Immer an der Wand lang


WandFreitag ist meistens der Tag, wo ich mein geschütztes Heim verlasse und mich ganz tief in die Niederungen des Frankfurter Alltags begebe. Klischees ausleben bis zum abwinken, eben der Frankfurter Unterschicht einen Besuch abstatten. Natürlich unterstütze ich das auch, durch gewisse Handlungen, durch mein Auftreten, damit Fremdbildnisse nicht zerstört werden, die Träger jener mit dem Wissen heimkehren: Ich hab’ recht.  

Das begleitet mich auch, seit ich die Welt erobere und seit dem gilt: Immer an der Wand lang, immer an der Wand…

Ob Haltestelle, Imbißbude, ob früher oder heute, einer kommt bestimmt, spricht mich an, auf ausländisch. Verstehe ich natürlich nicht. Dann die Frage: “Du deutsch, nix türkisch?” Dann im besten Türkendeutsch: “Ich nix türkisch, sein deutsch.” Anschließend die kleine Diskussion, daß das ja wohl nicht sein kann. Die Vermutung dann, Muttern muß dann irgendwo, oder die Ahnen… weiß ich ja nicht, mein Bruder ist blond, also gut…:”Nix weiß” mit einem Augenzwinkern. Dann ist das Deutsche doch nicht Deutsch und die Seele hat ihre Ruh’. Dafür ist man in Frankreich Franzose, ein Einheimischer, bis mer die Klappe aufmacht. :D

Andere Baustelle.

Bei meiner Ausbildung zum Lokführer habe ich erlebt, wie ein Wagenmeister einer Apfelkrotzen von der Betriebsbrücke hinunter zu einer Wagenputzkollone warf. Und die, die dort zugange waren, diesen Job machten, waren/sind zu 80% Ausländer. Habe ich den Mann gefragt, was das soll… Hat er nur gegrinst. Monate später, Ausbildung fertig, war ich im Rangierbetrieb tätig - Hauptbahnhof. Eine unserer inoffiziellen Aufgaben war es, hin und wieder Taxi zu spielen, damit die Kollegen nicht so weit laufen müssen. Statt 20 Minuten zur Betriebsstätte, waren es nur 3-4 Minuten, konnten sie noch schön Kaffee trinken, Schwätzchen halten. Eines Tages stand dieser Wagenmeister am Bahnsteig und ich war sein Taxi. Er durfte die Lok nicht besteigen und hat einen Apfelkrotzen mit einem Grinsen gereicht bekommen.

Wieder Monate später. Deutscher Beamter aus Bayern verläßt den Führerstand der 103 in Nürnberg, steht da so ein Deutscher vor ihm, nicht blond und auch nicht bayerisch, schülttelte den Kopf und fragt seinen Landsmann (Kollege) der hinter mir steht, ob er der zweite Mann ist. Dieser bejahte und dann dämmerte es diesem, daß ich sein 1. Mann bin. Bedeutet: Ich fahr’ den IC nach Frankfurt, er sitzt daneben. Wollte er nicht, kann ja nicht angehen, so ‘ne Schnösel vor ihm… (wir in Frankfurt waren da sehr fortschrittlich). Ist er in den Speisewagen, ward nicht mehr gesehen. Gut, regt mich ja nicht auf sowas, bin ich alleine gefahren, eben keine 200 km/h, durfte man dann nicht. Frankfurt war noch weit, ging der Funk: “Was ist denn los bei euch, habt schon drei Minuten.” Dem Funker erklärt, der bayerische Beamte sitzt im Speisewagen und verweigert den Dienst auf der 103 nach Frankfurt.” In Würzburg kam für ihn dann Ersatz.

Wieder andere Baustelle.

