individuellosOffenbach war früher DIE Lederwarenstadt in Deutschland. Wenn irgendwas mit Leder zur Sprache kam, kann das nur aus Offenbach kommen, weswegen es ja auch den Begriff Schlappekicker gibt, der bevorzugt bei der Frankfurter Eintracht eingesetzt wird. Die Schuh’ kamen aus Offenbach und die Frankfurter kicken sich ‘nen schöne Schlappe zusammen, sind eben die Schlappekicker vom Main. Ist ja heute nicht anders, nur die Schuh’ kommen von irgendwoher, nur nicht aus Offenbach. Und früher war es auch Pflicht für Frankfurter Schüler die Lederwarenmesse in Offenbach und mindestens einen Betrieb zu besuchen, der die Herstellung von der Kuhhaut zur Handtasche/zum Schulranzen aufzeigt. Damals haben die Kinder noch was gelernt, konnten selbst aus Leder etwas basteln. Heute bekommt man nicht mal mehr Leder in Offenbach, geschweige dann die Beigaben dazu, damit man sich ein Leder-Accessoire selber basteln kann.

Was zur Zeit an Modeschmuck zu haben ist, das ist eine lose Ansammlung an Mist und Plumpaqautsch miesester Qualität. Und aus Leder etwas zu bekommen, ist schier unmöglich, sowohl in Frankfurt, als auch in der ehemaligen Lederwarenstadt Offenbach. Ich bin ja wieder auf einem etwas seltsamen Trip, obwohl… so seltsam ist er nicht, Mutter hat noch nix gesagt, aber mein Bekannter hat sich wieder mal geäußert, der mit dem Fahrrad. Aber der gilt nicht, weil den kann man auch in Kanada an einen See stellen, und alles was außerhalb seines Sees sich befindet, ist furchtbar, mindestens der Ausruf “heilige Tomate” wert. Von Mode und anderen Dingen versteht er nichts, sein Holzfällerhemd ist nun mal das Maß aller Dinge. Alles was anders ist, ist furchtbar. Und wenn es nach ihm ginge, dürfte ich nicht so neben ihm herlaufen… Mein Angebot, er möge doch dann 50 Meter vorgehen oder hinter mir bleiben, nimmt er aber auch nicht an. So ist das nun mal mit den Leuten aus “Kanada”… naja.
Wir waren ja gestern wieder zusammen, und diese Zusammenkunft hat mich wieder graue Harre gekostet. Am Ende habe ich den Cash-Code für sein Handy eingegeben, weil er eine Diskussion mit Vodafone anfangen wollte. “Wollen sie CallNow aufladen, wählen sie bitte die 1…” Und da wollte er eine Diskussion anfangen… Viele viele ganz viele Minuten später sind wir dann noch durch die City in Offenbach gebummelt. Und da schaue ich immer bei den Mädels, ob es da was für mich gibt. Und das ist ihm unangenehm. Und weil ihm das peinlich ist, er dann anfängt über gewisse Personenkreise herzuziehen, er aber nicht draußen warten kann – die Neugier treibt ihn ja doch dann zu mir – setz’ ich immer noch einen drauf. Dabei bleibt es nicht nur beim nachschauen, ob ich beim Modeschmuck etwas verwenden, mir dann zurecht biegen kann. Und gestern habe ich Damenpullover mir angehalten, allerdings die neutraleren, nicht mit typischen V-Ausschnitt, damit Frau viel zeigen kann, sondern die normalen, neutralen. Das war ihm ja sehr unangenehm, der Verkäuferin aber nicht. Mit ihr habe ich mich über die Qualität unterhalten, sie gefragt, warum die Mädels besseres Zeug bekommen, als wir Männer für gleiches Geld. Darauf wußte sie keine Antwort, hat nur geschmunzelt. Den Pullover habe ich mir aber nicht gekauft, habe ja genug. Aber ein lila-Knäulschal (Flieder) habe ich mir gegönnt, den kann man schön wickeln wie man will, sieht auch nicht brav aus. Die Fliederfarbe kommt gut zum schwarzen Look, verleiht dem Träger aber einen femininen Touch. Meine weiblichen Chromosomen haben einen Luftsprung vor Freude gemacht, meine Bekannter aber nicht. Habe ich ihm erklärt, daß auch er weibliche Dinge in sich hat, er müßte sie nur mal zur Entfaltung kommen lassen, dann würde er nicht in Offenbach wie ein Holzfäller aus Kanada rumstehen. Sind wir weiter und da war ein Geschäft, mit Lederwaren, Handtaschen und so. Bin ich rein – er natürlich mit – und habe gefragt, ob sie Lederarm- und Halsbänder haben. Hatten sie leider nicht. Nicht mal zum basteln Lederreste. Früher hatten diese Geschäfte jede Menge Lederreste.
Vor dem Laden war wieder ein “furchtbar” von meinem Bekannten zu hören. Ich habe ihn dann gefragt, ob er mit mir in den einzigen Sex-Shop den Offenbach vorweisen kann, mitgeht. Vielleicht haben die ja was aus Leder, müssen allerdings in die Sado-Maso-Abteilung, was das Leder gleich um 400% verteuert – nix dran, aber schweineteuer. Das wollte er nun nicht. “Dann laß uns ins Tiergeschäft gehen, kaufe ich mir ein Hundehalsband aus Leder. Die Chance es zu bekommen ist dort groß… Dackel oder Schäferhundgröße, muß man vorher ausprobieren.” Das war zuviel für ihn. Er mußte dann dringendst in Richtung eines Termins.

Aber der Gedankesprung ist so verkehrt nun nicht. Zumindest gibt es dann Leder und das andere kann man sich ja dann basteln, wenn ich noch ein Geschäft finde, wo es Bastelzubehör gibt. Alles muß man selber machen. Ist eben wie früher auch, alles Individuellos.

;-)


=:-)

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2 Anmerkungen zu “Individuellos”

  1. halm sagt:

    ;-) Irgendwo muß doch der Ausgleich sein, können ja nicht nur die Damen Herrenpullover kaufen. Über die Qualität kann man sich streiten, Herrensachen sind oft eher ohne Synthetikzusatz. Hier in Schwerin gibt es Lederreste und Bänder, versuchs doch mal bei einem Orthopädieschuhmacher :-)

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