ZeitungszeugenBei meinem Tabak- und Zeitungshändler lag heute so ganz dezent eine Zeitung aus. Und zwar so, daß man unwillkürlich einen Blick drauf wirft. Da man noch nicht dran ist, schaut man was da so ausliegt. Der Stern steckt ein Model in eine überdemensionierte XXXL-Hose und verkündet, daß Übergewichtige 60 kg mit ihnen, dem Stern, ruck-zuck abnehmen können. Langweilig. Das erzählen die 7-Tage Zeitungen jede Woche meiner Mutter auch, sogar mit vorher-nachher-Bild. Das Mädel, was der Stern halbnackt abdruckte, hat noch nie 60 kg Übergewicht gehabt. Seelefängerjournalismus und die Lebenslüge: Schlankheit macht lebensfroh, denn es gibt viel mehr dünne Tote, als dicke Tote. Es war nur ein Kunde vor mir, weswegen ich nicht weiter da schauen konnte, was da noch liegt, bis auf die neue Zeitung: Zeitungszeugen – Die Presse in der Zeit des Nationalsozialismus.

Das Format, modern wie die neue FR (tabloid), aber viel dünner und viel, viel teurer 3,90€uro. Da schaut man sich das doch erst einmal genauer an. Da steht dann: Historische Zeitungen erstmals vollständig nachgedruckt. Was meine Oma gelesen hat, mein Vater später auch, meine Mutter nur bedingt (geboren 1933), kann ich nun auch lesen und zwar so, wie sie es lesen konnten. Das Ganze wird begleitet von einem Team, was sich zur Aufgabe gesetzt hat, mit Hintergrundinformationen den Artikeln aus “Deutsche Allgemeine Zeitung“, “Der Kämpfer“, “Der Angriff“, “Der Arbeiter” den richtigen Blickwinkel zu geben, den meine Oma, mein Vater, meine Mutter nicht hatten. Das muß dazu gesagt werden. Es ist immer leicht mit dem Stand der heutigen Zeit, Vorwürfe in Richtung älteres Semester zu richten, zumal die heutige Jugend schon bereit ist, für einen Kasten Bier mit der NPD zu laufen. Das ist so, und das kann nicht oft genug erwähnt werden. Und bevor wer seine Vorwürfe in Richtung der damals 16-jährigen in Stellung bringt, soll doch bitte erst mal zeitnah, vor der eigenen Haustüre tätig werden. Da hat er genug zu tun, reicht sein restliches Leben nicht aus.
Das Schriftbild der Zeitungszeugen ist dementsprechend auch aus dieser Zeit. Probeme bereitet mir die Schrift wie sie z.B. als Überschriften in “Der junge Pionier” zu finden ist. Ich glaube das ist die ganz alte deutsche Schrift, die meine Mutter noch lernen mußte. Diese Enzifferung bekomme ich ohne Mutters Hilfe so nicht hin, während die modernere Variante, glaube alt-Deutsch, kein Problem darstellt. Das rührt aus meiner Kindheit her, denn ich habe oft die Märchenbücher von meiner Mutter und meiner Oma gelesen und diese waren nur in dieser Art Schrift verfaßt. Habe ich anfangs genörgelt “zu dünn”, aber die “wenigen” Seiten wollen gelesen werden, und die lesen sich nicht so leicht wie die FR oder die FAZ der heutigen Zeit. Das ist gewissermaßen Unterricht, man muß sich konzentrieren, seine sieben Sinne vorher beinander suchen, sonst wird es nur schwer möglich sein, dem ganzen Ablauf folgen zu können. Es ist kein Roman, kein schillerndes Märchen, sondern die Zeitung von 1933, die es von nun an wöchentlich geben soll und ein Sammelwerk darstellt.

Eine wie ich finde lohnenswerte Geschichtsstunde, die sich auf mehr als eine Zeitstunde erstrecken wird, sofern man daran interssiert ist.

Link: Zeitungszeugen


Verfaßt unter…
Zeit: 1 Std.
Getränke: Milchkaffee
Verzehr: Marmeladebrot (Annanas)
Musik: —

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10 Anmerkungen zu “Zeitungszeugen”

  1. Buteonia sagt:

    Und wohin geht der Gewinn aus dem Verkauf dieser Zeitung(-en)? Wer stellt sicher, daß ich mit dem Kaufpreis nicht doch irgendwelche besonders subtile Rechts-Propaganda unterstütze? Die Erklärungen im Mantelblatt sind eindeutig kritisch und sollen zum Nachdenken anregen, so weit sogut. Aber wer profitiert letzten Endes aus dem Erlös? :head:

    • sagt:

