Magix: Mufin – MusicFinder


CoverÄhnliche Musik finden; so lautet die Aufgabenstellung der hiesigen Bunkerverwaltung an Mufin von der Softwareschmiede Magix. Und zwar zu einem Stück, wo bisher Welt gescheitert, sang und klanglos mit ihren Automatismen untergegangen ist. Das Stück nennt sich, wie kann es anders sein, wenn man schon einen Drachenflug hinter sich hat und auf Seelentanz geboren wurde, „The Dragon“ von Vangelis.

Über last.fm, einschließlich der Wikipedia-Verweise.de, verdummt man inzwischen. Nicht nur daß sich kleine Heerscharen von Alleinunterhalter (der Klem(m)dag läßt grüßen) irgendwo als „“Ähnlichkeit“ dranhängen, wie bei Klaus Schulze, es wird auch auf last.fm „auf Teufel komm raus“ getagt, daß man Scheibenwischer im Dutzend billiger der Welt anpreisen kann, ist man dort an einem Vormittag zu Gast, was zur Folge hatte, daß ich mein Profil heute gelöscht habe. Mögen andere ihre Schritte in der Welt der Klänge dort unternehmen, für mich ist das völlig uninteressant geworden. Der Tag (engl.) „deutsch“ in der Electronic Music war der Tropfen, der zuviel war. „Schwarzbraun ist die Haselnuß“ ist auch deutsch, ebenso wie „Er gehört zu mir“, „Tanz der Lemminge (sowohl 1 als auch 2)“ oder auch „Dampfriemen“. Stilistisch paßt nur nichts zusammen, was aber keine Rolle spielt – Hauptsache der Tag (engl.) „deutsch“ ist überall zu sehen.
Vor ungefähr 15 Jahren, als die heutigen Admins der Wikipedia gerade den Kindergarten verließen (siehe Berichte aus aller Welt; Titel: „Die Autoren laufen der Wikipedia davon“) wurde auch getagt, auch recht sinnlos. Intelligent Techno, TechHouse… unter der Hand „Deppentechno“ und andere Geburten. Der Nachteil aller Wertefindungen - mit der Zeit vermischt sich alles und so kommt es, daß heute niemand mehr weiß, was Deutschrock, Krautrock, Pyschedelicrock oder Spacerock ist. Gerade den Tag „Krautrock“ gibt es recht oft bei Musikern/Bands der 70er, obwohl es nur eine einzige Geschichte gibt und die ist unzertrennbar mit Sauerkraut und Mama Düül verbunden. Und Krautrock ist nicht „Neue deutsche Volksmusik“ – Deutschrock.

Ein weiterer Nachteil der menschlichen Wertefindungen und des einhergehenden „Fanstatus“ – es wird nur Bekanntes, ein nach alten Richtwerten ermitteltes Klanggut, mitgereicht. Das Zirkeltraining schlechthin: Klaus Schulze, Ashra, Manuel Göttsching, Tangerine Dream, Vangelis. Über last.fm gibt es noch Biosphere und auch Cluster dazu (aha…). Der „Totentag“ läßt grüßen… (Vorsicht Falle ;) ) Das System funktioniert nur bedingt. Bei Vangelis wird Moby (aha… man weiß so wenig… (Donaldist online)) Enigma und auch Jean-Michel Jarre angeheftet. Und wie sieht es nun mit „The Dragon“ von Vangelis aus?

Ganz schlecht. Kommt davon, wenn keine Alben beim scrobbeln einbezogen werden, die im Tag (engl.) gelistet sind und man dann den angeblichen Track (Dreck) irgendwo in eine Datenbank verlinkt (siehe Datenschrott). Wie dumm muß Mensch erst werden, um auf diesem Niveau seinen goldenen Hort des Meinungswissen zu bauen? Wie dumm soll der Nachwuchs bleiben, jene, die dann den Kindern erzählen… „Früher…“ Und Kind sagt dann: „Aber Opa erzählt das gaaanz anders…“ Was wollen sie reichen, wenn wer fragt: „Ich suche etwas ähnliches wie „The Dragon“, Jahrgang 1971, von Vangelis. Weiß du etwas?“ Nicht überall ist jemand wie der fliegende Robert (Robert Lug) oder der nette Herr vom Sound Check (Offenbach/Kaiserstr.), die dann einem an die Hand nehmen und sagen: „Komm mal mit Frederick…“ Was macht nun ein Grashüpfer, der „The Dragon“ Jahrgang 1971 von Vangelis hört und findet das toll? Er will mehr, doch wer erzählt es ihm? Vangelis hat nur eine Platte dieser Art produziert… bei Vangelis selbst wird er nicht mehr fündig werden, schon gar nicht beim gleichnamigen Track Jahrgang 1983 (China #3/1978). Doch wohin gehen? Und jetzt schlägt die Stunde von Magix’s Mufin MuicFinder.

