemacht. Dann reisen wir noch weiter zurück und da lesen wir:
“Quadrophonische Symphonie für Orchester und E-Maschine”.
Da kann ich nur sagen: Macht das Ohr auf.
Und mit Mike Oldfield es nicht viel anders war. Das ist aber dann schon Musikgeschichte.
Mike Oldfield – Tubular Bells 2
Aber besser spät als nie gefeiert. Die “Reloaded-Geschichte” – Meister Propper reloaded inzwischen auch, sei nur angemerkt – wird nicht in die musikalische Geschichte eingehen. Paul van Dyk liefert nichts besonderes ab. Wenn gestern wer die Knöpfchen erfunden hätte, könnte man feiern. Aber die Knöpfe gibt es schon mindestens 50 Jahre. Der Sound ist alles andere, nur nicht revolutionär. Das Arrangement aus dem elektronischen Baukasten nicht weltbewegend. Sich modulierende Moogs klingen besser, viel lebendiger.
Klaus Schulze – WDR Köln 1977
Es ist nett was Paule macht, aber mehr auch nicht. Und wer da singt? Caruso ist es nicht. Vanessa Mae ist auch nicht vor Ort. Also… da gab es schon ganz andere Dinger – z.B. Schulze und die Oper, Vangelis in Athen – aber alles eben nicht mit dem Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks. Der Staatsrundfunk aus Hessen hängt immer hinten an, kommt sensationell immer um Jahrzehnte zu spät.
Sie hätten es doch ganz normal als schönes Event verkaufen können. Und Paul van Dyk ist einer von vielen aus den 90ern. Orbital hat auch die Hallen gefüllt, und noch viele andere auch. Und Remixe sind selten etwas besonderes, in diesem Falle nichts besonderes, was einer Herausstellung bedarf. Meißtens Fabrikware um ein Album zu pushen. Das ist eine andere Art Zirkeltraining, die untereinander stattfindet – wie bei den Talkshows. Man reicht sich untereinander weiter. Du mir, ich dir, ich mich selbst.
Dann gibt der hr einem so ein 120er-Pixelvideofensterchen, damit er morgen sagen kann, bei uns ist alles auf der Homepage, deswegen GEZ – schwarz sehen kommt teuer zu stehen. Kann man aber mit Kniff downloaden, ist dann ein bißchen größer, somit ist das ganz Nette dann auch nett anzuschauen. Den Kniff liefert aber nicht die PC-Ecke des hr.
Und eigentlich… auch wenn da nun ein Grollen zu vernehmen sein wird, da ist noch was:
Elektronische Komposition; 2. Version für Klavier, Schlagzeug und Tonband
Das war 1960. Wir sind wieder in Köln, und da ist heute auch Fasching, mache mer Schluß (Fortsetzung).
Und nun 20 Schritte zurücktreten
Helau aus der Bertramstraße 8.
Link: Hessischer Rundfunk
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