      Der Gewinn dürfte nicht sehr groß sein, inhaltlich dürfte sogar der Stern weit überholt werden – Zeitungszeugen kommt ohne Anzeigen, sieht man von dem Werbebaltt im tabloid-Großformat ab, was von den Sozialdemokraten (Liste 1) stammt: Der Arbeiter im Reich des Hakenkreuzes! Ich denke auch nicht, daß das Team hinter Zeitungszeugen fleißige Besucher der Gaststätte “Linde” (Wölfersheim) sind.
      Sicher kann wer rechtslastiges sich das an die Wand hängen, auf NPD-Parteitagen dies hochhalten. So etwas wird nicht ausbleiben. Das ist wie mit der FR, als sie auf der Titelseite die Olympiafahne auf dem Himalaya zeigte. Die FR das westliche Sprachorgan der chinesischen Regierung, Chinapropaganda in Frankfurt auf Seite 1? Das ist natürlich Blödsinn, aber wenn ich es so drehen will, weil ich es so brauche, dann ist die FR politisch von China unterwandert, ein Deutsch-Chinesisches Propagandablatt für China.

      Am besten ist es sich eine Ausgabe kaufen, lesen und sich selbst ein Bild von den Zeitungszeugen zu machen.

  2. mama sagt:

    Da Zeitungszeugen nicht nur “rechte” Blätter beiliegen, kann man das Argument entkräften, dass es ls Propaganda missbraucht werden kann. So liegt der Ausgabe 1 auch das kommunistische Blatt “Der Kämpfer” bei. Dies könnte ebenso von linken auf Parteitagen geschwenkt werden.
    Zeitungszeugen ist außerdem keine Propaganda, weil Du in jeder Zweitklassigen Uni-Bibliothek die neuaufgelegten Zeitungen ausleihen und Kopieren könntest… mit samt den Hakenkreuzen und all dem ideologischen Verirrungen der damaligen Zeit.
    Schlussendlich sind zudem noch die kurzen aber aussagekräftigen Kommentare im Mantel, welche die Inhalte der der über 75 Jahre alten Tagesblätter ins rechte Licht rücken.

    Klar ist man nachher immer schlauer… aber deswegen lernt man ja auch aus der Vergangenheit… wenn man denn will!!!

  3. Trude sagt:

    Schlimm genug, das die Deutsche Geschichte verpöhnt ist und nicht mal im Deutschen Unterricht behandelt wird. Schüler wissen heutzutagen reichlich wenig über die damalige Zeit. Man braucht sich also nicht zu wundern, wenn sie sich ein eigenes Bild machen.Anhänger der NPD werden und rechte parolen rufen.
    Jetzt beschäftigt sich endlich auch der Geschichtsunterricht mit solchen Themen. Schüler wie Lehrer kaufen die Zeitung und die Deutsche Geschichte wird endlich aufgearbeitet. Was soll also falsch daran sein? Das der Deutsche auf die Vergangenheit nicht stolz sein kann ist klar aber es ist nun einmal passiert und unsere Kinder sollten wissen wie das passieren konnte um die selben fehler nicht zu wiederholen.

  4. sagt:

    Bild sich machen + nachdenken…

    Das mit dem nachdenken ist so eine Sache, die anscheinend vielen nicht in die Wiege gelegt worden ist. Mein Jahrgang ist sinngemäß zwei Jahre mit’m Karl über die Furt gelaufen, die Jahre 33-45 waren so zwei, drei Wochen, von dem Film “Die Brücke” mit Volker Lechtenbrink u.a. abgesehen. Es ist ja nicht so, daß alles unter Verschluß liegt. Wenn man wirklich will, liegt alles für einen offen da. Die Schule ist vieleicht der erste Ansprechpartner, aber wenn diese Institution versagt und mir begegnet, wie mir passiert, ein Plakat mit dem idyllischen Bild von Pfadfindern, der Lockruf einer tollen Gemeinschaft, dann renne ich nicht kopflos los, wenn man so halbwegs normal aufgewachsen ist. Ist natürlich das Umfeld murks, kommt es auf das bißchen auch nicht mehr an.

    Und ob ich alles so halbwegs verstehe… oben in Kassel gab es lebendigen Unterricht, mit Lehrer und Betroffenen der Nazi-Verfolgung. Die Schüler haben verstanden.

  5. neon sagt:

    Leider schon wieder verboten dank des Zentralrates der Juden und deren Analkriecher in Bayern! :[
    Das die was vertuschen wollen,ist mir jetzt klar!!
    Also war die Geschichte doch so,wie sie mir die Alten,die selber dabei waren erzählt hatten und nicht so wie der zdj sie gerne hören will.

  6. sagt:

    Tja, das ist gar nicht mal so verkehrt. So wissen wenigstens auch die Jungen was für fragwürdige Mächte da am Werk sind, welchen Herr DE dient. Und nicht umsonst ist jenes Volk seit der Erfindung der Bibel auf der Flucht. Kommt auch nicht von ungefähr. Da waren wir in DE noch gar nicht auf der Matte, haben’s schon die Hucke voll gekriegt – warum wohl?

