Es gibt Tage, da kommt man nicht in die Gänge, trotz Kaffee und dezenter Hallo-Wach-Mucke (keine Oldies ;-) ). Da schleicht man aus dem Bett, schielt Richtung Küche… eine saubere Tasse wird sich doch noch finden lassen… Quatsch, sind schon noch ein paar mehr *angibt* dennoch sind heute Küchenfrohndienste angesagt, was einen irgendwie erschlaffen läßt. Schon der Gedanke an die Spülhände…

Und dann ist da noch der Termin übermorgen. Übermorgen fährt der Sperrmüll vor, was bedeutet, daß ich mich heute in den tiefsten Abgründen des Bunkers aufhalten muß, damit ich alles morgen abend hinausstellen kann. Vielleicht finde ich dabei wieder was nettes, wie neulich eine Pralinenschachtel. Noch verpackt, allerdings war das Haltbarkeitsdatum abgelaufen. Aber immerhin. Dann muß ich heute für Muttern nach einer Torte schauen, ihr übermitteln was es alles so für kleines Geld gibt, denn bei ihr bekommt sie ja nix gescheites. Zumindest nicht in ihrer nahen Umgebung. Etwas weiter weg schon, aber da läuft sie nicht hin. Schafft sie nicht mehr, sagt sie, obwohl sie schon noch könnte. Aber wie das so ist, wenn der Kopf nicht will, wird man fußkrank und irgendwann liegt man nur noch im Bett, liegt Geist und Körper restlos darnieder. Das hat mit dem Alter nichts zu tun, so etwas findet man auch bei jungen Leuten. Die liegen schon mit 30 im Grab und merken es nicht. Rasieren muß ich mich auch noch, Haare waschen… furchtbar diese Trägheit.
Die Männer in Afrika haben’s da leichter. Da im Busch, da ist der Mann nur für den Honig zuständig, er macht den Honigwein, sammelt den Honig von wilden Bienen für den Markt, den Rest erledigen die Damen. Gut, das ist gefährlich mit den Bienen, muß man immer Held sein, denn wenn man kein Held ist, bekommt man auch keine Frau. Und das ist dort noch schlimmer als 1000 Bienenstiche, wegen dem Status dem man dann im Dorf hat. Die Frau muß sogar töpfern und der Mann sitzt da herum, gibt noch Anweisungen wie zu töpfern ist. Wenn ich da ja Frau wäre, der Mann würde bei den Bienen freiwillig schlafen, aber nicht neben mir. Wäre dann voll die Buschrevolution am ausbrechen. Bißchen Honig da, könnte ich mir auch noch zusammenklauben, braucht’s keinen afrikanischen Helden dazu. Dazu muß man eben nur in die Gänge kommen. Mit der momentanen Trägheit würde es nicht mal einen Tontopf für den Honig geben. Und freiwillig sich Bienenstiche einfangen? Neee. Die haben nämlich kein Imkeranzug an um sich gegen die Bienen zu schützen, das kommt ja noch dazu. Und dann noch Bäume hochklettern, denn die wilden Bienen haben ihr Nest hoch im Baum, nicht unten am Boden wie in Europa, wo man sich nur ein wenig bücken muß. Ich habe eben keine Heldengene in mir, weswegen ich nicht in Afrika geboren wurde, deswegen muß ich auch in Europa spülen, bekomme Spülhände, trotz Palmolive. Aber immer noch bessser so, als wenn da wer im Hintergrund die morgenliche Ruhe durch lautes herumwerkeln stört. Ist immer Sonntag hier, fast immer. Und wie heißt so schön in einem Liedgut? “Ich fange niemals was, an einem Sonntag an…” Tjo, aber rasieren muß nun doch sein und bißchen spülen, mindestens die Stammtasse von meinem Nachbar. Das ist so eine Spezialtasse, in die geht viel Milch und wenig Kaffee rein und wenn die nicht verfügbar ist, kommt er nicht mehr. Kein Plausch, kein Grinsen, keine Geschichte von einem Frankfurter, der von der Offenbacher Eisenbahn um den Appelbaum verfolgt wird… nein, wie war das? Muß er mir nochmal erzählen… Ich muß spülen, hilft alles nix, aber erst rassiern. Es könnte ja die Frau des Lebens an der Türe klingeln, und dann? Dann ist es mit der Sonntagsruhe vorbei.

Bin weg, cu rü


Verfaßt unter…
Zeit:30 min.
Getränke: Kaffee
Verzehr: Nutellabrot
Musik: Ralf Hildenbeutel – Looking Beyond

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3 Anmerkungen zu “Zeilenschinderei”

  1. Putzlowitsch sagt:

    Sperrmüll war bei uns gestern, da war am Sonntagabend das Rumwühlen angesagt, damit Montagmorgen alles an der Straße steht.

    Alte Regale, Bettgestell, vergammelte Matratze, kaputtes Bügelbrett und so Sachen…

  2. sagt:

    Hier muß man erst anrufen, dann erzählen die einem an welchem Tag und wollen wissen was dann da rumliegt.

  3. halm sagt:

    So in der Art ist es hier auch, aber es geht da mehr um die etwaige Menge und ein paar Kleinteile mehr dürfen es immer sein, solange sie für die Mülltonne zu groß sind. Also kann man gut abends vorher durchs Haus gehen und gucken was noch weg kann. Und das einmal im Kalenderjahr kostenlos. Und man kann einen Terminwunsch angeben. Und das ganze zeitgemäß übers Internet anmelden. :good:

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