BlechDie Saubermänner der Stadt waren da, haben allen Sperrmüll mitgenommen, den ich gestern abend rausgestellt hatte. Ich hatte auch einen ganz anderen Rechner rausgestellt, den mir eine Bekannte geschenkt hatte, die den nicht mehr wollte, weil sie einen neuen Freund hat und der hatte ihr gleich einen MAC geschenkt. Den sie mir schenkte, war ein 600 Mhz-Rechner und nach Sichtung und Befragung hat mein Nachbar gemeint – weg mit. Die Festplatte habe ich ausgebaut, das Netzteil ist drinngeblieben, war zu schwach um für die Bunkerrechner als Ersatzteil zu dienen. Der 128 MByte-SDRAM-Riegel ist auch ausgebaut worden. Mer weiß ja net, ne? Und den Rechner habe ich dann zum Sperrmüll dazugestellt. Ich war noch nicht richtig im Keller, war er schon weg. Hat sich irgendwer mitgenommen. Naja, wird jener aber gucken daheim, wenn nix summt. Hätte aber mit ein bißchen nachdenken sich denken können, daß an der Fundstelle alles anders ist. Da stand nämlich auch das Blechgerüst eines Rechners, den ich restlos ausgeschlachtet hatte.

Und meine Nachbarin hat auch zwei (!) Dinge dazugestellt. Um halb 10 am Abend hat sie geklingelt.

“Meinen sie ich könnte auch was dazustellen?”
“Natürlich. Was wollen sie denn dazustellen?”
“Diesen Leuchter.”

Der stört sie nun. Normal sollte ich ja einen Kellerraum bekommen, aber das Vorhaben dauert, weil er vollsteht. In diesem Kellerraum habe ich mir eine kleine Ecke freigeschaufelt. Und beim Räumen gestern, habe ich diese Lampe aus Holz mit fünf Leuchtarmen, ohne Glaskugeln, genommen, auf ihrem Kram gestellt. Der ist nicht mir, also rüber zu ihr, zu den 1000 Plastikschälchen und was weiß ich alles. Dadurch ist ihre Kellerordnung, eben das gewohnte jahrzehntealte ruhende Bild durcheinander gekommen.

“Meinten sie man könnte den wegwerfen?”
“Ja, was wollen sie damit? Für die Wohungen hier ist diese Lampe viel zu überdemensioniert, und wenn die an der Ecke hängt, hauen’s sich nur den Kopf an.”
“Also kann ich die dazustellen?
“Ja, ich stell’s ihnen raus. Und was war noch?”
“Ich habe da noch eine Hängematte, die ist kaputt, aber ich repariere sie ja doch nicht.”
“Dann weg mit.”
“Und meinen sie man könnte noch einen Sessel dazustellen?”
“Na klar, wo steht der dann? Den trage ich ihnen raus.”
“Auf der Terrasse.”
“Wie lange steht der dann da schon?”
“Schon eine Weile.”
“Dann können sie ihn sowieso wegwerfen, oder wollen sie ihn neu bespannen, neu polstern?”
“Nein, das kann ich doch gar nicht.”

Sind wir auf die Terrasse… fing sie an zu räumen.

“Nein, das lassen sie mal. Ich fange hier nicht nachts um 10 Uhr an, alte Zeitungen und was ich alles umsustapeln, um einen Sessel zum Sperrmüll zu befördern. Da hätten sie früher kommen müssen, ich habe ihnen rechtzeitig Bescheid gegeben. Das ganze Zeug hier kann auf den Müll. Bestellen wir einen Container und weg mit.”
“Nun hören sie mal…”
“Was wollen sie damit? Der Zeitungsberg ist durch und durch vergammelt, das Holz ist vermodert, das ist alles Müll. Zu nix mehr zu gebrauchen.”
“Meinen sie?”
“Ja sicher. Sie haben eine Terrasse und können nicht mal die Füße hochlegen, Kaffee da trinken, den Vögelchen zuschauen. Lesen sie immer ein Zipfelchen alter Zeitungen?”
“Natürlich nicht.”
“Seh’n se, also weg mit. Wollen sie mit dem vermoderten Holz einen Gartenlaube bauen?”
“Nein.”
“Seh’n se, also weg mit. Es gibt keinen plausiblen Grund das Zeug zu horten und auf ewig aufzubewahren.”
“Ja, wann will ich das dann machen? Zu zweit fällt es auch leichter, sich von dem Kram zu trennen.”
“Sie sollten einen Umzug in Erwägung ziehen, das Haus verkaufen. Dann fällt ihnen die Trennung viel leichter.”
“Nein, ich ziehe hier nicht weg.”
“Wollen sie in dem Müll alt werden?”
“Nein. Und so schlimm ist es ja nicht.”
“Wie bitte? Sie können keinen Schritt mehr gehen, die Garage ist voll mit Müll, ihr Auto steht vor der Garage, in ihrem Wohnzimmer stapeln sich die Zeitungsberge, der Keller ist zugetütet, ohne Umräumaktionen kann nicht mal der Wasserzähler abgelesen werden. Am besten ist es einen Container bestellen, fragen sie paar Nachhilfeschüler von ihnen, den geben sie jedem 25 Euro und dann kann Haus wieder durchatmen. Eine Sache von einem Nachmittag.”
“Da muß aber mein Vater erst schauen.”
“Ihr Vater kann ja dabei sein, und ich kriege meinen Keller. Wieviele Jahre sind es nun? Bis sie mit dem Keller ankommen, bin ich schon lange weg!”
“Sie wollen weg?”
“Ja sicher, glauben sie ich bleibe hier ewig? Nicht mal einen Keller habe ich, den bekommt jeder Sozialhilfeempfänger.”
“Machen wir beim nächsten Mal. Wenn sie mir helfen, fällt es mir leichter mich von den Dingen zu trennen.”
“Das habe ich ihnen schon so oft angeboten. Sie kommen ja nicht zu Potte. Die Terrasse hätte schon geräumt werden können, wäre alles weg, könnten sie hier schön draußen im Frühjahr sitzen.”
“Machen wir beim nächsten Mal.”

Das wird sowieso nix, auch nicht beim nächsten Mal. Freiwillig ruft sie den Sperrmüll nicht an. Also muß ich anrufen, aber sie muß sich erst seelisch darauf vorbereiten. Also muß ich sie fragen, ob im nächsten Monat der Sperrmüll angerufen werden kann… Natürlich kann der nicht angerufen werden, sie momentan gar keine Zeit für so etwas hat. In den Ferien vielleicht, wenn nicht der Schnupfen oder die Zahnschmerzen dazwischenkommen, wie es in den letzten Ferien immer der Fall war, weswegen ein Ragal nun schon vier Jahre nicht aufgebaut werden kann.


Verfaßt unter…
Zeit: 1 Std.
Getränke: Kaffee
Verzehr: Nutellabrot
Musik: TV Victor – Agai (Ersatzlink)

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