Habe ich ja schon erzählt, früher war es üblich, wenn man zu Besuch war, immer Schallplatten anschauen. Schauen, was derjenige hat, soll mal auflegen… war man Stunden mit beschäftigt. Kamen die Elektroniker zu mir, hieß es: “Bist ja ‘ne Discofuzzi.” Mit so elektronischen Klangkram kann man niemanden beeindrucken, geschweige denn eine Nacht damit durchtanzen. Seit den 90ern (letztes Jahrhundert) geht das ja. Mit en=trance flackert zwar die Lichtorgel, aber ins schwitzen kommt man dabei nicht. Kam wer aus der Rockecke: “Ich dachte, du wärst so ‘ne Popper, hast ja heiße Rockplatten.” Kam dann zutage, daß ich nicht so aussehe wie ein typischer Rocker. Eben poppig. ;) Großes Gejohle gab es, als sie bei mir Ernst Mosch und die schon erwähnte Löffelpolka (Lied #13) entdeckten. Anschließend waren in meiner Küche keine Löffel mehr und es klackerte gar lustig im Schneidersitz zu Ernst Moschs Löffelpolka. Von Peter abgesehen, wenn wer heute schaut, hier und da in den Foren lunzt, denkt Welt: minderbemittelter Tekkknojünger. ^^

Und heute…

Hat sich nix geändert. Bei meiner Schokoladentauschbörse, die ich heute wieder aufsuche, die mir zukommen ließ, ich bekomme wieder was geschenkt und da will mich wer kennenlernen, wissen sie bald gar nicht mehr, wo es lang geht. Der eine, Spanier von Geburt her, der sagt immer Schwuliboy zu mir. Letztes Jahr hat er mir so eine Perlenkette für den Bauch geschenkt. So ‘ne billige, weiß gar nicht, wo der das Zeug auftreibt. Dann kam er an und hat mir einen Tanga geschenkt. Fein verpackt… Grinst er mich an, fragt nach, ob der passen würde. Dabei mustert er mich, schaut prüfend meinen Hintern an, meinte dann, würde passen. Denk’ ich mir, gut, fahr’n mer Omnibus, Tango an der Wand entlang. Hab ich ihn an den Hintern gepackt, eben anständig, wie Männer das so machen, und zu ihm gemeint: “Glaub’ mal nur nicht, der Slip ist für dich die Eintrittskarte.” Ist er gesprungen, immer an der Wand lang, aus dem Kiosk raus, hat sich auf sein Fahrrad geschwungen und weg war er. Das hat die Runde gemacht im Gallus. Und seit dem wissen sie nicht, woran sie sind. Und wenn sie mit blöden Sprüchen kommen, lege ich immer noch einen drauf. Kann ich hier nicht wiedergeben, weil das ist schon recht vulgär. Aber das brauchen die, ich auch irgendwie. Fehlt mir irgendwie, wenn ich sie drei Tage nicht sehe und erlebe. Aber das trägt auch zur Normalität bei. Um die Ecke des Kiosks wohnen zwei Männer die Frauen sind. Vor paar Jahren war das eine Sensation, seit der Schwuliboy da verkehrt, nix weltbewegendes mehr. Fragen sie nun, ob das nix für mich wäre, die würden doch hübsch aussehen. Stimmt, haben sie recht und Geschmack haben sie ja, die Kerle. ;)

Dann mal auf in die Schlacht. *gg* Mal schauen, was sie heute wieder auftischen. Und spätestens wenn’s dunkelt wissen sie wieder:

Immer an der Wand lang,
immer an der Wand,
immer an der Wand, an der Wand entlang,

Immer an der Wand lang,
immer an der Wand,
immer an der Wand…




















entlang.


Verfaßt unter…
Zeit: 2′40 Std.
Getränke: Kaffee
Verzehr: Hefekuchen mit Quarkfüllung
Musik: V.A.: Neue Deutsche Welle
(Eigenbau, u.a.: Ixi - Der Knutschfleck, Joachim Witt - Goldener Reiter (Extended), Chris Braun Band - Chic & Elegant, DAF - Kebab Träume, Felix de Luxe - Taxi nach Paris, Hubert Kah - Du bist so schön, Paso Doble - Herz an Herz, Relax - Du bist genau was ich will, Dombrowski - Hör ma’ (Sabine Sabine Sabine), EAV - Küß die Hand schöne Frau, Frl. Menke - Tretboot in Seenot, Jawoll - Kotzbrocken, Tom Robinson - Tango an der Wand, Spliff - Das Blech, STS - Fürstenfeld, Joachim Witt - Tri Tra Trullala (Herbergsvater)… u.v.a.

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