Ich bin ja erst am Anfang, aber immerhin 1500 mp3-Dateien hat Mufin in der Datenbank. Das hat eine Weile gedauert bis Mufin alles eingelesen hatte – von Neue Deutsche Welle, Berliner Schule, Düsseldorfer Schule, Krautrock, Deutschrock, New Age, Ambient, Experimentelle Electronic, Intelligent Techno, Trance, Psycedelic-Trance, Pop, Bass-o-nova, Dub, Reggae, Klassik… Quer Beet eben. Ließt nun Mufin nur mp3-tags aus oder analysiert das Programm nun wirklich das Klangspektrum? Was reicht Mufin zu „The Dragon“ (1971) von Vangelis?

Mufin hat nicht lange gezögert und folgende Menukarte zu „The Dragon“ von Vangelis zusammengestellt: Amon Düül II (Amon Düül nicht… ;) ) Smashin Pumpkins, Spiral Realms und Architectural Metaphor. Wie schon erwähnt, ich bin erst am Beginn des „von CD/LP in mp3-Format“-rippen, aber das liest sich doch schon ganz anders, als das was allerorten gereicht wird. Und musikalisch paßt das zusammen. Damit es nicht verloren geht, kann man diese Menukarte als Playlist speichern, fertig ist die alternative Rocknacht – mit Vangelis. Wer hätte das gedacht, nicht wahr? Vangelis in der Rocknacht, kein New Age, kein Ambient, kein ChillOut oder gar Dark Ambient. Rock! So wie es sich für „The Dragon“ und einen anständigen Drachenflug gehört, wobei die #3 aus dem Album „China“ von Vangelis nicht mitfliegen darf, obwohl in der Datenbank von Mufin vorhanden. :D

Track: The Dragon (Vangelis) ->  
Mufin: Mosambique (Amon Düül) ->  

Bild: Link

Der nächste Test. Was reicht Mufin zu den Klassikstücken von Klaus Schulze? Gibt es zu Schulzes „Moldau“ eine philharmonische Interpretation zu Smetanas Flußreise? Vielleicht von Strauß als Beigabe „Also sprach Zarathustra“ und dann vielleicht noch „Timewind“ vom Meister persönlich? Und hier habe ich eine Besonderheit vorliegen, nämlich eine Fehlpressung. Auf Klaus Schulze “Goes Classic“ ist alles andere drauf, nur nicht der „Ungarischer Tanz Nr. 2“ von Brahms. Es sei hier angemerkt, ich hole die Daten zu den CDs über die Musikdatenbank freedb und rippe sie mit EAC. Das geschieht alles während ich diesen Text schreibe, um die Abhängigkeiten zu überprüfen – CD, Internet, Datenbank, Festplatte, mp3tag -> Mufin. Und natürlich werden auch die alten Meister der Klassik gerippt (CD -> mp3), damit ein Vergleich vorhanden ist, Mufin somit die Chance hat ähnliches zusammenzustellen. Sonst würde es keinen Sinn machen. Und deswegen stelle ich mich ganz dumm, kaufe die Fehlpressung als Original für 36,95 DM (Preisschild klebt noch auf der Hülle :D ) auf dem Flohmarkt und tagge die mp3-Dateien manuell mit mp3tag vom Booklet ab, ohne Genre-Tag, wundere mich zwar… aber ist ja bald Totentag und Bierglasuntersetzer sind im Apfelweinland immer recht knapp. Gefällt mir und meinen Gästen bestimmt nicht, diese CD. ;) Ergebnisse von Mufin sind als Bild gelinkt.

