Vogelfrei

Vogelfrei ohne d
Vogelfrei (fast)

Vorgestern Nacht gab es in Amerika eine weitere Sternstunde für Mark Zuckerberg, als er sich mit 19 Milliarden Dollar WhatsApp einverleibte. Es war noch dunkel in Hessen, den Flughafen in Frankfurt durften noch keine Flugzeuge anfliegen, als der DLF mit der Meldung rausrückte. Erst eine Stunde später, als mit den Nachrichten diese Milliardensumme wieder genannt wurde, ist es mir so langsam gedämmert: Mark Zuckerberg macht ernst. Facebook wird das Internet, denn mehr braucht Mensch nicht, so Zuckerberg vor ganz vielen Monden.

Zwar setzt er auch so einiges in den Sand, wie Facebook Home, aber letztendlich kommt er zu seinem Ziel, denn Geld spielt bei ihm keine Rolle. Warum soll er sich draufsetzen? Jetzt hat er von 450 Millionen WhatsApp-User, Tendenz steigend, die Adreßbücher einschl. der Telefonnummern. Und so auf den fernen Wald blickend, da wo Oberrad 05 zuhause ist: Da chatten 20 Spieler der 1. Mannschaft im Gruppenchat in WhatsApp, macht am Ende – vorsichtig geschätzt – ca. 500 Adressen für Zuckerberg. Nur von der 1. Mannschaft aus dem kleinen Oberrad in Frankfurt. Das ist schon nicht mehr faßbar, was da sich beim nachgrübeln auftut. Blickt man ein wenig zur Seite, wirkt das, was andere anwerfen recht „ärmlich“ im Gegensatz zu facebook, um herauszubekommen, was die Leute so machen, wo sie surfen etc.

Opera Max ist z.B. nun für alle zu haben, ein erweiterter Komprimierungsdienst für Smartphones. Man schickt alle Daten aus dem Netz, egal ob Browser oder App, über Opera M.

„Ich weiß wo du gestern warst…“

Wie die Browser des norwegischen Unternehmens hilft Opera Max dabei, den Datenverkehr zu verringern und so Volumen einzusparen. Allerdings beschränkt es sich dabei nicht auf Webseiten, sondern schließt auch den von nahezu jeder beliebigen Android-App erzeugten Traffic mit ein. (ZDNet)

Mich trifft das alles nicht mehr so hart, wie z.B. die Grashüpfer, die gerade erst am Anfang ihres Internetlebens stehen. Aber heute kam auch im Radio, daß es dem Großteil der Facebook-User egal ist, was da Zuckerberg veranstaltet. Denn wie heißt es immer so schön: Ich habe nix zu verbergen… Aber das fällt einem mal alles auf die Füße. Selbst wenn ich mich nicht bewege, meine Freunde plaudern genug. Das reicht der Zuckerburg oder auch Google schon. Der Deutschlandfunk hat zum 10jährigen Geburtstag von facebook einen aufschlußreichen Beitrag dazu gebracht. Hinzukommt, daß facebook uncool geworden ist, eine Art digitaler Internetstadl. Das liegt nicht nur daran, daß facebook überdurchschnittlich schnell altert – Stichwort: Jugendschwund – auch ist der Inhalt längst nicht mehr so spannend. Die Aktivitäten beschränken sich meist nur darauf, den facebook-Daumen zu bedienen (Google-Auswahl). Dazu mehr in einem vorangegangenen Beitrag. Natürlich wird Zuckerberg den kompletten Adressenstamm gewinnbringend mit personenbezogener Werbung überziehen. Sein Statement, daß man nun einen großen Schritt näher der vernetzten Welt gekommen ist, ist die typische Zuckerbergsche Sichtweise, denn die Welt ist schon lange vernetzt – eben nur nicht alles aus (s)einer Hand.

An Chattools habe ich immer noch das, was ich vor 10 Jahren hatte. Auf dem PC ist immer noch Miranda zugange – mit ICQ, Skype, Google und MSN. Allerdings ist da nicht mehr allzuviel los. Viele aus der alten Internetzeit – Web 0.5 – sind weg, da die gemeinsamen Interessen auch nicht mehr bestehen. So ist das im Leben. Aber man war eine schöne Zeit zusammen. Auf meinem Handy weiß ich nun nicht, wie ich das machen soll. Einzig Skype in Frage käme, wenn ich denn mehr wie drei User/Freunde in der Liste sehen will und WhatsApp die Klippe runterschubse. ;-) Es gab mal die Zeit, wo das kleine Miranda alle Protokolle abgedeckt hat, die auftauchten. Heute bin ich vogelfrei, fast vogelfrei, denn Zuckerberg ist mir so sympathisch wie manches Klomännchen im Hinterhof. Vielleicht ein zweites Handy benutzen – mit Skype, ICQ und dem Schweizer Messer Threema. Vielleicht auch nur Threema, so als cooles Aushängeschild. Ich bin zwar dann ganz alleine, aber ich habe ja noch für die ganz harten Fälle die SMS-Box für jeden Tag. Für die Nackedeibilder reicht auch das gute alte Postfach im virtuellen Raum. ;-)

Viel Auswahl hat man ja nicht. Entweder alles wegschmeißen oder alles behalten. WhatsApp löschen und facebook behalten… ist ein bißchen doof, oder nicht? Die Adressen von WhatsApp hat Zuckerberg, weswegen man nun nicht in Panik verfallen sollte und WhatsApp löscht. Besser eine Nacht oder auch zwei darüber schlafen, denn WhatsApp kann ja gerade durch und mit facebook dank der wachen Augen der EU in Sachen Privatsphäre gezügelt werden. In etwa so wie mit dem Freihandelsabkommen TTIP angedacht. :whistle: (link)

Man muß sich auch darüber im klaren sein, daß kein Unternehmen mehr in der Lage ist ohne facebook etwas auf die Beine zu stellen. „Laß uns Freunde werden“ so heißt es vom Radio bis hin zur Schaufensterdekoration. Auch in Offenbach. Gut betuchte Unternehmen sorgen dann dafür, daß facebook den Nutzer das Lesen von persönlichen Nachrichten durch viele bunte Bilder erleichtert. Für die Qualität der Bilder sind dann die Freunde zuständig, die durch den persönlichen Einsatz Freunde permanent auffordern, dieses und jenes zu liken, zu kommentieren, was auch facebook belohnt, in dem es den Nutzer bittet doch dieses und jenes zu bewerten, was den Firmen wieder zugute kommt. Das mit der Qualität der Bilder klappt allerdings noch nicht ganz so wie angedacht, aber Hauptsache bunt und die anderen denken daß es so ist, wie es aus der Zuckerburg angedacht wurde.

Nach so manch dramatischen Abschied von WhatsApp, der im Internet angepinnt wurde, bleibt nicht mehr viel zu schreiben. Man kann vielleicht mit Zuckerberg auskommen, wenn man ihm die Daten überläßt, ihm dann dafür aber den Saft abdreht, sprich: Werbebotschaften entfernen. WhatsApp kann man nicht kastrieren, der App einige Dinge abgewöhnen, ohne das die Funktionalität darunter leidet. Leider.

Verlockend: Vogelfrei mit Twitter herumzwitschern.