Brotlose Künste
Der heutige Tag ist gekennzeichnet von Resümees. Das lag an der Graupensuppe, die mir, dank meiner Gabe drei Dinge auf einmal bewältigen zu wollen, angehangen ist. Ich will nicht schreiben verbrannt, weil ein wenig habe ich schon noch retten können. Das ging sich so halbe/halbe aus. Zum satt werden hat es dann aber nicht gereicht. Ist dann ein Appetizer Marke „Frankfurter Hof“ geworden. Dort gibt es, wenn man zu mittag speist, zwei Kartoffelscheiben, eine Scheibe Fleisch, schöne Soße drüber und für das Auge noch etwas Grünzeug. Satt wird man davon nicht, aber ein Gourmet ißt sich ja nicht satt. Er ißt sich hungrig. So ging es mir mit meiner Graupensuppe. Und die Graupe erzählt, wie der berüchtigte Kaffeesatz auch, Geschichten. So und so.
Der noch genießbare Teil fegt den Darm frei, frei nach dem Motto: jedes Böhnchen ergibt Tönchen, und das, was nicht mehr genießbar war, erzählt von: was war, was ist.
Vor 10 Jahren etwa, war das was hier im Weblog zu sehen ist, eine Aufwärmrunde. Jeden Tag an die 50 News verarbeitet, und das Wissenswerte auf unserer Seite eingebaut. Unsere Datenbank ausgebaut, gepflegt, Zeitschriften ausgewertet… Rezensionen schreiben, Interviews machen… die Liste ist lang. Reich bin ich dadurch nicht geworden, weswegen mein Vater immer sagte: „Brotlose Künste sind das“. Aber wir waren wer. Ich habe immer dann auf sein Vereinswesen hingewiesen und gesagt: „Brot bringt dein Verein auch nicht, der kostet dich nur.“ Es waren dann die gesellschaftlichen Werte, die gemeinnützige Arbeit um des Frankfurters Wohl, die ihm dann einen Trumpf mehr gaben.
Heute ist sowohl seine Abteilung, als auch mein Betätigungsfeld, irgendwo im Nirgendwo anzutreffen. Meine betreuten Firmen sind größtenteils pleite, allen voran EFA *snieft*, das Interesse an den innovativen Produkten weitaus geringer als noch vor fünf Jahren, die Kreativität der Aktivisten Richtung Gefrierpunkt gesunken, der Aufgabenbereich somit gänzlich weggefallen. Und da fragt man sich schon: „Für wen und was, hast dich da so lang gemacht?“ Nüchtern betrachtet ist nun alles Datenschrott geworden. Nun könnte ich hergehen und damit das Lexikon „Wikipedia“ aufpeppeln, da dort einiges an Unfug gelistet ist. Für die Beweiskraft der Richtigstellung würden u.a. Tonbänder gereicht werden. Nicht von irgendwoher aufgeschnapptes Wissen, sondern die Original-Quellen herangezogen. Liegt ja alles vor. Gebe ich ja zu, da juckt es mich in den Fingern. Aber dann kommen schon die Graupen angerollt. Wenn ich mir dann vor meinem geistigen Auge das übliche Forengebaren vorführe, vielleicht noch Diskussionsrunden wegen einer Richtigstellung in der Wiki-Abteilung führen sollte, weil wer es woanders anders gelesen hat, da gefrieren mir die Finger ein. Zeitzeugen sind nun mal out.
Gleiches Spiel beim Spieledesign. Monate, Stunden damit verbracht, dann hingeschmissen. Netter Datenverwalter aus Österreich – der hat ne Hochburg, fünf Server und mehr hinterm Bett stehen
- fragt letztens häufiger nach, ob ich nicht wieder zurückkomme. Sind ja nette Kerle, gebe ich ja zu, auch wenn sie aus Österreich sind. Aber auch hier die Frage: „Für wen oder was…“ Dafür, daß jeder ohne Sinn und Verstand sich zum King Louis aufschwingt? Wieder anfangen jedes Kraut rechtfertigen zu müssen? Im Baubereich hatte ich schon meine Freiheiten, aber ich brauche nur UO-World aufzuschlagen um zu wissen, laß ja die Finger davon.