Original Track: Moldau (Klaus Schulze) ->  
Mufin: Other Side of Antarctica (Vangelis) ->  
Fehlpressung: Moldau (Irgendwer) ->  
Mufin: Carnaval De Sao Vicente (Cesaria Evora) ->  

Bild: Link (Original “Goes Classic”)
Bild: Link (Fehlpressung)

Persönlich wollte ich ja noch wissen, was gibt es zu „Waiting for Cousteau“ von Jean Michel Jarre? Eno und die Ambient-Reihe? Wieder 45 Minuten warten bis der Beat kommt, der Rhythmus wo ich mit muß? Eine weitere Geschichte mit Peter oder dann doch das Wissen „Ach, schau mal, der Eno macht das auch so… Da kommt nix mehr bei Jarre… das plätschert so weiter, die 45 Minuten sind so…“

Track: Waiting for Cousteau (Jean Michel Jarre) ->  
Mufin: giant stroke (Woob) ->  

Bild: Link

Leider kein Brian Eno dabei. Muß Peter und ich weiter warten auf Cousteau.

Das war der “Härtetest” für Mufin aus hiesiger Klangwerkstatt. Mufin funktioniert, wie Magix es angedacht hat. Daß Vangelis einen Bombastsound hat, ist bekannt. Vielleicht deswegen kein Orchester zu Schulzes Moldau. Sind alles smarte Musiker, die da im Orchester den Bogen schwingen… Umgekehrt gibt es zu Smetanas Flußgeschichte vom ihnen (Los Angeles Phillharmonic Orchestra) Loop Guru und Vangelis. Feintuningarbeiten stehen jedenfalls noch aus. Und wenn das ganze auch online läuft (momentan nur über die heimische Festplatte) bin ich mir sicher, daß die Tag-Geschichten ganz schnell a akta gelegt werden. Auf die Community bin ich dann auch gespannt, ob die dann so wird, wie angedacht – ein Gedankenaustausch für Musikinteressierte und kein Schwanzlängenmessen wie auf last.fm, wo gejammert wird, wenn ein Vormittag die Titel nicht gescrobbelt werden. Nachteilig ist das eigene Playlist-Format bei Mufin, was andere Abspielgeräte außen vorläßt, die mit plugins besonders bestückt sind. Anders herum gerechnet, die 37 MByte RAM-Verbrauch von Mufin ergeben kleiner Player + last.fm. Dennoch wäre es für Welt einfacher, wenn die Playlist ein gängiges Format hätte. Vielleicht bastelt ja wer was… so ein Mufin-Tool ;)

Und zum Abschluß an Euch die Frage: Ist dieser Artikel nun mit 10 Euro vergütet worden, somit eine Auftragsarbeit, die nicht als solche gekennzeichnet ist? Nicht von Trigami, die wollen ja so einen komischen Text voran gestellt haben – ist ja nun geklärt, auf dieser Art nicht mit meiner Schreibmaschine. Hat Magix geschubst oder ist dies die Longversion eines Short-Artikel, der am 01. in einer Printausgabe erscheint, somit eine Auftragsarbeit von einem Chefredakteur ist? Ihr wißt ja, zumindest habe ich darüber schon erzählt, daß man da immer feilschen muß… hier schubsen, da schubsen, da wegstreichen – 200 Wörter bleiben. Hier sind es 1300 Wörter :D Wer hat, der kann. Oder ist es einfach nur eine Geschichte, die einfach so für lau und Euch geschrieben wurde – wegen Kultur und so?

Macht Euch Gedanken darum… :head:

Am Lagerfeuer, beim Geocaching oder bei einem Ritt auf einem Besen erzähle ich vielleicht dann darüber. :idea:


Verfaßt unter…
Getränke: viel Kaffee
Verzehr: noch mehr Zigaretten (American Spirit/gelb)
Musik: Vangelis – The Dragon (1971)

7 Kommentare zu “Magix: Mufin – MusicFinder”

  1. Georg


    Dienstag, 23.Oktober 2007 08:59
    Gravatar of Georg 1

    Sehr cooler Artikel. Sehr informativ und gut durch unzählige “Beweise” unterstütz. Danke ! :) Und das sage ich nicht nur weil ich bei Magix bin :D

  2. [BLOCKED BY STBV] MAGIX Blog


    Dienstag, 23.Oktober 2007 09:03
    Gravatar of [BLOCKED BY STBV] MAGIX Blog 2

    Mufin und der Drachen von Vangelis

    Während meinem alltäglichen Streifzug durch die Blogosphäre(n)  habe ich ein sehr schönen Artikel gefunden.  S.i.T vom  vault-13 Blog hat den vieldiskutierten Mufin Music Finder mal ausführlich getestet und auch Bez

  3. Sholly


    Dienstag, 23.Oktober 2007 11:09
    Gravatar of Sholly 3

    Kleiner Tipp: Man kann die Playlisten ins m3u-Format exportieren - für iTunes, Winamp und Co., viel Spaß noch beim entdecken.

