I. Ys Tlachtga (1)
Jenseits der Wälder erklingt der Ruf der Alten. Ich muß fort, mein Heim den Winden und dem Wald übergeben. Fremder, der Ihr diese Zeilen lest, ich hoffe für Euch, daß Ihr nicht das Horn der Wiederkehr hört, denn nichts ist so, wie es scheint. (mit unruhiger Schrift am oberen Rande des Pergaments niedergeschrieben)
Mein Name ist Ys Tlachtga und ich komme aus dem Lande der Drachen. Ein Land das sehr groß ist und viele Regionen aufzuweißen hat. Es heißt Morh-Khaddur. Geboren und aufgewachsen bin ich in der Region Neruch ‘dhar, ein Reich im Drachenland, das von fünf anderen Fürstentümer umgeben ist. Die Wurzeln meines Lebens liegen dort in Soonjoor, nicht unweit des „alten Waldes“. Dort wuchs ich als einziges Kind meiner Eltern auf. Mein Vater war, und ist es heute noch, ein angesehener Mann seines Standes. Er zählt zu den „Weisen“, den Abarsidi, des Fürstentums. Er ist mächtig, sehr mächtig, aber doch ist er nicht mehr, als ein Blatt was sich zu des Windes Lied am Ast sich leicht bewegt.
Meine Mutter stammt aus Senjadrim und ist Elf. Sie traf Vater eines Tages auf seinen Wanderungen in den umlegenden Wäldern. Und für sie war er der erste Mensch, der mit der Natur und ihren Geheimnissen lebt. Sie trafen sich immer öfters und eines Tages fragte Vater ob sie nicht an seiner Seite im Leben verweilen möchte. Obwohl Mutter wußte was es für sie bedeutet als Elf ein Bündnis mit einem Menschen einzugehen, willigte sie. Seitdem sind sie das glücklichste Paar auf dieser Welt und ich bin ihr Zeugnis der Liebe zueinander.
Meine Kindheit verlief größtenteils in ruhigen Bahnen. In all den Jahren, wo Mutter mit Vater zusammenlebt, hat sie neben ihren Studien der Magie sich auf die Aufzucht von Kräutern spezialisiert. Was es bedeutet selten Kräuter aufzuziehen, erfuhr ich als kleines Kind, als ich einen Schmetterling fangen wollte. Diesen Tag werde ich nie vergessen. Es war ein Tag, der mein Leben in andere Bahnen lenken sollte. Dieser Schmetterling war so schön bunt und flatterte vor mir im Garten herum. Ich wollte ihn streicheln, ihn mir von nahen anschauen. Aber irgendwie hatte der Schmetterling was dagegen. Wenn ich ihn ergreifen wollte, war er wieder zwei Schritt weiter. Es war so, als ob er mit mir spielte. Und ehe ich mich versah, stand ich mitten im Kräuterbeet. Ich zuckte zusammen, denn des Vaters Stimme drang wie mächtiges Donnergrollen an mein Ohr. Mutter beschwichtigte ihn, nahm mich zur Seite und nun wurde ich gewahr, welch Schaden ich im Beet angerichtet habe. Die kleinen zarten Pflanzen, waren zerknickt, zertreten und nicht mehr zu gebrauchen. Ich fing an zu weinen, denn ich wußte, daß Mutter viele Monde mit der Aufzucht beschäftigt war. Und ich hatte in einem kurzen Augenblick, der so kurz ist wie der Flügelschlag eines Schmetterlings, alles zerstört. Für mich brach eine Welt zusammen. Da spürte ich Vaters Hand auf meinem Kopf. Er kniete nieder, nahm meiner beide Hände und sah mir in die Augen. Mit seinem Daumen wischte er meine Tränen weg und sprach: „Ys, es ist an der Zeit das du die Wunder von Mutter Erde begreifen lernst. Ihr Reichtum nicht unerschöpflich ist, Leichtsinn, Unachtsamkeit, Gedankenlosigkeit dazu führt, daß wertvolles Gut unwiederbringlich verloren geht. Von heute an bist du auch meine kleinste Schülerin, die ich je hatte. Wenn du fertig bist, bist du eine Abasirdi und wirst mein Erbe antreten.“ Er lächelte, nahm mich hoch, hielt mich in seinem Arm und sprach zu meiner Mutter: “Es wird Zeit, daß unsere Tochter in die beste Schule der Kräuterkunde geht. Deine erste Schülerin, darf ich sie dir überreichen?“ Mutter lächelte Vater zu und von da an, half ich Mutter im Garten wo es nur ging.
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Zum Anfang: Seelentanz
für Anmerkungen: Sammelstelle






