Waschzettel
Folgende Textpassage kann bei Alternativmusik nachgelesen werden:
Klaus Schulze + Lisa Gerrard - Farscape
Da haben sich zwei gefunden! Das war schon der Eindruck bei der bloßen Meldung, dass Klaus Schulze und Lisa Gerrard sich zusammengetan haben. Beide durchaus mit einem anhaftenden Legendenstatus – Schulze durch Tangerine Dream, Gerrard durch Dead Can Dance. Da ist die Erwartungshaltung schon im Vorfeld groß. (link)
Darüber bin ich heute Nacht gestolpert (1:25h) und als Gute Nacht-Betthupferl gab es für den Alternativschreiber von mir:
Absoluter Blödsinn der da verzapft niedergeschrieben wurde. Wieviele Alben war Klaus Schulze bei Tangerine Dream? So ein Quatsch. Beschäftige dich mal bitte mit KS dann klappts auch mit der Erwartungshaltung an die alternative Musik hier. Du hast dein lebtag noch keine alternative Musik gehört. Mann mag den Schmarrn net lesen, der da noch kommt… ich seh nur: Soundsphären dieser Art hört man selten.
Von welchem Stern bist dann geplumst?
In diesem Sinne rü
Veröffentlicht hat er diesen Kommentar (noch) nicht, ich wollte ja noch fragen, wer denn Dead Can Dance überhaupt ist. Weiß er wahrscheinlich auch nicht. Die Löschung des Kommentars kann man auch nachsehen, ist auch nichts Ungewöhnliches in der Welt der Blogs, denn wie anderswo auch - nur nicht die Bettdecke lupfen, der Mist muß nämlich dann erst verdaut werden, der da ans Tageslicht kommt. Die Tage bin ich schon mal über so ein Geschwafel gestolpert. Laber, laber, blubber blubber, und nix inhaltliches verwertbares, von Vergangenheitsbewältigungen aus der Kiesgrubenzeit (Sandkasten) abgesehen, rübergekommen. “Spirit of Eden” von Talk Talk 20 Jahre später rezensiert. “Join Inn” von Ash Ra Tempel gar 35 Jahre später bewältigt und lupft man die Bettdecke noch mehr, da stellt man fest: niemand da, da war der Vater des Schreiberlings noch in anderen Betten unterwegs.
Man kann vielleicht kleine Jährchen überbrücken, aber keine Jahrzehnte. Man selbst weiß nur das, was aus dritter Hand gereicht, was teilweise hanebüchene Formen annimmt, und wie will da wer eine Platte beurteilen? Dabeigewesen? Nein. Zeitepoche miterlebt? Nein. 30 Jahre Entwicklung im Ohr? Nein. Den Zeitgeist erlebt? Nein. Es kann nix werden mit der Rezension, von der Eigendarstellung – ich bin … gestolpert – abgesehen.
Nicht mal ich würde heute inhaltlich eine Platte wertneutral rezensieren können, für die ich durch halb Hessen getrampt bin. Geht nicht, zuviel Entwicklung im Ohr. Ich habe hier Platten von IC, Schulzes Ex-Label vorliegen, die würde ich heute nie mir anlachen – zu langweilig und trocken. Hausmusik aus der Alleinunterhalterbranche. Die landen auch nicht auf der Festplatte, nicht mal als klitzekleiner-Kompressionsschnippel. Aber vor 20 Jahren war das in Ordnung. Wobei es da auch wenige gibt, die durchaus heute noch mitlaufen können. Die haben dann den Stempel (Tag/engl.) „Ambient“ , den es damals als Musikstilrichtung noch nicht gab. Auch Enos „Airport“-Geschichten liefen unter New Age und in diesem Fach mußte man bei WOM wühlen, um Eno zu finden. Wenn man Glück hatte, fand man ihn auch unter „Electronic“, wie Klaus auch.
Aber der Alternativschreiberling hat gute Vorväter. Die Promoabteilung von „Spirit Zone“ schickte die Info (Waschzettel) mit einer Platte an alle heraus, daß Steve Schroyder, der Mitbegründer von Tangerine Dream mit Star Sound Orchestra bei ihnen eingelaufen ist. Diese Nachricht schrieb mein Chefredakteur als News und als ich es dann in der Ausgabe laß, habe ich ihn natürlich angerufen, ihm gesteckt, daß das Blödsinn ist, was da geschrieben steht. Einen Monat später gab es Chefredakteurschelte in Richtung Spirit Zone, wobei die ja auch nix bis wenig dazu können. Das hat Schroyders Büro rausgeschickt. Aber als Schreiberling muß man kontrollieren, gegenchecken, die Leser sollen ja nicht verblöden, sondern ihr Wissen erweitern. Etwa zwei Monate später saß ich Edgar gegenüber, wieder einen Monat später, ward es amtlich mit seinen Worten richtig gestellt worden.
Heute ist das ja alles noch verwaschener, wird eines Tages der elektronische Datenmüll des Internets das letzte Fitzelchen Wissen unter sich begraben. Vielleicht nicht tragisch, da die Musik sowieso(so) größtenteils aus der Fabrik kommt, den Mut zur Lücke die wenigsten finden, und wenn sie die Lücke nehmen, will es keiner hören, ist niemand mehr da, der solche Musiker/Bands unterstützt.
Und nein, meine Zeit ist vorbei. Mein Part ist erfüllt und ich hab‘ auch viel geschubst. Gefaulenzt und Waschzettel verteilt habe ich jedenfalls nicht.
Verfaßt unter…
Zeit: knapp 60 Minuten
Getränke: Milchkaffee
Verzehr: Hefezopf
Musik: V.A. (Fila Brazillia): Brazilification (Remixes 95-99)
Lust zu stöbern?