  4. S.i.T.


    Dienstag, 23.Oktober 2007 14:26
    Gravatar of S.i.T. 4

    %( Datei -> M3U-Liste erzeugen… /me ist blind wie Paul, der ist Maulwurf von Beruf ;)

    Vielen Dank für den Hinweis. Den Spaß habe ich, feiere gerade mit Miles Davis und Co. Locomia läuft gerade… schon interessant was Mufin zusammenstellt. 30 Jahre kein Thema, fahren wir Omnibus und haben Spaß - ohne Tagmeierei :D

    Merci für das Feedback. Und nun geht online :)

  5. openboogie


    Dienstag, 23.Oktober 2007 19:33
    Gravatar of openboogie 5

    S.i.T. schrieb:
    “….blind wie Paul, der ist Maulwurf von Beruf”

    - und ich dachte immer, Paul wäre das Walross?! :head:

    Danke für den schönen Artikel. Das waren harte Nüsse für Musikerkenner. Schmeckten aber wohl ganz gut.

  6. S.i.T.


    Dienstag, 23.Oktober 2007 20:46
    Gravatar of S.i.T. 6

    :D Nein, nein, kein Walross. Paul ist die Erwachsenenaussprache - ich formuliere es mal so - für die Verniedlichung von Pauli. Und Pauli war Maulwurf bei *zu Amsterdammer schaut* Fix und Foxi. Fälschlicherweise wurde der Maulwurf bei der Maus auch Pauli gerufen, also der, der mit dem Igel immer unterwegs war. Nur der heißt im tchechischen Original Krtek. Deswegen heißt er Krtek und nicht Pauli, denn Krtek übersezt heißt Maulwurf. Vielleicht gibt es irgendwo auch ein Paul, der als Walross unterwegs ist, aber das sind dann Nachahmer… die wollen und können nicht ;)
    Mal Scherzkecks beiseite, vielleicht stammt der Spruch aus dem Kauka-Universum, vielleicht rührt er auch woanders her. So recht weiß ich es nun nicht.

    Jaja, die Nüsse waren gut. Ich knobel ja noch, warum kein Orchester kam, vielleicht ist der Sound viel zu dicht bei Schulze und Vangelis. Das Orchester läßt viel mehr Luft den einzelnen Noten/Klängen, während bei den Elektronikern ja immer was zusselt, und die Moogs von Klaus die scharen ja schon mit den Hufen, wenn der Meister das Studio betritt. Vielleicht plaudern mal die Magix-Leutchen, was da greift, nach welchen Gesichtspunkten die Analyse unterzogen wird.

    Woob… Jean Michel Jarre, da habe ich auch ertmal geschaut. Jarre läuft unter New Age und so, Woob unter Experimentelle Musik, beheimatet bei einem Trance-Label. Woob würde nie jemand aus der NewAge-Ecke anschauen oder wie immer man sie nennt, umgekehrt ist nun nicht gerade Jarre Stammgast in der ChillOut-Zone der Techno/Tranceleutchen. Aber Mufin weiß nichts um diese Barrieren, deswegen Woob unter Jarre. Toll.

    … gern geschehn, zieht einer Nutzen daraus, war es den Aufwand wert. *verneigt sich leicht*

  7. Sholly


    Mittwoch, 24.Oktober 2007 09:40
    Gravatar of Sholly 7

    Genau solche Effekte (Woob - JM Jarre) sind beabsichtigt, einer meiner favoriten war die Wendung von Johnny Cash (Hurt) über Jony Mitchell & Faithless hin zu Korns “Freak on a leash” - letzteres als sparsame unplugged Version - kommt man nie “per Hand” drauf und eine wunderbare Zusammenstellung in nur 4 Stationen.

    Übrigens ist die Extraktion der Features nach ca. 8 Minuten begrenzt, so wird z.B. nicht berücksichtigt, was nach 8 Minuten musiklalisch passiert.

    Hintergrund: die Technologie ordnet in musikalischen Segmenten, und bei langen Werken würde eine unzumutbare Datenmenge entstehen, die zum Rest der Tracks nicht mehr vergleichbar wird, es werden ja ungefähr mehr als 80 Aspekte extrahiert und verglichen.