I. Ys Tlachtga (2)
Ich lernte sehr viel über die Kräuter, wo sie im Wald wuchsen und welche man aufziehen konnte. Jede Sorte bedarf einer eigenen Fürsorge. Jede Sorte hat ihren eigenen Raum. Nicht alle mögen die grelle Mittagssonne und schon die Aufzucht, das Einpflanzen von Trieben erforderte größtmögliche Achtsamkeit. Manche Pflanzen mögen es überhaupt nicht, wenn ihre Wurzen zu tief ins Erdreich gesteckt werden, wo die Feuchtigkeit länger anhält, als direkt unter der Erdkruste. Die Wurzeln verfaulen dann. Umgekehrt gibt es auch Pflanzen, die gerade dies mögen. Nun könnte man auch anführen, das man durch häufiges gießen dies auch erreicht. Aber das ist ein Irrtum. Das mag bei den robusten Pflanzen funktionieren, aber bei den Kräutern in Mutters Garten dies nicht der Fall ist. Auch da die Wurzeln verfaulen würden. Erst durch die geringe, aber gleichmäßige Feuchtigkeitszufuhr durch Mutter Natur, gedeihen diese Pflanzen. Bei großen Hitzewellen, griff Mutter zu einem kleinen Kniff, den ich euch aber hier nicht verraten werde.
Ich möchte an dieser Stelle einen kleinen Auszug aus dem Wissensgebiet unserer Kräuterheilkunde liefern, was mir mein Vater mitgab, wo auch Bäume eine sehr bedeutende Stellung einnehmen. Da wären Weide, Wallnußbaum, Tanne, Ahorn, Birke, Esche und natürlich die Eiche, um nur einige zu nennen. Anhand von Wallnuß möchte ich aufzeigen, was alles damit verbunden wird.
Dieser Baum benötigt warme und geschützte Gegenden um zu gedeihen. Seine Frucht, die Wallnuß, ist eine Art Fruchtbarkeitssymbol. Die Blätter des Baumes als Tee zu sich genommen, scheiden giftige Substanzen über die Innereien des Körpers aus. Unter seiner Krone kann man lernen sich abzugrenzen, das ureigenste Potential, was in einem schlummert, entdecken. Wenn man dieses Tor aufgestoßen hat, ist der Weg einhundert Mal schwerer und einhundert Mal leichter zu gehen.
Eine Ausnahmestellung nimmt die Eibe und die Esche ein. Aber darüber ich an dieser Stelle nicht schreiben möchte, wie über andere Dinge auch, da ich euch nicht kenne. Nur soviel lieber Wanderer: Wenn mein Nest in der Esche gebaut ist, wird nichts auf der Welt mich davon abhalten, meinen Eid an den „Dunklen“ zu erfüllen. Er bestimmt den Tag, die Nacht, nicht der König, nicht der Ritter und auch nicht ihr. Und seht ihr seinen Boten, so wißt ihr, nicht weit von euch wir entfernt sind…
Aber nicht nur das Wissen um Bäume, seltene Kräuter, die nur in Neruch ‘dhar wachsen, ich bekam. Bauern sollten ihr Vieh im Monat der Wonne noch vor Sonnenaufgang auf die Weide bringen. Die Milch der Kühe um unendliches weicher sein wird. Und wenn dunkle Wolken den Mond verhängen, ohne daß ein Tropfen Regen fällt, dann wird die Ernte sehr, sehr mager ausfallen. Und wenn zwei Mal in einem Zyklus des Mondes der Mond sein volles Lachen zeigt, dann ersäuft das Vieh auf der Weide. Es gibt noch viele andere Dinge um den Mond, wie das Wissen um sein „dunkles Gesicht“. Wenn er sein Auge schließt, wird die Pforte für sieben lange Winter sich verschließen. So erzählt man sich in Neruch ‘dhar. Aber das müßt ihr jene fragen, die darum wissen. Vielleicht erzählen sie davon, vielleicht auch nicht. Wenn nicht, müßt ihr so von ihnen gehen, wie ihr gekommen seid. Vieles würdet ihr auch nicht verstehen. Am Anfang seht ihr einen Schmetterling, nichts besonderes, so denkt ihr. Aber am Ende seht ihr vor eurem Haus nur ausgedorrtes Land. Ihm nur ein Lächeln geschenkt und das Land wäre nicht verdorrt. Aber was wißt ihr schon über Schmetterlinge.
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Zum Anfang: Seelentanz
für Anmerkungen: Sammelstelle






