Altes Eisen


GehäuseDie alte Blechkiste stammt aus einer anderen Zeit. “Siemens Xpert” ist noch zu lesen und geblieben ist nur noch das unvergängliche Blech. Die Innereien ließen vor über 10 Jahren das Herz höher schlagen, zählte im meinem Umfeld zum schnellsten was greifbar ist, weswegen das komlette System immer den Server in “Baldurs Gate” stellen mußte. Es gab noch schnellere Rechner, aber die Besitzer waren damit nicht im Internet unterwegs, bewegten gar Pixelmännchen damit. Und dieser Rechner stand auch für eine ganz bestimmte Zeit - (ultima)online zocken bis zum Morgengrauen. Sein besonderes Kennzeichen: Eine Grafikkarte namens Voodoo (3dfx) und für den Klang war die Soundkarte EWS 64s zuständig. Beides gibt es noch und ist im Offenbacher Museum zu bewundern, denn das waren Meilensteine. Und noch vor einem Jahr war die Voodoo-Karte im Bunker täglich im Betrieb, hat alles klaglos über sich ergehen lassen. Nun hat auch sie den Ehrenplatz im Museum bekommen.

KartonDie anderen Innereien sind sorgsam im Keller des Bunkers verstaut worden, denn wie das so ist, Museen haben immer Platzprobleme, können nicht alles ausstellen, obwohl sie wollen. Die angedachten Ausstellungsstücke haben aber auch so gesehen nicht DEN Stellenwert, den die genannten Komponennten haben.
Nicht unweit der Blechkiste ist ebenfalls noch eine Geschichte aus der Computerzeit des Bunkers zu erspähen. Ein Karton der zum Macintosh LC II-System gehört, der Vorläufer der Blechkiste. Mit dem Mac ist die Zeit des medialen Zeitalters angebrochen, Layout, Grafiken, das volle Programm um ein Magazin rund um die Musik aus den Boden zu stampfen und mit ihm begann auch der Aufbruch ins Internet. Ferngespräche tätigen um ins Internet zu kommen und irgendwo war die Base - MacVillage (oder so ähnlich). Das war ein echtes Internet-Dorf für die Mac-User, mit Häuschen und so :-) Yahoo gab es noch nicht, weswegen ich auch älter bin als Jerry Yang, der nun nicht mehr Chef von Yahoo ist. Abenteuerlich die Modemkonfigurationen, von wegen reinstöpseln, fertig. Und die Tricks, wie man so ein Modem tunen kann, waren heiß begehrt. Die Geschwindigkeit fing bei 12,5 kbits/s an. Das war schon toll damals. Aber schon damals bekam ich aus München über das internet gereicht, mit was ich da unterwegs bin, ist ja uncool, denn Linux ist absoluter Kult. Da habe ich erstmal gefragt, was denn Linux ist, ob man damit auch Musik machen kann… Dem war nicht so, weswegen der immer griffbereite Kamm aus der Gesäßtasche nach München gereicht wurde… Und so begann die Kariere des Forenluders S.i.T. Irgendwann war der Mac LC II an seine Grenzen gestoßen, ein neuer Rechner mußte her. Natürlich mußte es ein Mac sein, aber woher 4000 Mark nehmen? Die Alternative: ein Mac-Clone. Aber bis ich das Geld beinander hatte, wurden die Clones von Apple gekickt, durften nicht mehr gebaut werden. So wurde es dann doch so ein blöder Windows-Rechner, eben obige Blechkiste, denn Apple wurde der Stinkefinger gezeigt - so nicht Jungs.

Aber ganz am Anfang aller Computer im Bunker stand der Atari 1024 STFM, mit zwei Festplatten (Pizzaschachtelgröße). Ich glaube die hatten 20 MByte oder sowas. Das war viel und da war man richtig König. Aus dieser Zeit gibt es leider nur noch Druckzeugnisse und Tondokumente. Da wurde versäumt etwas für das Offenbacher Museum zurückzulegen.

Was so alte ausrangierte Dinge erzählen können, ne? Mal schauen, was der jetzige Rechner für Geschichten im Laufe seines Betriebsleben zusammenbringt. :D


Verfaßt unter…
Zeit: gut 1 Std.
Getränke: Kaffee
Verzehr: echter Apfelkuchen aus dem Taunus (von meiner Tante)
Musik: Sinners Lounge: Pure Pleasure

Tags: 3dfx, Apple, Atari, Computer, Voodoo, Windows

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