Voices on Ice


Die globale Erderwärmung ist ein Thema über das man spricht - mehr aber auch nicht. Zumindest bei den Schalthebeln der Macht. Das konnte man hierzulande gut verfolgen - Klimareport draußen, “Blauer Brief” der EU diesbezüglich Deutschland gereicht…
Geschwindigkeitsbeschränkungen? Lieber nicht. KFZ-Steuer nach Abgaswerten ummodeln? Ja, aber nur so, daß keine Mehrbelastung für den einzelnen entsteht. Man kann ja später die Steuer erhöhen - der Umwelt zuliebe. Alternativen Energieanbau fördern? Gar Energiekorn zulassen? Nee, nee… bitte ja, das widerspricht unserem ethischen Kodex. Aber unter uns gesagt - solange am Straßenrand Autos warmlaufen bzw. “warm gehalten werden”, weil Frau Partygirl Lockenwickler beim Schlecker holt, die Wartezeit mit technoiden Hallo-wach-Klängen untermalt wird, solange ist das Benzin noch zu billig.

Es gibt ja viele Beispiele um aufzuzeigen, wie scheißegal der Politik, den Bürgern hierzulande teilweise die Umwelt ist. Das wird mal saisonbedingt hochgeköchelt von den Medien, je nach dem was gerade auf dem Tablett gereicht wird, und dann war es das schon. Frau Müller fliegt, Herr Schmidt fliegt… für 29 €uro in den Süden - auf Kosten der Umwelt, auf Kosten von Natur, den Anwohnern, den nachkommenden Generationen und obendrein noch subventioniert. Schließlich hängen 1000 Arbeitsplätze dran - laut Lufthansa, Miteigner von Condor. Für 29 €uro kann man mit der Bahn gerade man von Fulda zur Arbeit nach Frankfurt fahren. Wir lieben Fliegen.

Aber es gibt ja auch die anderen, jene, die so platte Argumente nicht gelten lassen, wie sie gerne von Industrie und Politik benutzt werden, um den Knebel “Umwelt” auszuhebeln. Eine besondere Aktion, eine Liebeserklärung an die Umwelt und das Eis, fand vor einer knappen Woche in den Tiroler Alpen statt.

Tim Linhart, renommierte Eis-Bildhauer, hat sich mit dem Konzert “Voices on Ice” nicht nur einen Lebenstraum erfüllt, er hat auch auf einer ganz besonderen Art aufgezeigt, daß das Eis jede Anstrengung wert ist, den Prozess des dahinschwindens versuchen aufzuhalten. Eine kleine Konzerthalle aus Eis und die Musikinstrumente ebenso aus Eis. Die Geige aus Eis, man soll es nicht glauben, bezirzt ebenso Vivaldis Winter, wie ihre Schwester aus Fichte und Ahorn. Die Herstellungsweise der Geige die Gleiche. Doch was, wenn das Eis schmilzt? Die Klänge verstummen, die Alpen nur noch ein Geröllhaufen, grau in grau, der vielleicht so manche Leiche freigibt. Kein “White Out”, keine bizarren Farbenspiele des Eises und auch kein Schwanengesang, dargebracht von einem Eistreichquartett. Der Preis ist heiß und wird uns eiskalt von der Natur serviert.

Ob Tim Linhart mit seinem Eiskonzert etwas in den Köpfen bewirkt hat, wird die Zukunft zeigen. Die globale Tendenz in den relevanten Schaltzentralen auf dem Globus, spricht eher dagegen. Aber er hat uns auf einer phantastischen Art aufgezeigt: Das Eis hat eine Stimme. Und jede Stimme ist es wert, erhalten zu werden.

Quelle/Bild: Kulturzeit [3SAT]

Tags: Erderwärmung, Umwelt

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