Memories auf Rädern


So hier und da begegnet man noch den vierrädrigen Vehikel aus der Zeit, als Uschi jung an Jahren und knackig im Gebälk mit Rattles unterwegs war, BZN noch 30 Jahre vor sich hatte und Frankfurt seine U-Bahn feierte. Ein alter Lastesel war es, auf drei Rädern, der kürzlich bei den Kindern im Gallus für eine Runde Heiterkeit sorgte. Kein schnittiger Sportwagen, sondern so ein Ding was nie umfällt, zumindest wurde mir der Anblick eines umgefallenen Kleinlasters auf drei Rädern nie gegönnt. Unser Kohlenhändler am Lokalbahnhof hatte so einen kleinen Lastesel und als Kind schaute ich immer, ob er nicht gleich umfällt, wenn er um die Kurve kam, in die Teichstraße einbog um uns Kohlen und Briketts zu bringen. Er fiel leider nie um.


Der Fiat 500 stammt auch aus der Zeit, der von Fiat reloaded wurde und seit heute zu haben ist - neues Gewand, alte Geschichten. So eine italienische „Knutschkugel“ (als “Knutschkugel” wurde aber die Isetta bezeichnet) hatte auch Frau Blum, Leiterin des Kinderheimes in Kelkheim-Hornau – da oben am Amselweg. Und die Frau Blum war… nun ja, nicht gertenschlank. Und manchmal war es nicht einfach für die gute Frau sich in den kleinen Fiat hinter das Steuer zu klemmen.

Das Traumauto meiner Jugend hatte aber unsere Gruppenleiterin. Einen VW Karmann Ghia – orange. “Wenn ich mal groß bin, dann kaufe ich mir so ein Auto” – ein Schloß bauen, Prinz Eisenherz zu werden, verschwand so nach und nach im Nebel. Schloß und Karmann Ghia passen nun irgendwie nicht zusammen. Es gab da auch noch die „Ente“ von Citroen, aber bis die mal so in die Gänge kam… aber war trotzdem toll, weil man oben rausschauen konnte - im Sommer.

Für eine BMW Isetta konnte ich mich nicht begeistern. Am Affentorplatz, als es dort noch die große Kreuzung mit Straßenbahnanschluß gab, wo unser Kindergarten war, gab es mal mit so einem Vehikel einen Unfall. Und bei der Isetta stieg man ja vorne ein und aus, nach dem Unfall war nix mehr mit aussteigen. Feuerwehr kam, war viel Volk auf den Beinen… wir mußten dann auf Anordnung der Aufsicht des Kindergartens vom Zaun weggehen und spielen - „blöde Kuh“, war unser Buben Kommentar zu der Anordnung der Aufsicht

Als dann Dudu kam, war die Versuchung groß das Lager zu wechseln. Tolles Auto, aber der Karmann Ghia war viel toller. Es gab auch ein schnelles Auto bei uns, einen Renault. Aber da haben sie mir eines Tages die Finger eingeklemmt. Statt ins Grüne, ging es ins Krankenhaus. Kein Renault mehr angeschaut und nie mehr in das Auto gestiegen. Konnten sie machen was sie wollten. Statt ins Schwimmbad mit den anderen, blieb ich bei Frau Blum, und als kleine „Entschädigung“ gab es so manche Sonderfahrt mit dem Fiat 500. Das eine kommt nicht ohne das andere – wie Dudu und Jimmy Bondi. Nur darüber haben sie nie einen Film gedreht, obwohl beide zusammen ein tolles Team ergaben – Frau Blum und ihr Fiat 500.

Viele Jahre später war es dann doch Dudu und wenn es zu Oma ging, Muttern auf dem Beifahrersitz der rasenden Neuzeit hinterherschaute die an uns vorbeibrauste, sagte sie immer: „Dudu macht das schon.”
„Jo Mutter, Dudu bringt uns schon zur Oma.”

Und Oma war’s beste wo gibt, wie Frau Blum und ihr Fiat 500.

Link: Mein kleiner Freund von Thomas Stillbauer (FR)
So einfach kann schön sein von Jörg Reichle (Süddeutsche)

Tags: Fiat 500, Frankfurt Rundschau, Gallus, Karma, Kinder, VW, VW Käfer

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2 Kommentare zu “Memories auf Rädern”

  1. Amsterdammer


    Mittwoch, 4.Juli 2007 20:50
    Gravatar of Amsterdammer 1

    Me war stolz auf ältern Bruder mit seinem Leukoplast-Bomber , rosa, mit Namen Alexander :=: , den ham’s dann im Osten kastriert und nachgebaut:m:

  2. S.i.T.


    Donnerstag, 5.Juli 2007 01:39
    Gravatar of S.i.T. 2

    Da kann ja wieder mal niemand mithalten, fuhr der auch? :gg: Diese Fortbewegungsmittel kenn ich gar net :head: