Limited Edition


Es gab mal eine Zeit, da war „Limited Edition“ etwas, weswegen man sich den Rucksack auf den Rücken schnallte, Wanderschuhe anzog und quer durch Hessen pilgerte, um eine „Limited Edition“ zu ergattern, die aber nicht als „Limited“ deklariert war. Man wußte aber, wenn der Zug abgefahren ist, ist er abgefahren. Walter Wegmüllers „Tarot“ ist z.B. so eine Geschichte, eine Geschichte aus jener Zeit, wo die „Kosmischen Kuriere“ nur unter der Hand weitergereicht wurden.

    In diesem Zusammenhang sei mir der Einwurf erlaubt, daß es völliger Quatsch ist, im Jahre 2006/07 eine Platte zu rezensieren, die 1973 erschien… :twisted:

    [Nachtrag: Ausnahmsweise ein Link, denn zu so einem verstottertem Geschreibsel verlinke ich normalerweise nicht. Der Glaube zu Wissen... deswegen keine weiteren Links zu diesem Thema, auch nicht zu Wikipedia, dem Meinungswissenlexikon.]

Kult waren da allenfalls lange graue Unterhosen und die Auflagengröße war nun mal nur minimal, weil der Markt für diese Art Musik nicht mehr hergab. Ähnlich in Mainz die „experimentelle elektronische Plattform“, CD-Auflagengröße 500 Stück, mehr gab eben der Markt hierzulande nicht her. Ein „Limited Edition“-Button wurde aber nicht draufgeklebt.

Dann kam die Zeit wo „limited“ nicht mehr limitiert war, aber den Leuten erzählt wurde, diese Produktion ist nur in begrenzter Auflagenzahl erhältlich. Hier und da erspähte man auf den Scheiben eine handgeschriebene Zahl, aber ansonsten hielt sich diese ehrliche Praxis in Grenzen. Gängiger war es da schon zu erzählen: Nur 1000 CDs weltweit, aber UPS, zumindest der, der die Kartonage hieven mußte, und die Preßwerke wissen anderes zu berichten. Zu jener Zeit war aber ein Markt incl. des Fanstatus für diese Plattform vorhanden, gab es bestenfalls DAT/DCC als digitale Kopien, somit war der Blick auf diese Produktionen – überwiegend Labelbezogen - immer gerichtet. Schallplatten-/CD-Börse, Flohmärkte waren immer eine Reise wert, weil es auch eine Szene dafür gab. Hier und da eine spezifisch kleine Szene, aber die reichte um sich bei Veranstaltungen vor Ort oder über ein Fanzine auf den neuesten Stand zu bringen. Ansonsten beließen es die Firmen bei dem Aufdruck „Limited Edition“, ohne großartig was zu erzählen. Und irgendwann begegnete man den limitierten Auflagen bei 2001 – aus Lagerverkäufen erhältst du diese CD zu einem Sonderpreis von nur 9,95 DM. „Limited Edition“ hatte ausgedient, Weißmuster (Vorabpressungen/siehe Bild) und extra angefertigte Promoexemplare machten die Runde – not for sale. Aber wie anderswo auch, haben diese Scheiben nur da einen Wert, wo auch eine Szene vorhanden ist, wo der Sammlerstatus greift, aber diese Szene ist größtenteils weggebrochen, u.a. durch die digitale mp3-Weitergabe.

Kleine Beispiele: Zwar wird Paul van Dyk (hier und da liebevoll Paule genannt) als weltbester DJ in den Medien gefeiert, wenn er wo einen Auftritt hat, aber mit seiner Hardware kann man keinen Blumentopf abbekommen. Gleiches bei Sven Väth; hier in Frankfurt darf er als Prominenter seine Lieblingsrestaurants auflisten, aber seine Labelgeschichten, ob Weißmuster, Promoexemplar, Vinylsonderdruck… Einzig die ü50er da irgendwie noch etwas bewegen - Pink Floyd, The Doors, falls Plattenspieler noch vorhanden. Nicht mal “Aphrica” von Klaus Schulze oder das DDR-Vinyl von Tangerine Dream zieht bei den u50ern. Und dieses Vinyl stand mal hoch im Kurs, als es noch keine digitale Verbreitungsplattform gab (Beispiel: Eurythmics/ Weißmuster.

