Rückkehr eines Helden


RaucherzoneOb dunkeldeutsch oder blonddeutsch, ob mit Bossanzug oder Kikware, an gewissen Orten sind alle gleich, unabhängig vom Stand und Werdegang. In Heidelberg umfaßt dieser Ort 10×15 Felder auf einem Bahnsteig, Heilbronn ähnlich, in Frankfurt verschiebt sich das ein wenig, die 15 Felder sind länger, dafür das 10er Maß schmaler, während in Stuttgart solche Orte noch nicht auszumachen sind, was ja schade ist, vereinen sie doch reich und arm, dumm und schlau, Christ und Moslem. Und man mag es nicht glauben, diese Räume sind gut besucht. Während ich auf meiner Reise am Freitag noch nachdenklich über diese Räume sinnierte, war am Sonntag die Lage klar – sie suchen den Ausgang, müssen warten, bis das Glück ihnen wieder zublinzelt.

Das ist die LARP-Variante des Würfelspieles „Die Rückkehr der Helden“. Das wußte ich am Freitag noch nicht. Man traut sich auch nicht zu fragen, da man ja nur Zuschauer bei diesem Spiel ist. Und dort bei „Die Rückkehr der Helden“ sind ebenfalls solche Wartezonen. Nase irgendwo reinstecken, findet man nicht mehr raus und steht dann etwas abseits des Weges am Rande und wartet, bis das Glück einem wieder zublinzelt. Man darf erst diesen kleinen Raum verlassen, wenn wer blinzelt oder man hat ein Halskettchen um, ein besonderes. Und wenn man das hat, bekommt man solche Wartezonen gar nicht mit, außer man stolpert dann über so ein Bündel irgendwas, was am Weg liegt. Denn meistens sind am Ende dieser Wartezonen, zumindest in Hörweite, Wächter. Und wenn man nicht zwischen ihren Beinen hindurchhuschen kann, wollen sie einen krallen, und je nach dem… Jedenfalls kann es nicht gut ausgehen. Von Vorteil ist deswegen auch, wenn man ständig ein Lied auf den Lippen hat, am besten den Opener von „Kill the Bill“. Dann wissen die schon von weitem, was ihnen bevorsteht und verdrücken sich in ihre Ecke. Und deswegen sind mir diese Räume in dem Würfelspiel „Die Rückkehr der Helden“ nicht aufgefallen. Lied auf den Lippen, gewisses Halskettchen um… deswegen auch diese LARP-Räume am Bahnsteig ausgelassen, die zeitweise überfüllt waren. Dort standen auch so kleine Zweibeiner, wie in dem Würfelspiel - klein von Wuchs, steht da herum.

„Was machst du da?“
„Ich suche den Ausgang…“
„Aha…“

Ich hätte ihn aber nicht aus den Augen lassen sollen, denn dieser kleine Zweibeiner hat mir einen blauen Stein gemopst. Ich hatte zwei rote Steine, einen blauen Stein. Statt einen roten Stein zu nehmen, nimmt er den einzigen blauen. Und das hat sich bitter gerächt für ihn. Überall hat er Haue bekommen, ist vermöbelt worden. Und einmal fand ich seine Kleider, am Ende einer solchen Wartezone. Wahrscheinlich hat er das falsche Lied auf den Lippen gehabt. Ging sich nicht gut aus für den kleinen Mann. Aber später hat er sich bitterböse gerächt. Die Kleinsten werden mal die Größten sein, so es der Wald erzählt.

Vielleicht hätte er es von Beginn an so machen sollen, wie eine ältere Frau in Heilbronn. Diese Frau betrachtete den Menschenpulk in dem 15×10-Feld, musterte die Leute darin und ging 15 Schritte weiter, setzte sich auf eine Bank und steckte sich genüßlich eine Zigarette an.

Eine wahre Heldin.

Ich bin auch als Held heimgekehrt, habe allerdings reichlich Federn lassen müssen – ich weiß nicht was dieser kleine Zweibeiner mittlerweile noch von mir hat. Meine Bardenrobe hat er, die leisen Schleichersocken auch… alles hat seinen Preis, nichts ist umsonst, sagt mein Freund der Baum. Aber wenigstens bin ich ungerupft aus diesem LARP-Spiel rausgekommen – mit dem richtigen Lied auf den Lippen und einer Halskette um den Hals.

Tags: Bahnhof, Held, Kettchen, Raucherzone, Stuttgart

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