Ungeil


Die deutsche Sprache schlägt schon seltsame Blüten. Irgendwie bin ich gestern auf pro7 hängen geblieben. Es lief „Die 100 nervigsten Popsongs“. Ich habe es leider nur bis Platz paarundfünfzig geschafft, dann bin ich gegangen – entnervt. Jedes dritte Wort war „Scheiße“, die Hauptdarsteller wurden als Aufzucht einer Nachgeburt bezeichnet und wenn der Wortschatz nicht ausreichte, war es einfach nur „ungeil“. Man saß da und staunte.

Les Humphries SingersEin Jürgen Drews z.B. stellte sich als Wertefinder deutscher Popkultur vor. Und da raschelt es doch im Gebälk – Les Humphries Singers; letzte Reihe, da war er aufzufinden. Nicht mal Frontmann war er dort. Vielleicht sein Glück, sonst wäre das Urteil noch vernichtender ausgefallen. Der war auch für die Bravo uninteressant, einfach nur ungeil und deswegen auch kein 1:1- Lebensgrößeposter für den Kleiderschrank im Kinderzimmer.
Jahre später tönte es „Ein Bett im Kornfeld“… Wir erinnern uns? Und noch ein paar Jahre später war er der Pausenclown der Ballermann-Connection, nicht zu vergessen seine Formel-1-Schummiinterventionen, also die andere Formel 1, die nix mit der Formel 1 gemeinsam hat, außer dem Namen, zu der wir jetzt kommen.

Ja klar, die Rede ist nun von Ingolf Lück. Was hat er doch für Sprüche abgelassen und auch da raschelt es… wir haben doch noch irgendwo Formel 1-Videos, jener Musik-/Clipsendung in der Ingolf Lück die Videoclips kommentierte. Jo und siehe da… da klingt alles anders. Stefanie Tücking war auch da. Hat auch mal diese Sendung kommentiert und da auf pro7 war sie so, wie man sie kennt. Das war wohltuend, wenn das „Mädel“ zu Wort kam. Keine „Scheiße“ im Mund und eben im tück(i)’schen Stil. Und wenn man mal anfing nachzurechnen wie alt jene waren, die Ingolf während dieser Sendung auf der Couch begleitet haben, dann kann man nur zu dem Schluß kommen: Das sind spät-/frühpupertäre Kindheitsbewältigungen die da dem Zuschauer geboten wurden. Und unter uns gesagt: Hätte ich auf diesem Level meine Rezensionen geschrieben, Interviews geführt, ich glaube ich wäre nicht bei Klaus Schulze im Studio zu einigen Late-Night-Sessions gelandet. Deswegen werde ich auch ET oder ähnliches wieder aufmachen, weil die Typen, die glauben Popkultur beurteilen zu können, so ungeil sind, daß einem nicht mal eine Großraumpackung Viagra helfen würde, um… naja, ihr wißt schon. Früher haben wir immer gesagt: Lieber schwul, als gar nicht geil. Aber Ingolf Lück könnte sich direkt aus einem Jerome-Abenteuer in hiesige Gemäuer beamen, der ist und bleibt einfach nur: ungeil.

Tags: deutsche Sprache, Kultur, Pop, ungeil

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