Mit Überraschungseiern ist da mehr zu holen, wenn man denn den richtigen Schlumpf hat, der überall gesucht wird. Und da ist die Sammler-Welt noch heile. Einen Schlumpf kann man nicht klonen. Wenn Ferrero das Thema wechselt ist die Serie ausgelaufen, gibt es nichts mehr. In jedem siebten Ei ein Schlumpf dabei und nur jeder 150. Schlumpf liegt im Bett. Somit in jedem 1000. Ei ein Schlumpf im Bett, wenn die Maschine sich nicht verzählt. Und dieser Schlumpf ist ein Schlumpf, bleibt ein Schlumpf und niemand kann mit einem anderen Schlumpf von woanders her ihm den Rang streitig machen – ist kein Schlumpf im Bett aus dem Überraschungsei (Ü-Ei). Das ist eine Erfolgsstory von Ferrero, die seinesgleichen sucht und sowohl die großen, wie auch die kleinen Kinder vereint - Limited Edition, laß uns tauschen oder ich kaufe es dir ab. Schlaflose Nächte, weil man den Schlumpf im Bett nicht hat, die heimische Sammler-Edition somit nicht vollständig ist.

Die Erfolgsstory von Ferrero mag nun andere Firmen endgültig überzeugt haben, es mit „Limited Edition“ zu versuchen. Bei den Zigarettenmarken taucht diese Art des Marketings immer öfters und seit längerem auf – nur für kurze Zeit, mit Bullauge in der Verpackung, im Tigerlook, in Ice-Farben, mit Pfefferminze besprüht. Sind da sehr erfinderisch die Zigarettenfirmen. Und das hat nun auch andere Firmen inspiriert.

Am Samstag stand u.a. auf meinem Einkaufszettel: Spülmittel. Gehe ich durch die Regale im Supermarkt – willst du viel, spül’ mit Pril. Limitierte Auflage – Natural Edition. Es stand einiges zur Auswahl an. Ich habe mich für „Wiesenkräuter“ entschieden. Liegt ja auf der Hand. Spülhände will niemand und in einer Großstadt sind selbst Wiesen ohne Kräuter einfach nur Hundeklos. Wiesen, wo keine städtische Hundestaffel ihren Bereich markiert, sind rar gesät, wenn es sie denn überhaupt gibt. Wird man ja als Städter neugierig.

„Der natürliche Duft wild wachsender Kräuter entführt sie beim Spülen auf eine bunt blühende Sommerwiese.“

Wie richt nun eine Wiese, eine solche sogar mit Kräutern?

Ich weiß es noch nicht, denn jetzt greift die Strategie der Firma Henkel.

Limitierte Auflage

Das bedeutet, ich muß mindestens noch zwei Behältnisse „Wiesenkräuter“ kaufen. „Limitierte Auflage“ bedeutet nämlich: es gibt einen Sammlermarkt. Wahrscheinlich von Hausfrauen gegründet… man weiß so wenig. Und nur eine original verschlossene „Wiesenkräuter“ hat einen richtigen Wert, bekommt Sammlerstatus. Das weiß man von Briefmarken, da darf kein Zahn fehlen.

Also, eine „Wiesenkräuter“ ist zum angeben, zum mitnehmen auf die Pril-Tauschbörse, zum Preis hochtreiben, die andere „Wiesenkräuter“ für die heimische Sammlung und dann will ich ja auch wissen, wie eine Kräuterwiese riecht. Hier in Frankfurt kann ich die Nase ja nur in Hundeklos stecken. Und meine letzte bewußte Kräuterbegegnung, die recht schmerzhaft aus Kindersicht verlief, war in Königstein auf der Burg, als ich als Kind in ein Brennesselfeld bergab rollte. „Bekommst kein Rheuma“ hat man mir tröstend erzählt. Hat bisher gestimmt, noch keine Rheumaanzeichen bei mir. Ob in der „Wiesenkräuter“-Spülmittelflasche auch Brennesselextrakte sind? Vielleicht braucht es eine Auffrischung an Brennesselstreicheleinheiten, um ohne Rheuma alt zu werden.

Ich schreibe die Firma Henkel mal an, nicht daß ich noch zwei Flaschen Pril kaufe und dann sind keine Brennessel dabei, denn dann ist das ja auch keine Wiese, da logischerweise Schmetterlinge fehlen und die gibt es nur, wo Brennesseln stehen bleiben dürfen. Und Kräuterwiesen ohne Schmetterlinge gibt es nicht, limitierte „Natural Edition“ hin oder her. Kann man sich das Sammeln sparen, ist dann wie überall, einschließlich des einhergehenden Wertverlustes - Unlimited.

Außnahme ist und bleibt das Ü-Ei.

Tags: Cocoon, Hausfrau, Kult, Label, mp3, Musik, Vinyl

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