Gleiches Spiel, nur andere Werkzeuge, beim Theme für Firefox basteln. „Glitch“ wird nie veröffentlicht werden. Vorgehabt habe ich es ja. Aber was dann daraus gemacht wird, gefällt mir überhaupt nicht. Bei „SaFire“ von Bazon Bloch ist mir die Internetmentalität, die ein Spiegelbild der Gesellschaft darstellt, sehr deutlich vor Augen vorgeführt worden. wir leben in einer Nehmergesellschaft. Nur der Download-Link zählt, der gewisse Contentanteil einer Internetseite. Im Produkt selbst wird aus blau, rosa oder grün, und schon feiert man es als eigene Kreation, verschweigt woher alles kommt. Das kann man alles u.a. auf DeviantArt oder Mozilla verfolgen. Und so ebbes brauch ich nun nicht. Sollen Bilder anschauen, selber basteln und gut ist. Deswegen habe ich auch mein Account ganz schnell wieder zugeschlossen.
Brotlose Künste. Für nicht mal ein Eisbällchen reicht es im Sommer, oder einen Grog im verschneiten Winter. So gesehen hatte Vater recht.
Die Graupensuppe hat es an den Tag gebracht. Muß ich nun zum meinem Pakistani was essen gehen, sonst falle ich hier noch vom Hocker.
Schönen Sonntag, Gruß S.i.T.
Tags: Datenschrott, Graupensuppe, Theme







Sonntag, 19.November 2006 14:14Ich hab in meinem Leben schon dreimal angebrannte Graupensuppe gegessen:
-als ich aus den Uni-Diensten entlassen wurde (das war, als Nicole den ersten Grand Prix Eurovision de la Chanson nach Deutschland gebracht hat);
-als ich meinem erlernten Beruf des Agraringenieurs den Rücken gekehrt hab (das war, als Boris Jelzin besoffen vom Stuhl fiel und Putin sich draufgesetzt hat);
-als ich als Folge von nine-eleven meinen Arbeitsplatz in der Automatisierungsbranche (Oracle) verloren habe (das war, als am offenen Grab von Hildegard Knef rote Rosen regneten).
Immer wieder geht eine neue Tür auf, und ich bin froh, dass ich nicht das gleiche tue wie vor zehn und zwanzig Jahren. Heute versuche ich, den pubertierenden und hyperaktiven Nachfahren des Volendammer Paling-Sounds Deutsch beizubringen. Und warum? Weil der Staat Leute suchte, die Deutsch konnten. Von einem zum anderen Tag war ich auf einmal a)Lehrer und b)Student in Amsterdam (wegen der fehlenden Lehramtsbefähigung). Von a) hab ich nie geträumt als Kind, von b) wohl…
Aber ich bin sicher, irgendwo in einem Supermarktregal steht die nächste Tüte Graupensuppe und wartet auf mich
Montag, 20.November 2006 00:27meine Güte, was google so alles kann
Translation:
(that was, as Boris Yel’tsin besoffen of the chair fell and Putin draufgesetzt themselves)… :-]
Montag, 20.November 2006 19:32Hast schon recht mit der Nehmermentalität in Sachen SaFire. Das ist halt das alte Internet-Leid.
Man muss es aber von beiden Seiten sehen, SaFire ist eine Weiterentwicklung von hills liegengebliebenem Safarifox, iFox ein SaFire für 2.0 in hundert Bonbonfarben.
Wer die meiste Energie und Kreativität reingesteckt hat, darüber werden wir uns nicht streiten müssen.
Wirst schon sehen, wenn der Bazon wieder Zeit hat, wird klar Schiff gemacht!
…aber das es deswegen keinen Glitch-Fx für mich gibt, macht mich schon traurig.
Montag, 20.November 2006 20:36ohoh…
*kopfkratzt*
Dienstag, 21.November 2006 11:57PS: Ich mag deine Smilies.