iGuude
/me meldet sich zurück und freut sich auf sein Bett. Und man muß nur drei Stunden durch Frankfurt laufen, kann man fast mit der Rundschau konkurrieren, was den Tratsch angeht. Fängt dann immer mit “Ei Guude wie?” an… Obwohl, mein Tratsch ist ja besser, wg. Unterschicht pur, nicht schöngeredet, mit Blick über Frankfurt vom Main aus. Eben in einfachen Worten der Welt in Frankfurt in den Allerwertesten getreten.
Momentan ist ja in Frankfurt das Thema “Radfahrer” angesagt. Ist ja eine mittlere Katastrophe mit dem Rad durch Frankfurt zu radeln. Aber, als Fußgänger am Main muß man viel mehr mitmachen. Doppelzange der Radfahrer, von hinten mit mind. 40 km/h angeschossen, keine Klingel, Brille mit Scheuklappen auf, NewWave-Helm - gib alles. Von vorne kommen die 8-rädrigen angerattert (Inliner), dazwischen die mit den Stöcken (Nordic) und nicht zu vergessen, die immer im Dauerlaufzustand sind. Wer fehlt noch? Richtig, die motorisierten Zweiräder. Die fahren nun auch am Main herum. Also liebe Radfahrer, begebt euch zu Fuß von der Gerbermühle zum Eisernen Steg - have a nice day.
Bin dann über den Eisernen Steg, zum Römer ins Forum Frankfurt. Dort bekam ich zu hören, daß ich eine Karte vom Stadtwald an der Oberschweinstiege mitten im Wald bekomme. Aber umsonst gäbe es die nicht. Habe ich der Dame erklärt, daß ich die nicht umsonst will. Ich müßte trotzdem zur Oberschweinstiege. Von hinten der Zuruf: “Im Oberforsthaus gibt es die auch.” “Also, damit ich das auf die Reihe kriege; ich muß in den Wald, um vom Frankfurter Stadtwald eine Karte zu bekommen. Sie haben hier keine Karte, dafür aber die 68er reihenweise ausliegen.” “Ja, Oberforsthaus oder Oberscheinstiege.” “Toll, dann bleibe ich bei der Karte aus den 70ern. Der Wald steht ja noch.”
Schau ich mir die Auslage im Forum an, was sehe ich da? Schwarze Sweatshirts mit weißem Druck - iGuude. Mich umgedreht. “Ach, seid’s auch schon dahinter gekommen? Was sollen die dann kosten? “24,95 €uro.” “Das ist zuviel für das bißchen.”
50 Mark für geklautes Merchandising und dann so einfach nur aufgedruckt. Das mache ich besser und billiger - mit Walter Moers als Leihgabe. Aber das ist wieder mal ein Zeichen dafür, wie arm Frankfurt aufgestellt ist und denken, wie hipp sie nun sind. Egal ob hr (Hessischer Rundfunk) oder die Stadtoberen, die können net mal was schlecht selber erfinden. Und dann wundert sich Welt, wenn ich nur müde abwinke.
Bin dann weiter ins Gallus. Tatort Adam-Riese-Str. Feiner Pinkel (so sagen Frankfurter zu fein angezogenen Leuten) bückt sich an der Ampel, zieht sein Schuh aus. Und was sehen die Unterschichtaugen? Ein Loch im Strumpf. Frühkartoffeln. Der Mann zieht wieder seinen Schuh an, Ampel grün, wo geht er hin? In die Commerzbank, die dort viele, viele Büros hat. Was soll uns diese Geschichte nun erzählen? Stichwort Bankenkrise.
Daheim ist daheim. Beim Mittagstisch mit Griechenland zusammengesessen, kam das Gespräch auf Kleider, XL, XXL, falsches Waschen wo Langarm zu Kurzarm wird und auf einmal waren wir bei der Unterwäsche. Sie, die Hausherrin, attraktive Frau um die 40, kam auf die Idee, dann den Wechsel zu vollziehen um den Schrumpfprozeß so lange wie möglich hinauszuziehen. Also das ockergelb von hinten mit dem zitronengelb von vorne tauschen. Irgendwie so. Ich wußte ja erst gar nicht was die gute Frau will. Ich muß geschaut haben, wie ein Auto, nur nicht so schnell. Da meinte sie trocken: „Ihr Männer wechselt doch nur alle drei Wochen die Unterwäsche.“ Wie bitte? Ich habe noch mal nachgefragt, hat sie breit gegrinst. Sag ich: “Weißt, du kannst mich hier sofort auspacken, aber so was wirst nicht finden. In welchen Kreisen verkehrst du eigentlich?” Hat sie noch breiter gegrinst. Ihr Bruder, der mit am Tisch saß, jener mit XL-XXL hat nur noch gelacht. Ja ja, die Mädels… ohne Worte.
Eine Stunde später kam nettes Franzosenmädel, zog mich beiseite und fragte ob ich wüßte… Hat sie erzählt, daß sie sich nun endgültig von ihrem Mann trennt, ob ich helfen würde, PC einrichten, Möbel tragen… Klar doch. Das sind die anderen Geschichten im Gallus. Was da die Männer ihren Familien nur mit Alkohol und der Zockerei antun… In zwei Stunden verzocken die den Monatslohn und die Frau weiß nicht, was sie den Kindern zum essen hinstellen soll, drei Monatsmieten im Rückstand. Trotzdem lachen die Kinder. Aber hinter ihrer Fasade wird es anders aussehen. Die Frauen bewundere ich ja.
Das Gallus ist ein großes Dorf in der Weltmetropole Frankfurt mit Straßenbahnanschluß in die weite Welt. Geschichten reihen sich an Geschichten - “Höite zu Mittag” so stand es auf einer Tafel, mit weißer Kreide geschrieben, nicht unweit des Chinesischen Konsulat, was nun mit Stacheldraht umgeben ist und Polizeischutz in einem demokratischen Land genießt.
Verfaßt unter…
Zeit: 50 Min.
Getränke: Cola
Verzehr: nix
Musik: wie heute früh







Freitag, 18.April 2008 23:48*Naserümpf*
Mit seinen Beobachtungen zum Unterschied zwischen ocker- und zitronengelb reiht sich der Herr rü ja nahtlos(!) in die Anschauungen eines anderen Frankfurter ein. Halbzeit nach drei Wochen war damals glaub ich schon üblich…
Freitag, 18.April 2008 23:55n8 Amstidammi