  7. Klaus sagt:

    :evil: Ich kann dem nur beiflichten was alle sagen,wie lange will man uns eigentlich alles vorschreiben was wir tun und machen. Reicht es nicht das in Berlin eine sitzt die alles runterwirtschaftet und dem Bürger alles wegzieht. Da kommt jetzt eine Zeitung die über das berichtet was gewesen ist ,die reine Wahrheit und nichts als die verdränkte unbequeme Wahrheit vieler Leute. Warum sollen wir das uns gefallen lassen ,in Kiosken, Zeitschriftenläden kamen bald Hundertschaften von Polizei um das einzusammeln ich sage nur lächerlich. Warum wird dieses nicht auch in Schulen durchgenommen wie auch schon einer sagte ,die Jugend ist zwar durchgeknallt aber nicht so als würden sie gleich los marschieren,ich halte dies nicht nur für eine Bevormundung ,nein wir sind alle entmündigt und müssen nach der Pfeife des States tanzen. Was ist mit dem Buch
    “Mein Kampf”jahrelang verpönt und was ist mit Wochenschauen all dieses ist doch nicht anders,ich kann einfach nicht verstehen welche Zensur wir haben ,es ist doch nichts anders als früher gewesen ist da durfte man auch das wissen was nicht schädlich war. Ich sage nur eins wann werden die Leute endlich mal wach, und laufen nicht hinter einer Person her die nur Wahlgeschenke verteilt wenn sie was will von den Bürgen und diese Person ist auch maßgeblich dran beteiligt. Zum Schluss sei gesagt das dieser fadenscheinige Vorwand zum ersten hätte Bayern die Rechte seit dem Krieg und zum anderen könnten die Neos die Zeitung nutzen zur Propaganda ,ja wo sind wir denn und woher kommt es denn das dieses Volk wieder da ist ,aus dem Grunde eben das die Bürger nicht wissen bei Wahlen wen sie wählen sollen und da fällt schon mal ein Kreuz auf diese Partei ab so denke ich mirund das Ende vom Lied diese Partei wird immer dtärker . Aber man sollte dochuns überlassen was wir lesen und ob wir es den Kindern erzählen oder zeigen wie es früher war ich finde eine bessere Geschichtstunde gibt es nicht un wir Erwachsene laufen bestimmt nicht herum und kleistern die Bätter an die Wand ,einfach lächerlich . Ich sage immer wieder wir sind genau wie die drei Affen ,nichts hören ,nichts sagen, nichts sehen und dies wird wohl in Deutschland immer der Fall sein, :4u:

    • sagt:

      Solange es die Zeitzeugen der Adenauer-Ära gibt, solange wird DE buckeln, sich ducken, wenn nur der Judenstern zu sehen ist. Erst wenn der letzte “Adenanuer” gegangen ist, besteht die Chance in DE mit diesem Thema normal umzugehen. Die Alten sind nämlich dem Drang verfallen, alles irgendwie gutzumachen, jegliches Ungemach vom jüdischen Volk abzuhalten. Das geht soweit, daß jüdische Bürger geehrt werden, weil sie Jude sind. Unter anderem gab es – auch wg. Ignatz Bubis – Straßenschlachten in Frankfurt (Spekulant) und weil das alles so toll ist was Bubis für Frankfurt tat, hat er auch eine Brücke bekommen als er stab. Ein Ignatz Bubis hat nicht ein Stein in Frankfurt nach 1945 beiseite geräumt, nicht ein Stein auf den anderen gesetzt, damit Frankfurt wieder neu entsteht. Eine Verfälschung des Zeitgeschehen auf eine andere Art. Wie schon geschrieben, solange diese Adennauer-Generation die Mehrheit stellt, solange muß und wird DE dienen. Problem sind nun die belesenen 68er, die sich berufen fühlen das Erbe anzutreten. Ein kocksender Friedmann – leuchtendes Beispiel in vielerlei Hinsicht – wird hoffiert, ein Liedermacher rausgeschmiessen. Denn merke: Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht das Selbe.

      (Anm.: Siehe auch Fr-Blog (Bronski) wo ein Leser mit jüdischen Glauben verlangte, das deutsche Grundgesetz auszusetzen, die Meinungsäußerungen die gegen die politische Klasse Israels gehen, nicht zuzulassen. Summasummarum: Lasse diesen Menschenschlag von der Leine, sie handeln nicht anders wie die mit dem Hakenkreuz auch. Ich bin, du nicht.

      ach… kannst ja nicht mehr nachlesen, Bronski hat alles damals weggeschlossen, die FR-Hütte hat gebrannt.)

      • sagt:

        Heute gab es eine kleine Diskussion, ob dies nicht “lebendige Geschichte” ist, mehr oder weniger zum Plan der “Zeitungszeugen” gehört, um aufzuzeigen… :head: möglich ist alles in diesem Lande.

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